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Michael Toenges stellt im Kunstverein Krefeld aus: ein Mann voller Zweifel.

Kunst in Krefeld : Toenges: Der Maler, der malt, weil er nicht malen kann

Seine Bilder sind Farbexplosionen. Michael Toenges stellt im Kunstverein aus: ein Mann voller Zweifel.

Michael Toenges misstraut der Kunst. Vor allem seiner eigenen. Er bringt keine Themen auf die Leinwand, und es soll auch keine Botschaft zurückkommen, die sich in Worte fassen lässt. „Meine Bilder entstehen. Ich denke sie mir nicht aus. Das kann ich gar nicht“, sagt der 67-Jährige. Unter dem schnörkellosen Titel „Malerei“ stellt er im Krefelder Kunstverein, Westwall 124, aus. Die Vernissage beginnt am Freitag, 14. Februar, um 19 Uhr.

Im unteren Raum gibt es wahre Farbexplosionen. Große Formate, in denen sich Rosé-, Gelb- und Grüntöne mit blauen und roten Kontrasten treffen, sich voneinander abgrenzen, Landschaften bilden: so dick  aufgetragen, dass die Spitzen  in den Raum ragen, gespachtelt und abgeschabt. Was hier nach Selbstsicherheit eine Künstlers aussieht, der einem Plan folgt, ist Ergebnis von Intuitionen – denen Toenges allerdings auch nicht traut. Auf dem Weg zwischen Farbtube und Leinwand entscheidet er sich oft um, wischt Farben weg, kratzt sie mit den Händen weg. Ein Künstler voller Zweifel – bis in ihm die Gewissheit reift, dass ein Bild fertig ist.

Die Ausstellung zeigt auch frühe Arbeiten und erzählt so die Geschichte des Suchens. Da ist zu verfolgen, wie sich Toenges von der Gegenständlichkeit löst, sie vielmehr verliert. „Ich male, weil ich nicht malen kann“, sagt er. In kleinen Formaten hat er sich Bilder Alter Meister angeeignet: Rubens, Toulouse-Lautrec, Matisse faszinieren ihn. Er malt nicht ab, sondern rückt die Farbe in den Fokus: Da werden Rosé und erdige Brauntöne sichtbar, die im Ur-Bild vorhanden sind, aber keinem Betrachter auffallen.

Toenges ist in Bayern geboren, in Krefeld ist er zur Schule gegangen und hat hier an der Werkkunstschule Objektdesign studiert. Danach ist er mit dicker Arbeitsmappe an die Düsseldorfer Kunstakademie und hat Professor Fritz Schwegler die Frage gestellt, die ihn seit früher Zeit umtrieb: „Was soll ich malen?“ Das Handwerk, sagt er hatte er, aber wie er es umsetzen sollte, wusste er nicht. Im Kunstverein zeigt sich, dass er die Frage für sich beantwortet und einen eigenen Stil gefunden hat.