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Kleve: Verein Zweitzeugen gibt Workshop an der Gesamtschule am Forstgarten

Workshop an der Gesamtschule am Forstgarten : Zusammenarbeit mit Zweitzeugen – Schule sucht Unterstützer

Zeitzeugen aus dem zweiten Weltkrieg, die von ihren Erlebnissen in der Zeit des Nationalsozialisten berichten können, werden immer seltener. Der Verein Zweitzeugen will ihre Geschichten bewahren und war nun für einen Workshop zu Gast an der Gesamtschule am Forstgarten in Kleve.

Seit vielen Jahren besucht Eva Weyl die Gesamtschule am Forstgarten und erzählt die in Kleve bekannte Geschichte über ihre Kindheitserlebnisse im Nationalsozialismus, besonders die Gefangenschaft im Lager Westerbork. Damit gehört sie zu den vielen Zeitzeugen, die an Schulen gehen, um zu erzählen wie es damals war.

Die Motivation ist klar: Es darf nicht vergessen werden und es darf sich nicht wiederholen. Doch 76 Jahre nach Kriegsende ist eines unausweichlich. Die Zeitzeugen werden irgendwann verstummen. Und genau da setzt der Verein Zweitzeugen e.V. – bis Juni 2020 als Heimatsucher e.V. bekannt – an. Die Zweitzeugen haben es sich zur Aufgabe gemacht in langen Gesprächen und Interviews diese (Über)Lebensgeschichten zu sammeln und zu sichern. Videoprotokolle, historische Quellen wie Fotos und Gegenstände veranschaulichen sehr eindrücklich den Wandel von einer oft behüteten Kindheit hin zur Verfolgung und Vernichtung im Terrorregime.

Die jungen Zweitzeugen nutzen dabei alle modernen Kanäle, besonders im Bereich Social Media. Auf der Homepage beispielsweise startet in Kürze ein neuer Imagefilm der Initiative.

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Ein weiterer Schwerpunkt des Vereins. ist ein umfangreiches didaktisches Programm. Sie bieten verschiedene Workshops für Schulen an. Nach Vermittlung von Eva Weyl besuchten nun Theresa Michels und Ksenia Eroshina von den Zweitzeugen die Gesamtschule am Forstgarten zu einem Projekttag.

Zum Einstieg skizzierten die Schüler einen ganz normalen Tag aus ihrem Leben und stellten erstaunt fest, dass so gut wie alles davon jüdischen Jugendlichen im Nationalsozialismus verboten gewesen war. Nachdem exemplarisch die Überlebensgeschichte von Siegmund Pluznik erzählt wurde, setzte sich die Gruppe mit weiteren Zeitzeugen auseinander um ihnen abschließend Briefe zu schreiben.

Finanziell unterstützt wurde dieser Workshop vom Büro der Antisemitismusbeauftragten des Landes NRW Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Diese Veranstaltung soll aber nur der Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe sein. „Wir wollen jährlich Veranstaltungen mit den Zweitzeugen e.V. machen. So ist zum Beispiel schon eine Zusammenarbeit mit unserem Leistungskurs Geschichte in der Oberstufe geplant.“, so Stefan Püplichuisen, der didaktische Leiter der Schule. Dazu braucht es aber auch noch weitere Unterstützung erklärt Püplichuisen: „Für die dauerhafte Durchführung suchen wir dringend Sponsoren, denn über die Antisemitismusbeauftragte des Landes ist eine Finanzierung nicht immer möglich. Wenn Klever Firmen oder Bürger diese Fortbildungsreihe gerne unterstützen möchten, können sich diese sehr gerne an mich wenden.

Das eingenommene Geld setzt der Verein zur Sicherung des Vermächtnisses der Zeitzeugen und zur Bildungsarbeit ein. Das findet unsere Schule sehr unterstützenswert“, so Püplichuisen. Die aus Berlin und Bonn angereisten Zweitzeuginnen freuten sich sehr über den Tag in Kleve und besonders über die überraschende Unterstützung einer Zeitzeugin im Laufe des Workshops. Eva Weyl schaltete sich, kurz vor ihrem Treffen mit der Bundeskanzlerin und dem niederländischen Premierminister zum Befreiungstag, spontan und digital aus Amsterdam dazu und richtete das Wort an Jugendliche und Workshopleiterinnen: „Ich bin euch so dankbar, dass ihr das macht!“

(RP)