Ziemlich beste Freundinnen aus Krefeld

Lebenshilfe : Ziemlich beste Freundinnen

Der Familienunterstützende Dienst der Lebenshilfe bringt Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen. Bei Adina und Sabrina passt die Chemie von Anfang an. Die beiden sind regelmäßig gemeinsam unterwegs.

Sie sind beide ein bisschen aufgeregt, denn es ist ihr erstes Mal: Adina und Sabrina werden für die Zeitung zu ihrer ziemlich guten Freundschaft befragt. Die beiden jungen Frauen, Jahrgänge 1995 und 1996, kennen sich erst seit Oktober und verstehen sich jetzt schon allerbestens.

Zusammengebracht hat die beiden Lisa Reubert von der Lebenshilfe Krefeld. Adina – im Rollstuhl unterwegs – suchte jemanden, der sie in ihrer Freizeit begleitet und unterstützt; Sabrina suchte jemanden, der sie braucht.

„Die Chemie muss stimmen“, sagt Lisa Reubert, die den „Familienunterstützenden Dienst“ (FUD) der Lebenshilfe Krefeld koordiniert. Bei Sabrina und Adina stimmt die Chemie erstklassig überein. Sie mögen dieselbe Musik, sie fahren rasend gern mit der Eisenbahn, sie haben an denselben Dingen Spaß.

Eine regelmäßige gemeinsame Unternehmung der beiden ist die Freitag-Abend-Party in der Friedenskirche. Zur „Gemeinschaft ohne Grenzen“, G.o.G, gehen sie gerne. „Dann trinke ich eine Cola“, sagt Adina. Beide lieben die Schlager, die dort gespielt werden: „Party-Musik eben!“ Im Gemeindehaus werden Plätze für die Rollis freigehalten. Adinas allerbeste Freundin Kim sitzt wie Adina im Rollstuhl und kommt mit ihrer Begleitung auch oft zur G.o.G. Neulich waren die Mädels zu „Anjas Singabend“ in der Kulturfabrik. „Das war schön“, sagt Adina.

Um die Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung kümmern sie sich als erstes: „Wir wissen immer schon vorher, wo die Toiletten sind“, sagt Sabrina. Zum Gesprächstermin haben sie ein barrierefreies Lokal gewählt – Adina ist an diesem Spätnachmittag nicht die einzige im Rollstuhl.

Gut zu wissen, wohin man mit dem Rolli gelangen kann. Kino geht: Neulich haben sie sich den Film „Wendy“ angeschaut – im Cinemaxx gibt es einen Aufzug für Menschen im Rolli. Ihre Eintrittskarte bewahrt Adina in einer Erinnerungskiste auf. Dorthinein legt sie auch andere Stücke von gemeinsamen Ausflügen.

Adina und Sabrina teilen auch die Leidenschaft für das Eisenbahnfahren. „Ich fahre gerne Zug“, sagt Adina. An so manchem Sonntag machen die beiden sich also auf die Reise. „Wir fahren gerne weit und gucken und schauen“, sagt Sabrina. Mit einem Picknick oder einem Taschengeld zum Essengehen machen sie sich auf Entdeckungstour. Zum Zoo nach Gelsenkirchen, nach Düsseldorf auf eine Rheinwiese oder nach Venlo zum Bummeln. Dort ist ihnen aufgefallen: „Die Menschen sind viel hilfsbereiter.“

Nächste Ziele der unternehmungslustigen jungen Damen sind der Gruga-Park in Essen oder das Schokoladenmuseum in Köln – derzeit ist es dafür allerdings zu heiß. Von ihren gemeinsamen Touren machen sie Selfies für die Daheimgebliebenen; für ihre Verabredungen nutzen sie ihre Telefone. „Wir quatschen über WhatsApp, wenn’s was zu bereden gibt“, sagen sie. Die Sprachnachrichten sind ein prima Medium für die beiden.

Sabrina ist durch eine befreundete Heilerziehungspflegerin auf die Idee gekommen, ihre Freizeit mit einem Mädchen mit Behinderung zu verbringen. „Das ist etwas ganz anderes als mein Arbeitsalltag“, sagt sie. Sabrina arbeitet als tiermedizinische Fachangestellte in Neuss: „Mein Traumberuf“. Ihrem Chef gefällt ihr soziales Engagement. Und für Sabrina hat sich im Team mit Adina eine völlig neue Lebenswelt erschlossen und ihre Berührungsängste sind verschwunden: „Ich finde es toll, mit Adina unterwegs zu sein.“

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