Krefeld: Arbeit in der Pflege - Besser als ihr Ruf

Gesundheit in Krefeld : Arbeit in der Pflege - Besser als ihr Ruf

Vier Auszubildende und der Leiter der Alexianer Pflegeakademie, Volker Gottschlich, sprechen über Aussichten in der Pflege. Sie sind sich einig: Der Beruf wird in der Öffentlichkeit viel schlechter gesehen, als er eigentlich ist.

Pflege ist ein Thema, das nicht nur heiß diskutiert wird, sondern voraussichtlich jeden Menschen früher oder später betreffen wird. Ob im Falle von Krankheit oder Alter, fast jeder wird irgendwann von einer Pflegekraft abhängig. Unlängst schlug ein privater Pflegedienstbetreiber in Krefeld Alarm, weil Fachkräfte kaum noch zu bekommen seien (die RP berichtete). Nicht ganz so schwarz sieht die Alexianer GmbH als einer der großen Ausbilder die Situation. Unlängst entschied die Alexianer Pflegeakademie, ihr Angebot von 75 mittelfristig auf 125 Ausbildungsplätze zu erhöhen.

„Wir müssen ausbilden und wir machen es gern. Das neue Ausbildungskonzept bietet aus unserer Sicht viele Vorteile“, sagt Akademieleiter Volker Gottschlich. Besagtes Konzept sieht vor, dass zukünftig alle Pflegeberufe gemeinsam ausgebildet werden. Dadurch muss jeder Auszubildende auch in anderen Bereichen mindestens 400 Arbeitsstunden, also gut zweieinhalb Monate, absolvieren. „Das heißt dann, dass unsere Auszubildenden in Altenheimen oder ambulanten Pflegediensten eingesetzt sind. Im Gegenzug kommen dann Azubis aus diesen Unternehmen zu uns“, erläutert Gottschlich. Damit habe jeder Arbeitgeber zu jeder Zeit einen Azubi pro Stelle im Unternehmen — nur eben nicht zwingend den eigenen.

Das neue Konzept greift ab April und stößt nicht überall auf Gegenliebe. Das gilt auch für die Auszubildenden. „Ich bin ehrlich gesagt froh, dass ich nach dem alten Konzept die Ausbildung mache“, sagt Sabrina Lettmann. Die 20-Jährige ist seit dem Herbst als Auszubildende in der Akademie. „Ich habe mich bewusst für die Krankenpflege entschieden und möchte in keinen anderen Bereich“, befindet sie.

Auch ihre Mit-Azubis sehen das durchaus ähnlich. „Ich sehe das so: Wir sind spezialisierter und haben damit Vorteile gegenüber den Azubis nach dem neuen Konzept“, sagt auch Moritz Höfels. Hier stimmt Gottschlich nur bedingt zu. „Für Krankenpfleger und -pflegerinnen trifft das möglicherweise zu. Altenpflegern aber öffnen sich nach dem neuen Konzept weit mehr Möglichkeiten“, sagt er.

Einig sind sich sowohl die Auszubildenden, als auch ihr Akademieleiter, dass der Beruf viel besser sei als sein Ruf. „Man hört immer wieder, wir würden nur anderen Leuten den Hintern abwischen und bekämen nichts dafür. Das ist aber nicht richtig. Die Aufgaben sind schon sehr komplex und wir helfen Menschen, die uns dringend brauchen“, sagt Höfels. Der 21-Jährige ist von seinem Beruf vollauf überzeugt. „Außerdem bekommen wir für die Ausbildung ein vergleichsweise gutes Gehalt. Da sind wir schon besser gestellt, als in vielen anderen Berufen“, pflichtet ihm Antonia Conrad bei. Die Vergütung im ersten Lehrjahr liegt bei 1140 Euro brutto pro Monat und steigt im zweiten und dritten Jahr um jeweils knapp 100 Euro. Nach Abschluss liegt das Einstiegsgehalt bei rund 2700 Euro monatlich, was etwa 100 Euro Schichtzuschläge einschließt. „Bei einem ledigen Berufsanfänger macht das gut 2000 Euro Netto“, sagt Gottschlich. Das seien zwar keine Reichtümer, aber ein solides Einkommen, das sich auch steigern ließe. „Die neue Ausbildung bietet viele Fortbildungskonzepte inklusive eines Studiums, das auch an der Hochschule Niederrhein angeboten wird. Das lässt sich auch als Dualer Studiengang belegen. Damit steigt ein Absolvent dann nach neun Semester wesentlich höher ein“, sagt er.

Ziel sei eine weitere Differenzierung. „Wir streben zehn Prozent studierte Kräfte an. Dazu dann weitere, die entsprechende Fortbildungen haben und einfache Absolventen. Ich denke, die Möglichkeiten sind in der Zukunft besser. Der Pflegeberuf ist ein sehr attraktiver“, ist der Akademieleiter sicher. Nicht jeder sei dafür geeignet, da sind sich Ausbildungsleiter und Azubis einig, doch wer gern mit Menschen arbeite, der bekäme einen guten, sehr krisensicheren Job. „Die Berufsaussichten sind auch langfristig gut. Pflegekräfte werden in der Zukunft eher noch mehr gebraucht“, sagt Gottschlich. Und auch das Gehalt sei besser, als der Ruf.

Auszubildende erzählen, warum sie gerne in der Pflege arbeiten.