Motorsport: Tim Bergmeister: Auch Detroit enttäuschend

Motorsport : Tim Bergmeister: Auch Detroit enttäuschend

Langenfelder Motorsportler fährt in der Pirelli World Challenge hinter den eigenen Ansprüchen her. Diesmal gab es zwei neunte Plätze.

Seit über 30 Jahren ist das schon so. Wann immer Tim Bergmeister (39) in ein Fahrzeug klettert, will er gewinnen. Das hat sich seit den Anfängen der Karriere im Kartsport über die Formel 3, den Porsche-Carrera-Cup, den Porsche-Supercup, die Serie ADAC GT Masters und die japanische Serie Super GT nicht im Geringsten geändert. Und als sich der Langenfelder für die Saison 2014 mit dem texanischen Team Effort Racing auf eine Zusammenarbeit in der Pirelli World Challenge verständigte, gab es nur ein Ziel: "Natürlich haben wir Ambitionen, oben dabei zu sein." Wunsch und Wirklichkeit passen allerdings fast gar nicht zusammen. Nach gut einem Drittel der Saison 2014 dürfte feststehen, dass der Traum von einem Sieg vermutlich eine Fata Morgana bleiben wird. Vor den beiden Rennen in Detroit (Michigan) hatte der Langenfelder die Plätze zehn, acht, sieben und neun auf dem Konto. Weil dann zu dieser bescheidenen Bilanz lediglich zwei weitere neunte Ränge hinzukamen, hielt sich die Begeisterung in Grenzen. "Mehr ging aber nicht", sagt Bergmeister.

Als Hauptproblem sehen Team und Fahrer die Reifen, die nicht zu den besonderen Eigenschaften des Porsche 911 GT 3 R passen wollen. Zugesagt waren Produkte aus dem Jahr 2014, zur Verfügung gestellt wurde letztlich jedoch Bereifung von 2012. "Wir haben keinen richtigen Grip", erklärt der Langenfelder. Das Problem macht sich auf engen Stadtkursen, früher eigentlich immer eine besondere Chance für Porsche, erst recht negativ bemerkbar. Der Rückstand im Qualifying (Zeittraining/entscheidet über die Startaufstellung) lag auf eine Runde über 3,78 Kilometer bei fast zwei Sekunden - was im Motorsport als Ewigkeit gilt. "Das sind Welten", bestätigt Tim Bergmeister, der den Wettkampf nur vom zehnten Platz aus in Angriff nehmen konnte.

Im Rennen war der Rückstand auf die Spitze ein bisschen kleiner (im Durchschnitt gut eine Sekunde pro Runde), doch für eine Podiums-Platzierung kam der Effort-Porsche nicht in Frage. Selbst Rang acht lag am Ende zu weit weg - und im zweiten Rennen lief es nicht viel besser. Bergmeister musste erneut der Konkurrenz von Cadillac, Ferrari und Audi den Vortritt lassen.

Was bleibt, ist vor allen Dingen die Hoffnung, auf einer klassischen Rennstrecke etwas besser auszusehen als auf einem Stadtkurs. Die "Road America" in Elkhart Lake (Wisconsin) ist mit ihren 6,51 Kilometern länger und hat bei insgesamt 14 Kurven gleichzeitig weniger Ecken. Qualifying und erstes Rennen sind für den 20. Juni angesetzt (Freitag), das zweite Rennen folgt am 21. Juni (Samstag). Bergmeister macht sich trotz seines fest eingebauten Ehrgeizes keine Illusionen: "Es ist kaum davon auszugehen, dass wir da auf die Pole fahren werden." Pole ist der erste Platz im Zeittraining, der aktuell nicht zur rauen Wirklichkeit passen will.

Günstiger ist der Stand der Dinge für den Fahrlehrer und Vater Tim Bergmeister. In der Pirelli World Challenge führt der Effort-Teamkollege Michael Mills, den Bergmeister im vergangenen Jahr als Berater sportlich weitergebildet hat, die Wertung der Amateurfahrer an - was intern immerhin als Trostpflaster für den ausbleibenden Erfolg bei den Profis gilt. Und der acht Jahre alte Jakob Bergmeister liegt nach den ersten neun Rennen der Kartmeisterschaft 2014 in Kerpen mit 156 Punkten aussichtsreich auf dem zweiten Platz - mitten in einem spannenden Dreikampf mit Pablo Kramer (Hamm/165) und Jule Weimann (Preetz/147). Die Rennen zehn bis zwölf folgen morgen bei der Kerpener Pfingst-Trophy. Dann ist der Sprung an die Spitze der Gesamtwertung drin für Jakob Bergmeister. Für Tim Bergmeister wird er in dieser Saison vermutlich eine Fata Morgana bleiben.

(RP)
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