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Coronavirus in Krefeld: Erstes Corona-Todesopfer - 90-Jähriger stirbt

Erster Todesfall in Krefeld : Mehr als 90 Jahre alte Person stirbt nach Infektion mit Corona-Virus

Die Corona-Pandemie hat in Krefeld eine neue Dimension erreicht: Es gibt ein erstes Todesopfer. Eine mehr als 90 Jahre alte Person mit mehreren gravierenden Vorerkrankungen ist im Helios-Krankenhaus den Folgen der Virusinfektion erlegen.

Die Corona-Pandemie hat in Krefeld eine neue Dimension erreicht: Es gibt ein erstes Todesopfer. Eine mehr als 90 Jahre alte Person mit gravierenden Vorerkrankungen ist im Helios-Krankenhaus den Folgen der Virusinfektion erlegen. Die Person hat in Krefeld gelebt. Näheres teilte die Stadt aus Datenschutzgründen nicht mit. Es handelt sich aber nicht um die Person, die bislang intensivmedizinisch behandelt wurde. Die ist nach Angaben der Stadt auf eine Normalstation verlegt worden. Die Zahl der Corona-Infizierten Krefelder lag am Donnerstag Mittag bei 138; im Vergleich zum Vortag sind damit 21 Fälle dazugekommen.  Zwölf Erkrankte werden stationär versorgt, vier davon intensivmedizinisch. Wobei einer der Intensivfälle sich bereits so weit gebessert habe, dass im Laufe des Tages eine Verlegung geplant sei, teilte die Stadt mit.

Anders als viele Krankheiten befalle das Virus Männer und Frauen mit der gleichen Häufigkeit, erklärte Gesundheitsamtsleiterin Agnes Court. Im Krefelder Diagnosezentrum haben sich bis gestern 1507 Menschen auf das Virus testen lassen. Dabei hat es eine Panne gegeben, wie Court einräumte: Die Daten werden komplex codiert. Bei den Barcodes sei es in fünf Fällen zu Verwechslungen gekommen. „Das ist gleich aufgefallen, und die fünf Betroffenen sind sofort informiert worden“, erklärte Court. Gestern und für heute habe es für sie neue Abstrichtermine gegeben.

Der Zwischenfall wirkt sich auch auf den für heute geplanten Stresstest im Diagnosezentrum aus. Der Test soll zeigen, wie viele Abstriche im Diagnosezentrum unter optimalen Bedingungen während der Öffnungszeiten vorgenommen werden können. So wollen die Fachkräfte ermitteln, wie viele Termine sie vergeben können, ohne die Menschen lange warten zu lassen. „Es wird auf jeden Fall pro Patient die eine Minute am Ende geben, wo noch einmal sorgfältigst alle Daten kontrolliert werden. Hier gilt Weile vor Eile“, betonte Court.

Für Intensiv-Fälle habe jede der drei somatischen Kliniken habe eine Akut-Betten-Kapazität von zehn bis 30, die schnell erweiterbar sei.   „Wir haben eine minutengenaue Übersicht über alle Aufnahmen. Zurzeit sind alle Notaufnahmen frei“, berichtete Andre Wiegratz, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes.

Oberbürgermeister Frank Meyer appellierte noch einmal, die Vorsorgemaßnahmen „mit Akzeptanz und Ernsthaftigkeit“ einzuhalten. Für Diskussionen über die Aufhebungen der Maßnahmen sei es nicht an der Zeit. Der erste Todesfall in der Stadt habe die Gefühlslage verändert. „Es wird schlimm und schwer genug.  Alle Vorkehrungen, die dem Flachhalten der Infektionskurve dienten, müssten getroffen werden. „Es macht auch den Helfern die Arbeit nicht leichter, wenn Verantwortungsträger jetzt über einen Zeitpunkt der Aufhebungen diskutieren.“

Der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) bestätigte seinen Eindruck, dass die Krefelder „unverändert einsichtig, vernünftig und diszipliniert“ das Kontaktverbot einhielten. In den vergangenen Tagen hatten Krefelder festgestellt, dass sich die Szene vom Theaterplatz nach Süden zum Hansa-Centrum verlagert habe. „Wir nehmen grundsätzlich jeden Hinweis ernst. Ganz gleich ob, sich 20 Leute an einem Sportgerät oder sonst versammeln – ohne Ansehen des Zusammenhangs; auch wenn dies eine generell schwierige Klientel ist“, sagte Meyer. KOD und Polizei zeigen verstärkte Präsenz in der Stadt und ahnden „konsequent Verstöße gegen das Kontaktverbot, aber auch gegen das Betäubungsmittelgesetz“, betonte er.

Die Stadt weist noch einmal daraufhin, dass Spielplätze, aber auch die Bewegungsparks gesperrt seien. Auf den öffentlichen Sportanlagen im Stadtwald und auf dem Spielplatz dort waren die Hinweisschilder abgerissen worden und dort hatten sich Personen aufgehalten. Die Hinweisschilder seien inzwischen erneuert worden. Die Menschen habe man belehrt. Bußgelder mussten nicht verhängt werden.

Zur Lage der Wirtschaft

Industrie und Handwerk in der Region erleben so nie dagewesenen Einbruch bei ihren Zahlen. Gerade das Handwerk am linken Niederrhein ist besonders hart von der Corona-Krise getroffen:  Der Konjunkturklimaindex ist nach einer Mitteilung der Handwerkskammer Düsseldorf, zu der auch Krefeld gehört, regelrecht „abgeschmiert“. Das Konjunkturklima im Dreieck Rhein-Kreis Neuss, Viersen und Stadt Krefeld um 35 Punkte auf 67 Prozent im Vergleich zum Rest des Bezirks am stärksten abgesackt. Die Kreishandwerkerschaft Krefeld weist darauf hin, dass die Handwerksbetriebe arbeiten „können, dürfen und wollen“, und zwar unter Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen. Kunden, die sich unsicher sind, wird empfohlen, sich mit den Betrieben über die Bedingungen von Begegnungen und Durchführung der Arbeit abzustimmen.

Auch im Industriesektor ist die Lage nach einer Blitzumfrage der IHK Mittlerer Niederrhein bei 250 Unternehmen einschneidend. „Fast 90 Prozent der befragten Unternehmer spüren die negativen Auswirken des Corona-Virus‘ auf ihre Geschäfte,“ berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Für den Jahresumsatz 2020 sind die Einschätzungen der Unternehmen  pessimistisch: 8,2 Prozent erwarten einen Rückgang um bis zu zehn Prozent, 29 Prozent gehen von zehn bis 25 Prozent aus, 23 Prozent von 25 bis 50 Prozent und 18 Prozent der befragten Unternehmer befürchten sogar Rückgänge von mehr als 50 Prozent. Bei 39 Prozent fehlen Waren und Dienstleistungen. 34 Prozent berichten über logistische Engpässe.