Wumag-Texroll-Insolvenz: Staatsanwalt in Krefeld ermittelt

Wirtschaftskriminalität : Wumag-Insolvenz: Staatsanwalt ermittelt

Die Firma Wumag Texroll hat einen neuen Eigentümer. Das Insolvenzverfahren stand vor einem glücklichen Ausgang. Jetzt bekommt die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens eine neue Komponente. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Unterschlagung und Untreue.

Anonyme Beschuldigungen sind oftmals mit Vorsicht zu betrachten. Im Fall des Walzen- und Maschinenbauers Wumag Texroll an der Düsseldorfer Straße in Linn scheinen die Vorwürfe aus einem rund 35 Seiten starken Papier nicht aus der Luft gegriffen. zumindest reicht die Substanz, um ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren einzuleiten, erklärte Oberstaatsanwalt Axel Stahl auf Anfrage unserer Redaktion. Parallel sei bei der Strafverfolgungsbehörde eine Anzeige einer Düsseldorfer Kanzlei eingegangen, in der ähnliche Beschuldigungen erhoben würden.

Demnach, so Stahl, bestehe ein begründeter Verdacht, dass die Wumag Texroll zum Nachteil chinesischer Kommanditisten ausgeschlachtet worden sei. Das bedeutet, dass Geld von chinesischen Investoren zur Stärkung des Eigenkapitals des Krefelder Betriebs eventuell nicht auf den Firmenkonten eingegangen sein könnte, sondern zuvor abgezweigt worden sein könnte. Die Ermittlungen stehen noch am Anfang.

Aus den Geschäftsberichten der Wumag Texroll ist nachzuvollziehen, dass benannte chinesische Kommanditisten rund neun Millionen Euro aufgebracht hätten, um den traditionsreichen Walzen- und Maschinenbauer wieder wettbewerbsfähig zu machen. Laut dem anonymen Schreiben, das auch dem vom Amtsgericht Krefeld bestellten Insolvenzverwalter aus Düsseldorf zugänglich gemacht worden sein soll, ist davon auszugehen, dass mehr als eine Million Euro veruntreut worden sein könnte. Einige der Drahtzieher sollen sich in China bereits unter Hausarrest befinden. Für die Richtigkeit der Angaben gibt es derzeit noch keine Belege.

Die Staatsanwaltschaft ist dabei, Licht ins Dunkel zu bringen. Insolvenzverwalter Peter Minuth von der Kanzlei Piepenburg hält sich mit öffentlichen Äußerungen zurück. „Die insolvenz- und gesellschaftsrechtlichen Themen werden vom Insolvenzverwalter unter Berücksichtigung aller Sachverhalte behandelt. Aus Verfahrensgründen werden derzeit keine Details veröffentlicht“, erklärte er auf Nachfrage unserer Redaktion.

Vor rund einem Monat hatte die Carl Krafft & Söhne GmbH & Co. KG aus Düren mitgeteilt, dass sie ab Oktober die Wumag Texroll als Tochtergesellschaft fortführen werde. Wumag Texroll stellte Anfang Juni Insolvenzantrag, nachdem sich die Lage seit der Übernahme durch einen chinesischen Investor im Jahr 2012 kontinuierlich verschlechtert hatte (wir berichteten).

Carl Krafft & Söhne haben nach eigenen Angaben den Geschäftsgegenstand im Rahmen eines Asset-Deals erworben. Das heißt, es wurden einzelne Unternehmensbestandteile wie das 14.000 Quadratmeter große Werksgelände, Maschinen und die Markenrechte gekauft. „So kann ein guter Teil der Belegschaft weiterbeschäftigt werden“, erklärte Geschäftsführer Michael Hess seinerzeit.