Mönchengladbach: Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen - Stadt bleibt gelassen

EU-Entscheidung abwarten : Stadt bleibt bei Kunstrasen-Granulat gelassen

Da es sich bei dem häufig verwendeten Stoff um Mikroplastik handelt, könnte die EU ihn verbieten. Die Stadt wartet aber vorerst ab.

Kunstrasen gilt seit fast 20 Jahren als Schritt in die Zukunft. Ein Fußballverein hat mit Ascheplätzen keinen Zulauf mehr, Naturrasenplätze mussten nach Starkregen oder Schneefällen immer wieder gesperrt werden. Die Umwandlung vieler Plätze in ein Kunststoffrasenspielfeld hat Spiel-Ausfälle deutlich reduziert, zuletzt freute sich der SC Hardt über einen solch neuen Untergrund. Und nun sollen diese Plätze umweltschädlich sein, denn das darauf meist verwendete Granulat besteht aus Mikroplastik, das über die Luft in die Natur gelangen kann.

Die Europäische Chemikalien-Agentur (ECHA) hat bei der Europäischen Union (EU) einen Vorschlag hinterlegt, nach dem das Granulat auf Kunstrasenplätzen ab 2022 verboten werden soll. Die ECHA stützt sich auf eine Studie des Fraunhofer-Institus, die die „Verwehung von Sport- und Spielstätten“ als drittrelevanteste Quelle für Mikroplastik in Deutschland ansieht. Wie viel Granulat tatsächlich von jedem Platz abgetragen wird, ist unklar. Das Institut rechnet mit mehr als drei Tonnen pro Jahr, ein Hersteller mit 150 bis 300 Kilogramm. Rheinland-Pfalz hat unterdessen schon reagiert, das dortige Innenministerium wird Plätze mit dem Granulat nicht mehr finanziell fördern.

So hat der Vorstoß der ECHA für Aufregung gesorgt, eine Sanierung der betroffenen Spielfelder soll angeblich 20.000 Euro pro Platz kosten. Im Sportstättenentwicklungsplan der Stadt Mönchengladbach steht, dass sie Anfang 2018 über 20 Kunstoffrasenplätze (inklusive Kleinspielfelder) verfügte und perspektivisch plane, diese bis Ende 2021 um 22 weitere aufzustocken. Vielfach haben sich Vereine an der Umwandlung beteiligt, indem sie einen Eigenanteil von 100.000 Euro erbracht haben – sollte das Granulat tatsächlich verboten werden, fürchten sie, die Stadt könnte die Kosten der dann notwendigen Sanierung auf sie umlegen.

Dem widerspricht Sportdezernent Gert Fischer vehement. „Das ist Quatsch. Das sind städtische Plätze. Wenn wir etwas ändern müssen, müssen wir es ändern. Woher diese Summe von 20.000 Euro für die Sanierung herkommt, weiß ich übrigens auch nicht“, sagt er und ergänzt: „Blöd ist nur, dass wir nicht wissen, ob wir etwas ändern müssen, jetzt aber schon Entscheidungen treffen müssen. Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten im Campus-Park zwei neue Kunstrasenplätze anlegen. Da können wir jetzt nicht die Hände in den Schoß legen und warten, ob von der EU etwas kommt“, sagt Fischer, der davon ausgeht, dass es aus Brüssel vor September 2020 keine konkreten Vorgaben geben wird.

Zur technischen Seite erklärt der Dezernent: „Wenn man statt des Granulats Sand aufträgt, ist die Verletzungsgefahr fast so hoch wie auf Ascheplätzen. Die dritte Möglichkeit wäre Kork, aber wir haben noch keinen Platz gefunden, auf dem das funktioniert hat. Wir besichtigen gerade welche, aber da, wo das nicht gut umgesetzt wurde, wird das Kork so stark ausgeschwemmt, dass man drei-, viermal im Jahr nachfüllen muss. Das ist auch nicht sinnvoll“, sagt Fischer.

Die Lösung der Stadt so lange: „Wir lassen die alten Plätze wie sie sind, alles andere wäre ja zum jetzigen Zeitpunkt Wahnsinn. Wir hoffen, dass – wenn eine solche Entscheidung der EU kommt – es dann einen Beipackzettel gibt mit Empfehlungen und Zeiten für die Umsetzung. Außerdem bin ich felsenfest davon überzeugt, dass Firmen mögliche Alternativen herstellen werden, wenn es zu dem Granulat-Verbot kommt. Ich bin da völlig gelassen.“

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