Krefeld: Hitzige Debatte um Hülser Naturbad in der Bezirksvertretung

Naturbad Hüls : Hitzige Debatte um Hülser Bad-Desaster

Die Schließung des Naturbades war Streitthema in der Bezirksvertretung Hüls. Besonders ärgert die Bezirksvertreter die Ertüchtigung des Bades für rund 90.000 Euro im vergangenen Jahr.

„Man muss sich ehrlich machen“, forderte Beigeordneter Markus Schön in der Sitzung der Bezirksvertretung Hüls, in der er und Fachbereichsleiter Oliver Klostermann, zuständig für Sport und Bäder, den Hülsern das Desaster mit dem geschlossenen Freibad erklären mussten. Eine denkbar undankbare Aufgabe, die für eine zweistündige Diskussion sorgte, in der etliche ehrliche Worte fielen, die den Verantwortlichen ganz offensichtlich nicht alle schmeckten.

Zumal die Überbringer der schlechten Nachricht erst seit kurzem im Amt sind und für die Versäumnisse, die an diesem Donnerstagabend und zuvor bereits im Sportausschuss angesprochen wurden, nicht zuständig sind. Die damals Verantwortlichen jedoch, die Bezirksvorsteher Hans Butzen ebenfalls eingeladen hatte, ließen sich mit Verweis auf „Mitarbeiterschutz“ entschuldigen. Sie hatten 2017 die Ertüchtigung des Naturbades für 90.000 Euro vorangetrieben, über deren Umsetzung es wie berichtet 2018 bereits zu heftigen Debatten in der Bezirksvertretung gekommen war.

Nun stellt sich heraus: Alle Ausgaben waren umsonst. Das Bad hätte schon damals nicht weiter betrieben werden dürfen. „90.000 Euro sind damit in den Kies gesetzt worden“, polterte Butzen verärgert. Dem stimmte Beigeordneter Schön zu, zeigte aber kein Verständnis dafür, wie man eine solche Sanierung in Auftrag geben konnte, ohne vorher ein entsprechendes Gutachten einzuholen. Damit, so Schön, beschäftige sich nun das Rechnungsprüfungsamt.

Er und seine Mitarbeiter hätten einfach nur ihren Job gemacht und bei den Themen Schule und Sport „den Teppich hoch gehoben und nachgeschaut“. Dabei hätten sie „einige Katastrophen“ gefunden. Diese Versäumnisse müssten nun aufgearbeitet werden, auch wenn es schmerzhaft sei. Und für Hüls hätten die Ergebnisse des nun vorliegenden Gutachtens ja auch etwas Gutes. Nun nämlich bestünde die realistische Chance, schnell ein sicheres und für die Zukunft gerüstetes Freibad zu bekommen.

Dass der Umbau des Naturbades in ein vorschriftsmäßiges Freibad „schnell“ vonstatten geht, bezweifelte Timo Kühn, Sprecher der CDU-Fraktion. „Das ist doch nur Opium fürs Volk. Wir haben starke Zweifel an diesem Zeitplan und wünschen uns für 2019 eine Ausnahmeregel, die das Baden erlaubt.“ Zur Kritik an den ehemaligen Verantwortlichen des Sport- und Bäderamtes sagte Kühn: „Sie haben es jedenfalls in all den Jahren mit überschaubaren Mitteln geschafft, die Bäder offenzuhalten.“ Und die Besucher seien überwiegend zufrieden gewesen mit dem, was ihnen in Hüls geboten wurde.

„Ihr habt in Hüls einfach Glück gehabt, dass nichts passiert ist“, parierte Schön und lehnte eine Ausnahmeregelung für dieses Jahr mit Verweis auf die strafrechtliche Haftung der Betreiber erneut strikt ab. Die Eröffnung eines umgebauten Bades im kommenden Jahr finden er und Fachbereichsleiter Klostermann sehr wohl realistisch, allerdings nur, wenn die Politik unverzüglich handele und die personellen und finanziellen Mittel für eine Umsetzung bereit stelle. „Ich habe mich in Nachbarstädten umgesehen, die ebenfalls über geringe finanzielle Mittel verfügen, und habe gesehen, dass dort trotzdem Bauvorhaben realisiert wurden, weil man sich getraut hat, Entscheidungen zu treffen und zwar zügig.“

Zügig wollen auch die Hülser Bezirksvertreter eine Entscheidung haben. Zumal es laut Ratsherr Thorsten Hansen (Grüne) aus dem Sportfördermittel-Topf noch Mittel in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro gebe, die für Planung und Umsetzung eingesetzt werden könnten.

Einstimmig beschloss die Bezirksvertretung nach zwei Stunden Diskussion, dem Rat zu empfehlen, die Verwaltung unverzüglich mit der Planung für den Um- oder Neubau des Hülser Schwimmbades in ein Freibad am jetzigen Standort beginnen zu lassen und die hierfür nötigen finanziellen Mittel im Haushalt für das Jahr 2020 bereit zu stellen, so dass mit den Arbeiten in 2020 begonnen werden kann.

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