Krefeld: 125 Jahre Joh’s Stübben: Als Enkel Werner ins Weiße Haus durfte

Tradition : 125 Jahre Joh’s Stübben: Als Enkel Werner ins Weiße Haus durfte

Johannes Stübben gründete 1894 am Ostwall in Krefeld eine Sattlerei: Der Startschuss für ein Unternehmen, das in 60 Ländern vertreten ist.

(sti) Kutschen und Pferde gehörten 1894 zum Stadtbild, als Johannes Stübben am Ostwall in Krefeld eine Sattlerei eröffnete. Die Werkstatt war Arbeitsstätte, Ladengeschäft und Wohnhaus zugleich. Der Firmengründer hatte seinerzeit das richtige Näschen. Die Nachfrage stieg in der Seidenstadt noch einmal als Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1906 das 11. Husaren-Regiment nach Krefeld verlegte.

Aktuell feiern die Erben das 125-jährige Bestehen des Unternehmens, das sich über die Jahre zu einer internationalen Größe entwickelt hat. In der fünften Generation des inhabergeführten Familienunternehmens ist Stübben mittlerweile auf fünf Kontinenten und in mehr als 60 Ländern tätig. Aus der ehemals kleinen Sattlerei in Krefeld ist eine Weltmarke geworden.

Werner Stübben (Enkel des Firmengründers) war im Geschäftshaus groß geworden und kannte die alltäglichen Mühen. Die Eltern ermöglichten ihm dennoch schon früh einen einjährigen Auslandsaufenthalt in Florenz bei einer bekannten Ledermanufaktur. Dort lernte er Sprache und Kultur kennen und schätzen. Ein hervorragender Schulabschluss war Türöffner zu einer akademischen Ausbildung. Allerdings setzte der II. Weltkrieg diesen Plänen ein jähes Ende. Bei einem Bombenangriff auf Krefeld wird im Juni 1943 das Wohn- und Geschäftshaus bis auf seine Grundfeste zerstört. Am Ende des Krieges steht die Familie vor den Trümmern ihrer Existenz. Werner Stübben baut mit seiner Familie und Freunden das Haus wieder auf. 1948 ist es soweit: Die Grundlage für einen Neubeginn ist gelegt. Ehrgeiz, Fleiß, Ideenreichtum und gute Kontakte bilden die Basis für den anschließenden Aufschwung. Der Firmen-Slogan „Stübben Sättel sind in aller Welt begehrt“ trifft den Nagel auf den Kopf.

Firmengründer Johannes Stübben. Foto: Stübben

In den 1960er Jahren entwickelt sich ein schnell wachsender Markt in den USA und in Kanada. Die Idee, Sättel mit deutschen Modellnamen wie „Siegfried“ auszustatten, kam von einem amerikanischen Großhändler. Wertearbeit und Qualität werden mit deutschen Produkten gleichgesetzt. und somit wird „Siegfried“ zum meistverkauften Stübben-Sattel der Welt. Mit keinem anderen Sattel seien so viele Goldmedaillen und Weltmeisterschaften gewonnen worden, erklärte ein Unternehmenssprecher. Die boomende Weltwirtschaft, der offene Welthandel und internationale Reitsportveranstaltungen lassen das Unternehmen nun Kunden rund um den Globus finden.

Werner Stübben baute Stammsitz wieder auf. Foto: Stübben

Aufgrund von immens gestiegener Nachfrage entstehen in den 1960-er Jahren neben Deutschland weitere Produktionsstandorte in Irland sowie in der Schweiz. Auch Anfang der 1970-er Jahre verfolgt Stübben das Ziel, die Marke in der vierten Generation auf dem nationalen und internationalen Markt voranzutreiben und weiter zu stärken. Es entsteht ein eigener Produktionsstandort für Zubehör in Nordwestspanien. Bis heute werden dort Stübben Reitzubehöre gefertigt.

Carl Stübben schaffte erste Auslandskontakt. Foto: Stübben

Eine besondere Ehre wird in den 1980-er Jahren Werner Stübben zuteil. US-Präsident Ronald Reagan, passionierter Reiter und Nutzer eines Stübben Sattels, lädt ihn zu einem Besuch ins Weiße Haus ein. Da Nordamerika nach wie vor einer der wichtigsten Absatzmärkte für Stübben ist, wurde 1994 in ein eigenes Lager in Virginia sowie einen Service- und Vertriebsstandort in Richmond investiert. Seit 2003 ist in Troy (Virginia) außerdem auch ein Verwaltungsgebäude von Stübben zu finden.

Zur Jahrtausendwende wurde der Firmensitz von Krefeld nach Kempen verlegt.