Krefeld: Hüls soll ein neues Freibad bekommen, das Naturbad schließt für immer.

Krefelder Sportstätten : Hüls soll ein neues Freibad bekommen

Das Hülser Naturbad wird nicht wieder eröffnen. SPD und Verwaltung wollen an selber Stelle schnell ein neues Freibad bauen, das möglichst schon im Sommer 2020 fertig sein soll — rechtzeitig vor der Kommunalwahl im Herbst.

Der Schwimmbetrieb im Hülser Naturbad wird für immer eingestellt. Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Badewesen, die am Dienstag vorgestellt wurde, hat ergeben, dass die Fortführung des Badebetriebs in Hüls mit erheblichen rechtlichen Risiken und möglichen strafrechtlichen Konsequenzen für die Betreiber verbunden wäre. Würde dort jemand verunglücken, formulierte Beigeordneter Markus Schön gestern, „gibt es keine Gnade, dann könnten vom Bademeister bis zum Oberbürgermeister alle im Gefängnis landen“, er selbst eingeschlossen. Das Bad entspreche nicht den gesetzlichen Anforderungen.

Doch das Aus für das Naturbad soll nicht das dauerhafte Aus für den Badebetrieb in Hüls bedeuten. Im Gegenteil: Der Stadtteil im Krefelder Nordwesten soll ein neues Freibad bekommen — und das soll möglichst schon im Sommer 2020 fertig sein. Diesen ehrgeizigen Plan präsentierte Schön gestern dem Sportausschuss. Schön sagte, die Schließung des Freibads sei „eine Katastrophe“ und die Verwaltung wolle im Schulterschluss mit Oberbürgermeister Frank Meyer „unverzüglich“ einen Ersatz der Freizeitstätte einfordern. Die Politik müsse nun mit schnellen Entschlüssen das Projekt voranbringen, im Idealfall könne dann schon in der kommenden Sommersaison der Badebetrieb weitergehen.

Der Beschluss im Sportausschuss formuliert dann nach teils hitziger Debatte einmütig und offen: Die Verwaltung, so hieß es, solle alle nötigen Schritte unternehmen, um das Bad schnellstmöglich wieder zu eröffnen. Der Verlauf der Debatte legte nahe, dass allein die Umrüstung des Naturbades in ein sogenanntes Technisches Freibad realistisch und sicher ist. Die Alternative, das nicht ganz lupenreine, sogenannte  Naturbad in ein echtes, gängiges  Naturbad umzuwandeln, erschien wenig plausibel: Längere Schließzeiten während des Sommers wären wohl sehr wahrscheinlich.

Druck auf Verwaltung und Oberbürgermeister in dieser Sache gibt es von der Hülser Bezirkspolitik. In einem Brandbrief des Bezirksvorstehers Hans Butzen, der unserer Redaktion vorliegt, äußert der SPD-Mann die Sorge, dass das Fiasko um das Naturbad in Hüls ihm und dem Wahlergebnis seiner Partei in Hüls schaden könne. Denn: Im Herbst 2020 stehen Kommunalwahlen an. Butzen bittet Frank Meyer darin um Unterstützung für „uns Hülser“. Er schreibt: „Hier wird offenbar nicht wahrgenommen, dass Martin R. (Reyer, d.R.), die SPD-Stadtbezirksfraktion und ich als Bezirksvorsteher in Hüls die politische Last für das sich abzeichnende politische Desaster mit allen Konsequenten politisch zu tragen haben.“ Eine Schließung des Hülser Schwimmbades werde sich, so Butzen an Meyer, bei der Kommunalwahl 2020 auf das Ergebnis der SPD bei der Wahl des Stadtrates, der Bezirksvertretung und letztlich bei der OB-Wahl in Hüls nachhaltig auswirken. „Das wird die bisherige gute und engagierte Arbeit der SPD in und für Hüls überlagern“, schreibt Butzen, der selber in Fischeln lebt, weiter.

Für die Sitzung der Bezirksvertretung Hüls am Donnerstag hat die SPD-Fraktion um Butzen einen Antrag vorbereitet, mit dem der Rat der Stadt Krefeld aufgefordert werden soll, den Beschluss zu fassen, dass „die Verwaltung unverzüglich mit der Planung für den Umbau des Hülser Schwimmbades in ein Freibad oder des Neubaus eines Freibades im Krefelder Nordwesten“ beginnen und die benötigten finanziellen Mittel im Haushalt für 2020 etatisiert werden sollen. Der Neubau eines Bades, so Butzens Vorstellung, soll im Jahr 2020 begonnen werden — also vor der anstehenden Kommunalwahl. Der Beschluss des Sportausschusses zeigt: Butzen hat sich mit seinem Alarmruf durchgesetzt.

Die zweite Forderung der Hülser SPD, das Schwimmbad müsse bis zum Neubau geöffnet bleiben, wird sich nach Auskunft von Markus Schön und des Gutachters Kurt Pelzer, Sachverständiger für Bäderbau, wegen des Haftungsrisikos im Unglücksfalle nicht durchsetzen lassen. Zwar könne ein zivilrechtlicher Anspruch eventuell über einen Haftpflichtdeckungsschutz des „Kommunalen Schadensausgleichs westdeutscher Städte“ abgesichert werden, doch es bleibe dann immer noch die strafrechtliche Komponente.

Wie teuer ein Schwimmbad-Neubau sein würde und woher Geld und Verwaltungspersonal für die Planung eines solchen Projektes herkommen sollen, darüber machte Markus Schön, auch auf Nachfrage, keine Aussage. Derzeit sei, so Schön, kein einziger Euro im Haushalt eingeplant.

Ihm sei es aber wichtig, dass andere Projekte in Krefeld weder in Sachen Personal noch Finanzierung zurückgestellt werden sollen. „Wir müssen das on top oben drauf packen“, meinte Schön. Die Politik müsse für dieses Thema mit „hoch emotionaler Komponente“ nun die Weichen stellen.

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