Menschenhandel in Kevelaer - Ex-Freund des Opfers vor Gericht

Kriminalität in Kevelaer : Menschenhandel in Kevelaer: Ex-Freund des Opfers vor Gericht

Ein 27-Jähriger muss sich seit Donnerstag wegen Beihilfe zum Menschenhandel zwecks sexueller Ausbeutung, Zuhälterei und Zwangsprostitution vor dem Klever Landgericht verantworten.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, ein bereits verurteiltes rumänisches Paar in Kevelaer dabei unterstützt zu haben, eine junge Frau aus Moldawien auszubeuten. Das Paar wurde bereits im Juni 2018 vom Klever Landgericht verurteilt: Der 38-jährige Mann und seine 29-jährige Frau bekamen jeweils vier Jahre Freiheitsstrafe.

Das Gericht stellte damals fest, dass das verurteilte Paar die junge Frau von August 2016 bis Ende 2017 in der Wohnung an der Kevelaerer Rheinstraße festgehalten hatte. Teilweise unter Drohungen zwangen sie sie zum Geschlechtsverkehr mit zahlreichen Freiern. Die Frau musste Hausbesuche machen und Schichten in einem Gocher Bordell, zudem kamen regelmäßig Freier in das Wohnhaus. Dabei hatte die Geschädigte laut Urteil aus 2018 nicht die Möglichkeit, Freier oder Dienstleistungen abzulehnen. Das verdiente Geld musste sie gänzlich an die weibliche Angeklagte abgeben, nur 50 bis 100 Euro wurden monatlich an den Vater nach Moldawien überwiesen.

Die Rolle des nun angeklagten 27-jährigen Rumänen soll die eines Helfers gewesen sein. Er habe laut Anklage die Geschädigte zu Freiern gefahren und teilweise auch das Geld bei den Männern kassiert. Der Angeklagte nahm mithilfe einer Dolmetscherin Stellung: Mit 18 Jahren sei er von Rumänien nach Deutschland gegangen, habe einige Jahre als Spargel-Saisonarbeiter in Heidelberg gearbeitet. Danach habe er drei Monate in England gearbeitet, bevor er seinen Job wegen der Brexit-Abstimmung verloren habe.

So habe er Kontakt mit dem 38-jährigen aufgenommen und sei Mitte 2016 zu diesem nach Kevelaer gezogen. Ein paar Monate später sei dann auch das Opfer dort eingezogen. Eine Beziehung zwischen ihm und der Moldawierin sei entstanden, aber nach zwei, drei Monaten in die Brüche gegangen, so der Angeklagte. Dass sie als Prostituierte arbeitete, habe er gewusst und sie auch gelegentlich zu den Freiern oder zu einem Gocher Club gefahren. Geld habe er dafür aber – abgesehen von vereinzelten Spritgeldzahlungen durch das verurteilte Paar – nicht erhalten.

„Ich habe mir damals nichts dabei gedacht und merke erst jetzt, dass das nicht in Ordnung war“, so der Angeklagte. Das Opfer trat als Nebenklägerin und Zeugin auf. Sie bezeichnete das bereits verurteilte Paar als federführend. Ihr nun angeklagter Ex-Freund habe zwar auch dazu beigetragen – allerdings habe er nur die Anweisungen des 38-Jährigen befolgt.

Der Prozess wird am Montag um 10 Uhr fortgesetzt.

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