Krefeld: Hindu-Gemeinde sucht neuen Tempel

Göttin Sri Nagapoosani : Hindu-Gemeinde sucht neuen Tempel

Der tamilische Kultur- und Tempelverein zelebriert das interkulturellen Tempelfest. Höhepunkt ist die feierliche Tempelprozession am Sonntag, 14. Juli, rund um den Hindu-Tempel an der Girmesgath. Es werden über 700 Besucher erwartet. Das Fest steht allerdings im Schatten des Abschieds – der Tempel muss bis 2021 geräumt werden.

Beim Festumzug der Tempelprozession verlässt die Göttin den Tempel, um die Menschen zu besuchen. Das Bildnis der im Krefelder Hindu-Tempel verehrten Göttin Sri Nagapoosani Ampal wird von den Gläubigen um den Tempel getragen und angebetet. Dabei wird das Gelände um den Tempel gesegnet. Im Rahmenprogramm werden indische Speisen geboten und über den Hinduismus aufgeklärt.

Das Tempelfest ist bereits seit vergangener Woche im vollen Gang. Den Auftakt machte die Puja („Verehrung“) des Ganesha, um den Tempel von schlechten Geistern zu befreien. An den zehn Tempelfesttage werden die zehn Manifestationen der Göttin Sri Nagapoosani dargestellt und angebetet. Jeder Tag wird von einer anderen Familie der Krefelder Hindu-Gemeinde organisiert und finanziert. Täglich sind durchschnittlich 100 Gläubige im Tempel. Das Fest endet am kommenden Dienstag,16. Juli.

Die zweistündige Tempelprozession am Sonntag, 14. Juli, ab 12 Uhr, ist der Höhepunkt des Tempelfestes. Bei einem feierlichen Umzug mit Musik wird das Abbild der Göttin Sri Nagapoosani Ampal aus dem Tempel getragen, um allen Menschen die Möglichkeit für Segen und Gebete zu geben. Im hinduistischen Glauben dürfen nur Personen den Tempel betreten, die rituelle Reinheit aufweisen. Der Verzehr von Fisch, Fleisch, Eiern oder Alkohol am gleichen Tag machen unrein. Außerdem dürfen Frauen in der Menstruation den Tempel nicht betreten. Bei dem Festumzug werden diese Hindernisse überwunden, indem die Göttin den Tempel verlässt und zu den Menschen kommt. Es werden über 700 Gläubige aus ganz Deutschland und angrenzenden Ländern erwartet. Der Tempel hat internationale Bekanntheit.

Venthaan Anatharajan, zuständig für die Pressearbeit des Krefelder Hindu-Tempels, bemerkt aktuell ein steigendes Interesse für den Hinduismus in der Seidenstadt. Die Gemeinde umfasst 400 Gläubige aus der Umgebung des Niederrheins. Jährlich führt Anatharajan 16 Schulklassen durch den Tempel und bringt den Schülern den hinduistischen Glauben näher.

Dennoch steht die Zukunft des Krefelder Hindu-Tempels in der Schwebe. Wie Anatharajan berichtet, laufe der Mietvertrag final bis 2021. Die Tempelfläche werde danach für die Erweiterung des Mies-van-der-Rohe-Business-Parks benötigt, auf dessen Gelände der Tempel steht. Schon mehrfach war unklar, ob eine Mietvertragsverlängerung zustande kommt. Die Verlängerung bis 2021 werde die letzte sein, sagt Anatharajan. Aktuell stehe kein neuer Standort in Aussicht. Gleichzeitig kollidiere die Versetzung des Tempels mit dem hinduistischen Glauben. Demnach dürfen die Umgestaltung, Restaurierung oder Zerstörung eines Tempels nur alle zwölf Jahre geschehen. Nach dem Bezug 2003, wurde der Tempel 2015 gemäß religiösen Traditionen renoviert. Ein Umzug sei für die Gemeinde daher erst im Jahr 2027 denkbar.

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