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Krefeld. Es fehlt in der Pflege an Personal und Schutzausrüstung

Pflege in Krefeld : Es fehlt an Personal und Schutzausrüstung

In den Krefelder Altenheimen ist der Alltag in der Krise noch anstrengender geworden. Viele Mitarbeiter machen Überstunden.

Die Pandemie trifft die am härtesten, die im Gesundheitswesen und in der Pflege arbeiten. Ihr Arbeitsalltag war auch schon vor dem neuen Virus nicht leicht zu bewältigen, in Zeiten von Kontaktverbot und Lieferengpässen jedoch wird er endgültig zu einer Mangelverwaltung.

In Senioreneinrichtungen sind zu einem großen Anteil Menschen mit Demenz untergebracht, die nicht verstehen, warum ihre Angehörigen sie nicht besuchen dürfen. Sie reagieren darauf verwirrt, verängstigt oder mit Unmut. In allen Fällen jedoch verlangen sie derzeit nach mehr Aufmerksamkeit, zumal Unterhaltungsangebote in größeren Gruppen nicht mehr möglich sind. Kontakte finden nun vor allem übers Telefon statt. In vielen Fällen bedeute dies, dass Pfleger mit dem Stationsapparat zu dem Bewohnern laufen, der von seinem Angehörigen angerufen wird. All das braucht Zeit, die das Pflegepersonal nur dann findet, wenn es weit mehr arbeitet, als es eigentlich vertraglich vorgesehen ist. In vielen Krefelder Einrichtungen gibt es engagiertes Personal, das in dieser Ausnahmesituation kreativ wird und sich viel einfallen lässt, um die Zeit in der Einrichtung für die Bewohner so angenehm wie möglich zu gestalten. Dabei wird ihnen das Alltagsgeschäft nicht gerade leicht gemacht.

Jürgen Heldberg schreibt in einem offenen Brief an das Krefelder Gesundheitsamt von den personellen Engpässen, die er angesichts der Sitaution völlig unangemessen findet. „Ein halbtags beschäftigter Hilfspfleger wollte von 50 Prozent Arbeitszeit auf 100 Prozent aufstocken, wie viele andere Hilfspflegekräfte auch. Trotz extrem dünner Personaldecke und obwohl realer Bedarf besteht, wurde das bisher abgelehnt. Und sogar jetzt, mitten in der Covid-Krise, wird nicht aufgestockt trotz weiterer äußerst kritischer Personal- und Betreuungssituation.“ Heldberg, der im Bereich Sozialforschung tätig ist, stellt der Stadt die Fragen: „Wie begründen Sie das? Mit Kosten? Das wäre ja zynisch!“ Die Antwort der Stadt auf eine diesbezügliche Nachfrage der Redaktion steht bislang noch aus.

Eine große Sorge der Pfleger in Senioreneinrichtungen ist zudem der fehlende Nachschub an Schutzausrüstungen. So werden manche selbst aktiv und nähen sich Mundschutz nach Anleitungen, die im Internet zu finden sind. „Die Stimmung ist schlecht und angespannt. Es gibt Zeichen der Überforderung von Kolleginnen und Kollegen, viele haben auch berechtigte Ängste. Diese Kollegen können nicht ins Homeoffice gehen und sind der Infektionsgefahr direkt ausgesetzt. Immer wieder erfahren wir davon, dass es an hygienischen Hilfsartikeln mangelt, dass also in den Pflegeeinrichtungen wie schon in den Arztpraxen Mundschutz, Kittel und Desinfektionsmittel fehlen”, sagte Rolf Höfert, Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes (DPV) und Präsidiumsmitglied des Deutschen Pflegerates, jüngst im Spiegel-Interview.

In einem Fall, der uns per Mail aus einem innerstädtischen Altenheim gemeldet wurde, ist Mundschutz zwar vorhanden, darf aber nicht getragen werden. „Ich bin fassungslos das berichten zu müssen. Meine Frau ist in einem Altenheim in Krefeld tätig. Sie kam gestern nach Hause, weinend. Der Grund war Mundschutz, der nicht getragen werden darf, weil die Bewohner Angst haben. Ich frage mich, was ist wichtiger: die Angst oder im schlimmsten Fall der Tod?“, fragt der Mann, der anonym bleiben möchte.

Fast alle, mit denen wir Kontakt aufnehmen, wollen ihren Namen nicht nennen, aus Angst, Schwierigkeiten im Beruf zu bekommen oder gemobbt zu werden. So auch eine langjährige Altenpflegerin, die derzeit in Nachtschicht arbeitet. „Ich bin froh, dass ich momentan nachts arbeiten kann. Bei uns ist es immer noch ruhig und alles geht seinen gewohnten Gang. Der Tagdienst ist da deutlich anstrengender und belastender“, sagt sie. Noch gebe es auch keinen Corona-Fall in der Einrichtung. „Wenn das eintreten würde, wäre das eine Katastrophe. Wir haben hier viele Hochbetagte, die wahrscheinlich ernsthaft erkranken und im schlimmsten Fall sterben würden. Darüber darf ich gar nicht nachdenken. Deswegen tragen wir auch alle Masken, um die Bewohner zu schützen. Und es gibt natürlich ein Besuchsverbot. Es darf einfach nichts passieren. Das wäre schrecklich!“ Sie ärgert die mangelnde Anerkennung ihres Berufes, auch wenn sich in Zeiten der Krise daran etwas zu ändern scheint. „Es ist immer peinlich, wenn man sagt, man ist Altenpflegerin. Keiner möchte so einen Beruf machen, der in der öffentlichen Meinung weniger wert ist als die Arbeit einer Krankenschwester. Deswegen ist es auch so ein großes Problem, Nachwuchs zu finden.“

Nicht nur für Pfleger ist die Situation schwierig. Auch Bewohner leiden unter den Kontaktverboten und werden von Sorgen geplagt. Eine Angehörige beschreibt die Situation: „Wir wissen, dass sich alle viel Mühe geben, trotzdem sehen wir, dass es dem Vater nicht gut geht. Er wird von Tag zu Tag trauriger. Wir machen uns Sorgen, dass das Kontaktverbot so lange anhält, dass ihn sein Lebensmut verlässt.“