Krefeld: Grüne schlagen Alarm beim Wohnungsbau

Beschluss des Regionalrats : Grüne schlagen Alarm beim Wohnungsbau

Im Schatten der Sommerferien sollen Flächen von insgesamt 70,8 Hektar als Wohnbaufläche ausgewiesen werden.

Die Grünen schlagen Alarm: Im Schatten der Sommerferien soll in Krefeld eine Fläche von insgesamt 70,8 Hektar als Wohnbaufläche ausgewiesen werden. Sechs Stellen im Norden, Westen und Osten der Stadt sowie in Hüls und Oppum sind betroffen. Einen entsprechenden Beschluss hat der Regionalrat in einer Sitzung gefasst. Auf der Liste der künftigen Umwidmungen stehen unter anderem Gebiete in Kliedbruch, Elfrath und Oppum Süd. Allein an der Ottostraße sollen 30 Hektar Ackerland zu Gunsten des Wohnungsbaus aufgegeben werden.

„Hier wird in ökologisch wertvollen Bereichen der Weg für weitere Bebauung frei gemacht“, sagt Fraktionsvorsitzende Heidi Matthias. Was die Politikerin besonders ärgert: „Die Stadt ist nicht gewillt, die Bürger auf einer Veranstaltung über die Pläne zu informieren.“ Nach Aussage der Grünen sei eine entsprechende Änderung des Regionalplans eingeleitet. „Es gibt eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit“, ergänzt Ratsfrau und baupolitische Sprecherin Ane Sanz Sanz. „Das heißt, dass man die Pläne für zwei Monate unter anderem auf der Internetseite der Bezirksregierung einsehen kann.“ Für die Politikerin heißt das aber auch: Das Zeitfenster läuft parallel zu den Sommerferien. „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“ Im September soll das Beteiligungsverfahren abgeschlossen sein.

Günter Völler, Grünen-Fraktionssprecher in Hüls, hält diese Pläne schlicht für eine „Katastrophe“. Nach Aussage des Experten enthalte der bestehende Regionalplan bereits Flächenreserven für 8.400 Wohnungen in Krefeld, die noch entsprechend entwickelt werden könnten. „Wir verstehen absolut nicht, wieso noch mehr landwirtschaftlicher Raum und kostbare Böden geopfert werden sollen, obwohl dieselbe Bezirksregierung für 2040 einen Rückgang der Haushalte in Krefeld errechnet hat.“ Auch die Zahl der Einwohner werde – laut Bezirksregierung – von 226.700 im vergangenen Jahr auf 223.400 im Jahr 2040 sinken. „Wenn wir die vorgelegten Pläne so übernehmen, werden wir in Krefeld riesige Leerstände schaffen“, warnt Matthias.

„Dieses Vorgehen ist unsinnig und ökologisch ein Desaster“, erregt sich Sanz. Die Grünen sehen noch große Chancen durch behutsame Nachverdichtung und die Umnutzung von ehemaligen Gewerbebauten. „Es ergibt viel mehr Sinn, die vorhandenen Potenziale wie das Bebauungsgebiet Plankerheide mit Anschluss an den ÖPNV und die U 76 nach Düsseldorf zügig zu entwickeln“, so die Betriebswirtin. „Die jetzt noch vorhandenen Freiflächen müssen unbedingt erhalten werden. Gerade in einem dicht besiedelten Raum wie Krefeld haben sie wichtige klimatische Ausgleichsfunktionen. Sie sind unverzichtbar für den Erhalt der Artenvielfalt und dienen nicht zuletzt uns allen zur Erholung.“

Mehr von RP ONLINE