Krefeld-Hüls: Bezirksvertreter fordern Akteneinsicht

Hüls : Freibad: Butzen pocht auf Fehlersuche

Bezirksvorsteher Butzen kritisierte den Umgang der Verwaltung mit dem Freibad: „Ich misstraue Ihnen ein bisschen.“

Das Thema Freibad beschäftigte die Hülser Bezirkspolitiker erneut am Donnerstag bei ihrer Sitzung im Hülser Rathaus. Und es wird auch weiter Diskussionen geben. Dafür sorgt schon der einstimmige Beschluss, dem Bezirksvorsteher und seinen Stellvertretern Akteneinsicht in die Unterlagen der Verwaltung einzuräumen. Die Politiker wollen kontrollieren, ob die Arbeiten am Freibad, bei denen unter anderem Kies für rund 50.000 Euro ausgetauscht werden sollte, entsprechend dem Beschluss der Bezirksvertretung ausgeführt wurden. „Ich misstraue Ihnen ein bisschen“, sagte Bezirksvorsteher Hans Butzen in Richtung Sportverwaltung und machte keinen Hehl daraus, dass er nicht glaubt, dass der Kies komplett gewechselt wurde.

CDU-Bezirksabgeordneter Klaus Andes hatte sich die Mühe gemacht und im Baumarkt die Preise für Kies ermittelt. Auf 50.000 Euro ist er dabei bei weitem nicht gekommen. Matthias Pasch vom Fachbereich Sport und Bäder wies daraufhin, dass es sich um besonders grobkörnigen Kies handele, den es so nicht im Baumarkt gebe. Dieser sei extra so gewählt worden, um Schwebteilchen im Wasser zu vermeiden. Überzeugen konnte er die Bezirksvertreter damit nicht. SPD-Sprecher Martin Reyer sagte verärgert: „Diese hohen Kosten kann ich wirklich keinem Bürger erklären.“

Die Fakten beweisen, dass die hohen Ausgaben nicht das erhoffte Ergebnis erzielten, das Freibad in dieser Saison ohne Einschränkungen zu nutzen. Im Gegenteil. Viermal musste das Bad am Hölschen Dyk für insgesamt 20 Tage geschlossen bleiben, um die erforderliche Sichttiefe von 1,20 Meter wiederherzustellen. 2017, vor den kostenintensiven Arbeiten, war es nur zehn Tage geschlossen. Dabei war das Bad, angesichts der tropischen Temperaturen am Niederrhein, in diesem Jahr mit 8988 Gästen bis zum 20. August so gut besucht wie selten.

Doch da die fehlende Sichttiefe ein erhebliches Sicherheitsrisiko birgt, musste gehandelt werden, so die Aussage der Verwaltung. Dabei spielt es laut Dezernent Markus Schön keine Rolle, dass eine Sichttiefe von 1,20 Meter im Hülser Bad fast nie erreicht wurde - es aber früher keinen interessiert habe und es auch nicht zu Unfällen gekommen sei. „Ab dem Zeitpunkt, ab dem ich weiß, dass es ein Problem gibt, muss ich handeln“, erklärte Schön. Das sei auch beim Badezentrum Bockum so, auch wenn man nicht davon ausgehen könne, dass es das Statik-Problem erst seit wenigen Tagen oder Wochen gebe.

Hans Butzen fragte daraufhin, wer in der Verwaltung dafür haften würde, wenn es denn bezüglich der Sicherheit in den Monaten und Jahren zuvor sowohl in Hüls als auch beim Badezentrum offensichtlich Versäumnisse gegeben habe. Es seien doch schließlich auch damals ein Dezernent und ein Fachbereichsleiter zuständig gewesen. Eine Antwort darauf gab es nicht. Markus Schön hat den Bereich neu übernommen und auch Matthias Pasch ist noch nicht lange mit der Thematik befasst.

Die Bezirksvertreter appellierten erneut an die Verwaltung, das Bad nicht zu schließen. Das habe auch keiner vor, beteuerte Schön. Deswegen arbeite man schon länger an einer Lösung. Umwidmung heißt das Zauberwort und sorgte bei den Zuhörern für erstaunte Gesichter. Aus dem Freibad Hüls soll ein Naturfreibad werden, in dem eine Sichttiefe dann keine Rolle mehr spielt. Als Naturfreibad war das Bad in den Sitzungen zuvor jedoch immer schon bezeichnet worden. Auch auf der Internetseite der Stadt Krefeld wird es so genannt. Offiziell ist es aber laut Verwaltung noch ein Freibad.

Sollte die Umwidmung vollzogen werden können - die Voraussetzungen dafür werden derzeit geprüft - hätte es für die Stadt gleich mehrere Vorteile: Sie müsste das Bad nicht mehr so oft aufwendig reinigen, und das Schwimmen im trüben Wasser wäre dann auf eigene Gefahr.