Krefeld: Seit über 25 Jahren betreibt Rüdiger Ziesemann "Bassline"

Instrumentenbauer aus Hüls : Lernen vom Meister der Bässe

Mit „Bassline“ feierte Instrumentenbauer Rüdiger Ziesemann jetzt 25-jähriges Firmenjubiläum. Inzwischen bietet er auch Workshops an, die äußerst beliebt und bundesweit bekannt sind.

Brauner Vollbart, lange Haare - und Bässe, viele Bässe. Wer historische Fotos auf der Bassline-Homepage betrachtet, erkennt Rüdiger Ziesemanns Passion. Seit Jugendjahren ist der 61-Jährige vom Instrumentenbau fasziniert, hat sich als Einzelhändler 1993 in Hüls selbstständig gemacht. Vor einiger Zeit feierte sein Betrieb 25-jähriges Firmenjubiläum – und Ziesemanns Leidenschaft ist nach wie vor ungebrochen. Selbst wenn der Vollbart mittlerweile graumeliert ist und die Haare seit langem einer Halbglatze gewichen sind.

Doch die Entscheidung, sich voll und ganz dem Instrumentenbau zu widmen, war mit Ungewissheit und wirtschaftlichen Bedenken versehen. „Der Instrumentenbau ist eine ziemliche Nische. Ein Netzwerk aufzubauen, ist schwer“, resümiert Ziesemann, der mit Blaumann und dunklem Pullover auf einem Hocker im „Showroom“ seines Ladengeschäfts sitzt. An den Wänden hängen Bässe, manche hölzern, manche bunt lackiert. Ziesemann ist Autodidakt: Sowohl das Bassspielen als auch den Bassbau hat er sich selbst beigebracht. Im Keller des Kempener Elternhauses hatte er als Teenager eine Hobbywerkstatt eingerichtet, schuf hier seinen ersten Bass. Nach dem Abitur begann er ein Elektrotechnikstudium in Aachen, das er nach einem Jahr abbrach; es war ihm „zu theoretisch“. Zurück in Kempen fing er eine Ausbildung als Schreiner an, lernte so „den Umgang mit Holz“ – und eröffnete 1982 unter dem Namen „Bass & Spass“ seinen ersten Bassladen. Da er als Neueinsteiger mit dem Instrumentenbau nicht den Lebensunterhalt bestreiten konnte, gründete er 1983 mit drei Freunden die Tischlerei „Legno“ an der Krüserstraße in Hüls. Zwar stellte er auch hier Bässe auf zehn Quadratmetern aus und präsentierte Instrumente auf Fachmessen, doch war ihm das nicht genug: Vom Bassbauen leben zu können, das war sein Wunsch.

Bis es soweit war, sollte aber noch einige Zeit verstreichen. „Die ersten Jahre von Bassline habe ich noch bei Legno gearbeitet, erst nach und nach zog ich mich aus dem Betrieb zurück“, sagt Ziesemann. Ein Existenzgründungskredit bei der Bank schaffte finanziellen Spielraum, größere Räumlichkeiten konnten angemietet werden, zudem wurde eine computergestützte Fräsmaschine angeschafft. Doch auch am Mühlenweg, wo Bassline seit 1996 ansässig ist, musste der Schreinermeister nebenher fast zehn Jahre Tischleraufträge verrichten, um das nötige Geld für die anfallenden Bassbaukosten aufzubringen. Über jährliche Auftritte bei der Frankfurter Musikmesse, Europas größter Fachausstellung der Musikwirtschaft, machte er sich mehr und mehr einen Namen – auch überregional. Dies habe aber fast zehn Jahre veranschlagt: „Ab 2003 hatten wir einen Bekanntheitsstatus in der Branche erreicht, auf dem wir aufbauen konnten.“

Heute produziert Ziesemann etwa 30 bis 40 Bässe pro Jahr, jedes Instrument ist ein Unikat. Für einen Bass braucht er etwa 20 bis 30 Arbeitsstunden, die Preise pendeln sich im vierstelligen Bereich ein. „In einfacher Form und Ausstattung ist ein Instrument ab 1.500 Euro produzierbar. Mittlerweile liegt die Nachfrage unserer Kunden aber weniger auf günstigen Materialien, daher fängt der Einstiegspreis eher bei 2.000 Euro an“, sagt der Experte. Zwar gingen schon Bässe im Wert von 4.500 bis 5.000 Euro über die Ladentheke, doch sei dies nicht seine Geschäftspolitik. „Für einen guten Ton braucht ein Bass keine Edelsteine“, erklärt der bodenständige Niederrheiner.

Ziesemann mag den direkten Kontakt mit Kunden, am liebsten im persönlichen Gespräch in der Werkstatt. Einen Bass baut er nur gegen Auftragsbestätigung und Anzahlung, über Internetportale wie Amazon betreibt er keinen Versand. „Die Rücksendekosten bei Widerruf des Käufers wären auf Dauer eine große Belastung für unseren Drei-Personen-Betrieb“, merkt der Instrumentenbauer an. Der Onlinehandel sei jedoch zu einer Bedrohung für den Einzelhandel geworden, viele selbstständige Musikgeschäfte hätten in den letzten Jahren schließen müssen.

Um den Kundenstamm in seiner Marktnische zu erweitern, bietet er seit längerem Workshops an. Bei „Pimp Your Bass“ gibt Ziesemann Tipps und Tricks zum Justieren und Pflegen von Instrumenten. Und beim Kurs „Build Your Bass“ können Teilnehmer unter Anleitung des Profis ihr Trauminstrument selbst bauen. „Viele mögen es, Dinge mit eigenen Händen zu schaffen. Neben uns gibt es nur noch einen Laden in Hannover, der ein ähnliches Angebot bietet. Daher kommen unsere Kunden von weit her, der letzte ist aus Berlin angereist.“

In diesem Jahr wird Ziesemann 62 Jahre alt, doch ans Aufhören denkt er nicht, die Musik ist sein Leben. Er überlegt sogar, wieder auf Messen auszustellen – dann aber nicht in Frankfurt, die Ausstellung nehme keine Rücksicht mehr auf Einzelhändler. „Mittlerweile hat sich eine kleinere Messeszene in Berlin und Mannheim gegründet, die unseren Absatzmarkt abdeckt“, freut sich der Bassbauer. Gut möglich, dass Bassline bald sein 30-jähriges Jubiläum feiert.

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