Kunstrasenplätze im Gelderland: Granulat-Verbot verwirrt Vereine

Kunstrasenplätze im Gelderland : Granulat-Verbot verwirrt Vereine

Die Granulate für Kunstrasenplätze könnten bald verboten sein. Trotz Ungewissheit behalten die Sportvereine im Gelderland die Nerven.

Derzeit wird in Brüssel über ein mögliches Verbot von Mikroplastik diskutiert. Davon betroffen wären auch Granulate, die im Kunstrasenbau eingesetzt werden. Die Materialien stehen im Verdacht, das Grundwasser mit Mikroplastik anzureichern. Wie die Gesetzgebung aussehen wird, ist noch unklar.

Missverständnisse gibt es darüber, was genau verboten werden könnte. Dass Kunstrasenplätze ab 2022 per se tabu sein könnten, stimmt aber nicht. Der Vorsitzende vom Stadtsportbund Geldern, Reinhard Winkler, kann die große Aufregung und die Verwirrtheit nur schwer verstehen: „Es geht nicht um den Kunstrasenplatz an sich, sondern lediglich um das Granulat auf dem Spielfeld. Hier gibt es viele Alternativen zum Kunststoffmaterial“, weiß Winkler.

Dennoch könnte ein Verbot ab 2022 für manche Vereine besondere Schwierigkeiten mit sich bringen. So auch beim DJK Schwarz-Weiß Twisteden. Dort wurde 2017 der Bau eines Kunstrasenplatzes abgeschlossen. Damals wurde das noch für gut befundene Kunststoffgranulat auf dem Platz verarbeitet. Johannes Kleuskens, DJK-Vorsitzender, findet die Situation unverständlich, bleibt aber zugleich zuversichtlich. „Wir werden uns jetzt nicht verrückt machen und warten, was letztendlich entschieden wird.“ Kleuskens setzt seine Hoffnung auf eine Ausnahmeregelung für bestehende Kunstrasenplätze. Diese könnte nämlich noch ausgesprochen werden, meint der DJK-Vorsitzende.

Eine Summe in fünf- oder gar sechsstelliger Höhe könnte pro Spielfeld anfallen, sollte der Belag ausgewechselt werden müssen, heißt es. Kleine Sportvereine wie in Twisteden wären sicherlich auf finanzielle Unterstützung, beispielsweise durch die Kommune, angewiesen. Eine ähnliche Situation liegt beim SV Sevelen vor. Dort wurde ebenfalls im Jahr 2017 ein moderner Sportplatz eingeweiht, der mit Kunststoffgranulat bestreut wurde. „Wir haben die Hoffnung, dass das Ganze in der Politik noch positiv für uns ausgeht“, so die SV-Vorsitzende Michaela Dellen. „Wir warten jetzt erst einmal ab.“

Der Sportplatz vom TSV Wankum-Wachtendonk ist mittlerweile rund zehn Jahre alt, berichtet der Vereinsvorsitzende André Stöver. Dort gestaltet sich die Situation kniffliger. „Bei uns fehlt eine gewisse Elastikschicht im Platz, die für ein Korkgranulat notwendig ist. Kunststoff drunter, Kork drauf – das funktioniert bei uns nicht“, sagt Stöver. Muss dort dann der gesamte Platz erneuert werden? Diese Frage stünde im Falle eines Verbots im Raum.

Die Jungs und Mädels vom FC Aldekerk kicken bereits seit zehn Jahren auf dem Kunstrasenplatz an der Kempener Landstraße. Damals wurden recycelte Autoreifen oder grünes Granulat aus Kunststoff eingesetzt. Stoffe die bald verboten sein könnten. „Nach zwölf Jahren wird der obere Belag gewechselt. Bei der Gelegenheit würden wir uns dann auch in Bezug auf ein alternatives Granulat beraten lassen“, sagt Vorsitzender Ralf Bloemers.

Ein Stück weit Glück hat der TSV Nieukerk. Am Aermen Düwel entsteht derzeit auf dem ehemaligen Ascheplatz ein neuer Kunstrasen-Belag. Zunächst hatten sich die Verantwortlichen für das Kunststoffgranulat entschieden. Da aber ein Verbot im Raum steht, hat sich der TSV nun für die Alternative Korkgranulat entschieden.

Auch beim SV Issum packt die Firma für Sportplatz und Freiraumplanung Geo3 derzeit an. Die Fertigstellung des Kunstrasen-Projekts rückt immer näher. Dort wurde die Kork-Alternative auch bereits vor der Debatte in Brüssel gehandelt. Schnell war klar, welches Granulat zum Einsatz kommen wird. „Das Korkgranulat steht bei uns schon parat, der kommt die Tage auf den Kunstrasen“, sagt Vorsitzender Frank Wanner. Ein Manko hat die Kork-Alternative: Bei Starkregen könnte das bisher selten verwendete Granulat vom Platz gespült werden, informierte im vergangenen Jahr Geo3-Geschäftsführer Markus van Aken den Sozialausschuss der Gemeinde Kerken. Die Verwendung von Kork ist derzeit noch Neuland. Erst seit rund zwei Jahren wird mit diesem Material vor allem in Gebieten mit hohen Umweltauflagen gearbeitet, berichtete Bernd Kolmans, Vorsitzender beim TSV Nieukerk. Wie sich das Material bewährt, wird sich zeigen.

Reinhard Winkler, Vorsitzender des Stadtsportbundes Geldern. Foto: kn/k.n.

Beim SV Veert ist Korkgranulat bereits seit einiger Zeit im Einsatz. „Unsere erste Mannschaft hat bereits auswärts in Veert auf dem Kunstrasen mit Kork gespielt. Sie haben kaum Unterschied zum Kunststoffgranulat bemerkt“, informierte Wanner vom SV Issum. Manche Veerter Spieler haben festgestellt, dass die Rate an Haut-Abschürfungen auf Spielfeldern mit Korkmaterial höher ist als auf Feldern mit Kunststoffgranulat. Im Vergleich zu einem Tennenplatz sei ein Kunstrasen mit Kork aber um einiges besser, was die Verletzungsthematik angeht.

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