Viersen: Kindesmissbrauch: Verfahren ist eingestellt

Viersen : Kindesmissbrauch: Verfahren ist eingestellt

Die Großmutter einer heute 14-Jährigen hatte Anklage erstattet, weil die Eltern massive Gewalt gegen das Mädchen angewandt haben sollen.

Ein Ehepaar aus Viersen, das früher einmal in Grefrath lebte, sollte sich wegen Kindesmisshandlung vor dem Krefelder Landgericht verantworten. Das Verfahren wurde eingestellt. Das Mädchen wollte die Vorwürfe vor Gericht nicht wiederholen.

Nach dem Motto "Eine Tracht Prügel hat noch keinem geschadet" erziehen auch heute noch viele Eltern ihre Kinder. Auch Ohrfeigen oder ein Klaps gilt für manchen als angemessenes Erziehungsmittel. Damit sich die Justiz um solche Fälle kümmert, muss es aber nicht immer zu schlimmen Verletzungen kommen.

Da so etwas meist in den eigenen vier Wänden ausgetragen wird, kommt Gewalt gegen Kinder allerdings viel zu selten ans Tageslicht, zumindest solange es weder sichtbare Verletzungen noch Zeugen gibt. Im Falle des angeklagten Ehepaars aus Viersen hatte die Großmutter des Mädchens Anzeige erstattet.

Nach ersten Ermittlungen sollte der 50-Jährige seine damals elf und zwölf Jahre alte Stieftochter mit Schlägen ins Gesicht, einem Tritt vor das Schienenbein und durch Reißen am Ohr gezüchtigt haben. Die Taten sollten sich zwischen November 2011 und 2012 in den Wohnungen in Grefrath und Süchteln zugetragen haben. Auch die 34-Jährige soll keinesfalls zimperlich mit dem Kind umgegangen sein.

Ihr legte die Anklage mehrere Taten zur Last: Sie habe das Mädchen zu Boden geworfen, gekratzt, gekniffen, mit dem Kochlöffel geschlagen und sie am Zopf aus der Küche gezerrt. Was sich genau zugetragen hatte, konnte auch das Landgericht nicht klären. Die heute 14-Jährige verweigerte vor Gericht kurzerhand die Aussage. Sowohl gegen ihre leibliche Mutter als auch gegen den Stiefvater muss sie nicht aussagen, um nicht in einen Gewissenskonflikt zu geraten. Auch das Ehepaar muss sich nicht gegenseitig belasten. Das Paar bestritt die Taten.

Der Prozess war vor dem Landgericht angesetzt worden, weil im Falle einer Verurteilung wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in Tateinheit mit Körperverletzung die Verhängung einer mehrjährigen Haftstrafe möglich ist. Durch die Einstellung des Verfahrens zeigten Gericht und Staatsanwaltschaft lediglich, dass die Taten nicht mehr aufzuklären seien, nicht aber, dass man das Ehepaar für unschuldig halte.

(BL)