Gutes Jahr 2018 für Genossenschaftsbanken im Kreis Heinsberg

Bilanz der Volksbanken und Raiffeisenbanken : Gutes Jahr für Genossenschaftsbanken

Die im Kreis Heinsberg tätigen Genossenschaftsbanken sprechen von einem erfolgreichen Geschäftsjahr. Das Kreditgeschäft liegt deutlich im Plus. Das genossenschaftliche Geschäftsmodell habe in schwierigen Zeiten Stärke bewiesen.

Die Genossenschaftsbanken sehen sich einer besonderen Herausforderung gegenüber. Veit Luxem, Sprecher der vier Genossenschaftsbanken im Kreis Heinsberg, sprach bei der Vorlage der Bilanz der Volksbanken und Raiffeisenbanken für das Jahr 2018 im Hause der Raiffeisenbank Erkelenz eG in Lövenich von einem magischen Fünfeck: Ein Niedrigzins, der einerseits die Anlagemöglichkeiten und damit unter anderem auch die Altersvorsorge der Menschen erschwert und anderseits das Ergebnis der Banken drückt. Dazu ein wachsender Wettbewerb mit völlig neuen Mitspielern wie Fintecs. Die Digitalisierung, die Chancen und Herausforderungen bereithält sowie ein regulatorischer Rahmen, der viel Personal binde. Und ein weltpolitisches Umfeld, wo mittlerweile jede Verlässlichkeit verloren gehe. „In diesem magischen Fünfeck der Herausforderungen haben wir uns im Kreis Heinsberg im Raiffeisenjahr 2018 mehr als behauptet. Zehn Jahre nach der Lehmann-Pleite sind die Genossenschaftsbanken stark und zukunftsfähig aufgestellt“, sagte Luxem.

Gemeinsam mit seinen Kollegen Josef Brück (Volksbank Erkelenz), Bruno Kasper und Walter Steinbusch (Raiffeisenbank Erkelenz) sowie Birgit Esser und Jörn Treichel (Volksbank Haaren) blickte Luxem auf das Geschäftsjahr 2018 zurück. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, um unsere Genossenschaftsbanken für die Zukunft aufzustellen, ohne unseren Förderauftrag zu vernachlässigen“, sagte Luxem. Er geht davon aus, dass nach Steuern in Höhe von fast fünf Millionen Euro ein Bilanzgewinn von 10,5 Millionen Euro ausgewiesen wird. Aus diesem Jahresüberschuss werde vorbehaltlich der Zustimmung durch die Anteilseigner eine Dividende von 1,1 Millionen Euro gezahlt. „Das ist eine Verzinsung der Geschäftsguthaben von immerhin fünf Prozent“, sagte Luxem.

Er kam auch auf das Thema Filialschließungen zu sprechen. Die Genossenschaftsbanken haben 2018 sieben Filialen im Kreis Heinsberg geschlossen und vier Filialen in SB-Stellen umgewandelt. „Es gibt 15.000 Tankstellen in Deutschland – und 25.000 Bankstellen“, sagte Luxem und erklärte, dass die Volksbanken und Raiffeisenbanken auch in Zukunft immer dort sein würden, wo ihre Mitglieder und Kunden sind. Das Kundenverhalten verändere sich. Einfache Serviceleistungen erledigten die Kunden zunehmend online. Gleichzeitig steige der Bedarf nach komplexen Beratungsleistungen im Niedrigzinsumfeld. „Kunden können daher aus einer breiten Palette von Kontakmöglichkeiten wählen: Online von zu Hause, per VR-Banking-App von unterwegs oder auch persönlich in der nächsten Filiale.“

Die im Kreis Heinsberg tätigen Genossenschaftsbanken haben im Jahr 2018 wachsende Kredite und Einlagen erzielt. Das betreute Kundenvolumen stieg um 4,9 Prozent auf über 5,6 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme der vier Genossenschaftsbanken sei um 6,4 Prozent (plus 164 Millionen Euro) auf über 2,7 Mlliarden Euro gewachsen. Deutlich zugenommen hat das Kreditgeschäft. Am 31. Dezember 2018 waren rund 1,7 Milliarden Euro an Mitglieder und Kunden ausgeliehen. Zusammen mit den in die genossenschaftliche Finanzgruppe vermittelten Finanzierungen beträgt das Gesamtkreditvolumen 2,2 Milliarden Euro. Das sind rund 100 Millionen Euro oder 4,8 Prozent mehr bereitgestellte Investitionsmittel für die heimische Wirtschaft sowie für Mitglieder und Kunden als noch im Jahr 2017. Das Betriebsergebnis vor Bewertung ist im Jahr 2018 mit 21,6 Millionen Euro leicht besser ausgefallen als 2017. Der Verwaltungsaufwand 2018 ist um etwa 4,8 Prozent auf 51,3 Millionen Euro zurückgegangen. Niedrigzinsbedingte Rückgänge beim Zinsergebnis (minus 2,7 Prozent auf 51,7 Millionen Euro) sind zum Teil durch ein besseres Provisionsergebnis (plus 2,8 Prozent auf 21,6 Millionen Euro) kompensiert worden.

Besserungen beim Zinsniveau sieht Luxem frühestens im Herbst 2019. Wahlgeschenke in Italien, Reformunfähigkeit in Frankreich und wachsender Populismus würden die wirtschaftliche Entwicklung hemmen. Luxem: „Genossenschaftsbanken sind Regionalbanken. Aber wir wissen ganz genau, was wir an einem starken und funktionierenden Europa haben.“