Stadt Kempen: Freude über niedrige Benzinpreise

Stadt Kempen : Freude über niedrige Benzinpreise

An den Tankstellen in Kempen und Grefrath herrscht zurzeit meist reges Treiben. Grund sind die Benzinpreise, die so niedrig sind wie seit langem nicht mehr. Aber man hört auch zweifelnde Stimmen, die fragen, ob das auch so bleibt.

Das Smartphone gehört inzwischen für viele Autofahrer genauso zu einer Tankstelle wie die Zapfsäule. Obwohl an den Tankstellen der Kraftstoff im Vergleich zum Herbst/Winter 2014 so günstig wie schon lange nicht mehr zu haben ist, suchen sich viele immer noch den günstigsten Anbieter heraus.

Nutznießer davon ist unter anderem die Jet-Tankstelle an der Vorster Straße in Kempen. Dort gab es dieser Tage den Liter Super E 10 für 1,199 Euro und den Diesel für 1,109. Autogas (61,9 Cent) war bei Avia an der Mülhausener Straße in Grefrath sehr günstig, aber auch bei Argos Oil an der St. Töniser Straße in Kempen.

"Bei uns ist wieder etwas Ruhe eingekehrt", sagen einige Tankstellenpächter in Kempen. Um die Mittagszeit ist auch an der Shell-Tankstelle neben Mc Donalds nicht viel los. Die Leiterin will sich nicht in die Karten schauen lassen: "Ich gebe keinen Kommentar ab", sagt sie nur. Sehr gute Monate seien, so hingegen der übereinstimmende Kommentar anderer Tankstellen-Betreiber, die Monate November und Dezember gewesen. Wegen des Konkurrenzkampfes der Gesellschaften untereinander werde der weiter fallende Ölpreis relativ schnell an die Verbraucher weitergegeben.

"Hoffentlich bleibt das so", sagt Nicole Höfges. Sie kommt aus Schiefbahn, arbeitet in Kempen und legt an den Arbeitstagen hin und zurück rund 50 Kilometer zurück. Sie tankt gerade bei Markant in St. Tönis und sagt: "Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 habe ich etwa 30 Euro monatlich mehr in der Geldbörse."

Bei Argos Oil in Kempen ist man ebenfalls zufrieden mit dem Umsatz. "Hoffentlich bleibt der Preis so. Es wäre nämlich nicht auszudenken, sollten die Rohölpreise in den nächsten Monaten so sprunghaft ansteigen, wie sie gefallen sind", meint ein 56-Jähriger, der ebenso die Preise vergleicht wie ein 40-jähriger Monteur an der Aral-Tankstelle Knauf in Anrath. Auch er hat sein Smartphone dabei. Mit einigen Apps, so "ADAC Spritpreise" oder "Clever Tanken", informiert er sich im Internet über die derzeit günstigsten Konditionen. Gerade ist in einem Krefelder Autohaus der Preis für Super E 10 drei Pfennig günstiger als anderenorts zu haben, für 1,209 der Liter. "Aber dafür fahre ich jetzt nicht nach Krefeld", sagt der Grefrather.

Drinnen bedient Michael Knauf, der mit seinem Bruder Thomas die Tankstelle führt. Seit Oktober sei der Umsatz gestiegen und liege derzeit immer noch um etwa zehn Prozent über dem Durchschnitt. Michael Knauf stellt im Vergleich zum erheblich teureren Sprit vor etwa sechs Monaten Veränderungen beim Verbraucher fest: "Früher würde oft wegen der hohen Preise nicht vollgetankt, heute kommen viele zwischendurch vorbei und tanken nach, weil sie wieder höhere Preise befürchten." Ähnlich äußert sich eine St. Huberterin bei Jet in Kempen.

Viel los ist auch um die Mittagszeit bei Jet in Willich oder Markant in St. Tönis. "Bei uns hat sich das nach dem Run zu Beginn, als die Autos hier in Dreier-Reihen standen, wieder normalisiert", sagt Markant-Mitarbeiterin Heidi Wenz. Und auch Stefan Schwenke von der Esso-Tankstelle am großen Kreisverkehr in Alt-Willich spricht zwar von einem etwas gestiegenen Umsatz, sagt aber auch: "Irgendwann ist der Tank voll, dann ist eh Schluss."

Die Pächter, auch in der Thomasstadt, berichten davon, dass sie unabhängig vom Preis feste gleichbleibende Beträge von ihren Gesellschaften erhielten, je nach verkauften Litern, unabhängig davon, ob der Liter-Preis zum Beispiel beim Super-Benzin 1,50 oder nur 1,26 Euro betrage.

Alle Tankstellenbesitzer haben jederzeit die Konkurrenz im Auge, informieren sich schon frühmorgens über die Preise der Nachbarn und können nach Absprache mit ihren Gesellschaften schnell reagieren. Die Verbraucher freut es. Darunter war bei der Umfrage auch eine Kempenerin, die ihren Osterurlaub jetzt etwas anders gestaltet hat und nun mit ihrer Familie zwei Wochen im Wohnmobil quer durch Deutschland fahren möchte. "Aber dann beginnt ja überall die Reisewelle, mal abwarten, was bis dahin noch mit den Spritpreisen passiert", meint sie. Derzeit spricht nichts gegen diese große Tour.

(wsc)
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