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Motorsport: Le Mans: Jörg Bergmeister komplett frustriert

Motorsport : Le Mans: Jörg Bergmeister komplett frustriert

Langenfelder Motorsportler kam beim 24-Stunden-Rennen aufgrund technischer Probleme mit 30 Runden Rückstand ins Ziel.

Das Rennen gehört zu den Terminen, auf die sich Jörg Bergmeister das ganze Jahr über freut. Aber die große Liebe beginnt ihm zunehmend die kalte Schulter zu zeigen, weil immer wieder was Neues dazwischenfunkt. Und auch diesmal war der Mythos von Le Mans für den Porsche-Werksfahrer keine Lust, sondern eine echte Last. Die Hoffnungen auf eine Top-Platzierung beim legendären 24 Stunden-Rennen lösten sich durch technische Probleme in Luft auf, als auf dem "Circuit de la Sarthe" ein Drittel vorbei war. Später, am Ende eines frustrierenden Marathons, lag Bergmeister mit seinen beiden Teamkollegen Nick Tandy (England) und Patrick Pilet (Frankreich) im Porsche 911 RSR so weit hinter der Spitze der Klasse LM GTE Pro, dass er beim Blick in die offizielle Ergebnisliste seinen Augen kaum getraut haben dürfte. Die 30 Runden Rückstand auf den siegreichen Ferrari bedeuten umgerechnet eine Strecke von gut 400 Kilometern.

 Nachher: Jörg Bergmeister machte beim Befüllen seiner Trinkflasche insgesamt doch einen ziemlich nachdenklichen Eindruck.
Nachher: Jörg Bergmeister machte beim Befüllen seiner Trinkflasche insgesamt doch einen ziemlich nachdenklichen Eindruck. Foto: Porsche AG

In Porsche-Deutsch ergab sich daraus für den 38-Jährigen dieses Fazit: "Das ist leider nicht das Resultat, das wir uns erwünscht und erhofft haben." Weil sich die Enttäuschung daraus allerdings nicht richtig ablesen ließ, gab es aber auch eine deutlichere Variante: "Mist." Das Ergebnis passte irgendwie zum Abschluss einer sehr intensiven Woche, die nichts weiter als eine große Enttäuschung brachte - und tiefe Müdigkeit. Das wiederum lag daran, dass Bergmeister im mit Schlafmöglichkeiten ausgestatteten Porsche-Mobil nicht am günstigsten Platz liegen konnte: "Ich hatte das Bett direkt an der Tür." Und weil die alle paar Minuten aufging, war zumindest an tiefere Entspannung nicht zu denken.

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Bereits das für die Start-Aufstellung entscheidende Qualifying deutete an, dass die beiden vom "Porsche Team Manthey" eingesetzten 911 RSR einen schweren Stand haben würden. Ein Grund dafür stammte aus dem Jahr 2013, als Porsche in Le Mans einen Doppelsieg nach Hause fuhr - der sich jetzt mit Verspätung bemerkbar machte. Die 25 Kilo mehr an Gewicht und ein kleinerer Luftmengen-Begrenzer waren ein echtes Handicap. Im Zeittraining lag Bergmeister zum Auftakt im Auto mit der Nummer 91 auf Rang fünf zuerst rund 1,8 Sekunden hinter der Bestzeit. Diese Differenz trug er noch gefasst: "Das ist ein 24-Stunden-Rennen. Da gewinnt nicht immer der, der das schnellste Auto hat." Bis zum Start des Rennens stellte sich aber auch keine Besserung ein.

Hier tat sich dann plötzlich neue Hoffnung auf - genau ab dem Moment, als ein erster heftiger Regenguss den 13,629 Kilometer langen Mischkurs (Rennstrecke, öffentliche Straßen) mit viel Wasser versorgte. Porsche wählte eine andere Strategie als die Konkurrenz und verzichtete zunächst auf den Wechsel zu Regenreifen - was sich als richtige Idee erwies, denn rund 30 Minuten darauf durfte sich Porsche über eine Doppel-Führung freuen. Und wenig später übernahm Jörg Bergmeister in einer weiteren Gelbphase die erste Position, die allerdings nur eine schöne Moment-Aufnahme bleiben sollte. Als am frühen Abend die Sonne die Wolken besiegte und die Strecke abtrocknete, musste das Porsche-Duo erneut hinterherfahren.

"Wir waren zu langsam", stellte Bergmeister ernüchtert fest. Die Chance auf ein Top-Resultat wäre allenfalls beim Zusammentreffen der günstigsten Umstände erhalten geblieben, doch es kam noch einmal ganz anders.

Praktisch wie aus dem Nichts trat ein technisches Problem mit der Benzinzufuhr auf, das einen über 40 Minuten dauernden Reparatur-Aufenthalt in der Box erforderlich machte. Für den großen Rest des Feldes hätte der Defekt sogar ein Sicherheitsrisiko werden können. "Wir hatten recht starke Aussetzer. Das kann ja auch gefährlich werden, wenn beispielsweise das hinter einem fahrende Auto erwartet, dass man beschleunigt. Und dann beschleunigt man nicht, weil gerade wieder ein Aussetzer kommt", sagte Bergmeister. Er saß da draußen wie auf glühenden Kohlen und konnte nichts mehr ändern. Die anderen drehten in der Nacht von Le Mans Runde um Runde, sodass es für Bergmeister ab jetzt nur noch ums Ankommen ging. Das bescheidene Resultat trat später in der Analyse noch mehr weh - weil es einen möglicherweise entscheidenden Einfluss auf die gesamte Saison 2014 hat.

Le Mans ist das Herzstück der Langstrecken-Weltmeisterschaft (World Endurance Championship) und aufgrund seiner besonderen Bedeutung mit einer doppelten Punktevergabe ausgestattet. "Das ist das Blöde. dass wir nur einen Punkt bekommen haben", betonte Jörg Bergmeister, "die Meisterschaft ist damit für uns gelaufen." Dass die Gewinner für ihren Triumph 50 Zähler überwiesen bekamen, lässt sich nur schwer aufholen - weil es für einen gewöhnlichen Rennsieg lediglich 25 Punkte gibt. Um heranzukommen, muss ein Verfolger also zweimal gewinnen, während die Spitze gleichzeitig leer ausgeht. Die mathematischen Grundlagen dürften sich auch nicht dadurch ändern, dass nun die lange Sommerpause ansteht. "Wir können vielleicht einzelne Rennen gewinnen", glaubt Bergmeister. Ob das Prinzip Hoffnung in Erfüllung geht, wird erst am 20. September in Houston (Texas) beim vierten Rennen der Langstrecken-Weltmeistertschaft 2014 zu sehen sein.

Unter einem Mangel an Beschäftigung wird sich Jörg Bergmeister bis dahin trotzdem nicht beklagen können. Bereits am Donnerstag gibt es das erste freie Training für das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, bei dem am Samstag um 16 Uhr der Startschuss fällt. Porsche hat seinen Werksfahrer ans "Haribo-Racing-Team" aus Bonn ausgeliehen. Bergmeister bildet dazu mit Norbert Siedler (Wildschönau/Österreich), Mike Stursberg (Wermelskirchen) und Hans Guido Riegel (Bonn) ein Quartett, das sich die Arbeit am Steuer eines Porsche 911 GT 3 R teilt. Auch der Nürburgring ist für den Langenfelder eine große sportliche Leidenschaft. Deshalb hofft er, dass sie ihm nicht auch die ganz kalte Schulter zeigt.

(RP)