Leitzinsen: Das Ende der Geld-Party bahnt sich an

Leitzinsen : Das Ende der Geld-Party bahnt sich an

Die US-Notenbank bleibt vage. Wann genau sie erstmals seit der großen Finanzkrise wieder den Leitzins erhöht, ist weiter unklar. Die Stoßrichtung steht aber fest: Das Ende der Geldschwemme bahnt sich an. Die Weltwirtschaft kann sich auf etwas gefasst machen.

Die Party des billigen Geldes ist noch nicht vorbei: Die Aussicht auf anhaltende Minizinsen der US-Notenbank Fed hat die Stimmung an den Aktienmärkten zur Wochenmitte einmal mehr gehoben. Die US-Leitbörsen Dow Jones Industrial und S&P 500 gingen am Mittwoch mit dem größten Tagesplus in diesem Jahr aus dem Handel, am Donnerstag setzte sich der Aufschwung an anderen internationalen Börsen fort. Zuvor hatte die Fed versprochen, die geldpolitischen Zügel vorerst locker zu lassen. Doch die Feier neigt sich dem Ende zu - die Zinswende in Amerika rückt näher.

An den Finanzmärkten folgt auf den großen Rausch wie im echten Leben oft ein schwerer Kater. "Solange die Musik läuft, musst du aufstehen und tanzen", sagte Charles "Chuck" Prince, damals Chef des US-Finanzriesen Citigroup, im Sommer 2007. Sollte heißen: Solange der vom billigen Geld befeuerte Kreditboom anhält, muss man mitzocken. Nur einige Monate später war die Musik aber plötzlich aus und die Finanzwelt stand am Abgrund. Die Citigroup musste vor der Pleite gerettet werden und Prince seinen Hut nehmen.

Was folgte, ist inzwischen Finanzhistorie: Wenig später, im Dezember 2008, senkte die US-Notenbank den Leitzins im Kampf gegen den wirtschaftlichen Totalabsturz bis auf knapp über null Prozent. Damit wurde Geld vom Tropf der Fed so billig wie nie zuvor. Seitdem ist viel passiert - die Krise wurde mühsam überwunden, die US-Wirtschaft wächst inzwischen wieder kräftig und Banken wie die Citigroup verdienen Milliarden. Eines jedoch blieb bislang beim Alten: Die US-Notenbank bietet ihr Geld noch immer quasi gratis an.

Damit dürfte aber bald Schluss sein. Im Sommer, womöglich sogar schon im Frühling, könnte die Fed ihren Leitzins erstmals seit sechs Jahren anheben, deutete Notenbankchefin Janet Yellen am Mittwoch an. Über vage Andeutungen traute sich die oberste US-Währungshüterin zwar nicht hinaus. Experten rechnen aber schon bald mit einem Richtungswechsel. "Die Fed ist auf Kurs für einen Zinsschritt im Juni", sagt beispielsweise Commerzbank-Ökonom Christoph Balz.

Für den Rest der Welt könnte die Zinswende in den USA ziemlich unangenehme Folgen haben. Denn nicht nur dem Liquiditätsrausch an den Aktienmärkten würde eine wichtige Quelle entzogen. Steigende Zinsen in Amerika würden den Dollar weiter aufwerten lassen und das ist vielerorts überhaupt keine gute Nachricht. Weil der Dollar die weltweite Leitwährung ist, machen Unternehmen, Staaten und Haushalte rund um den Globus bevorzugt Geschäfte damit.

Die rekordniedrigen US-Zinsen wurden in den vergangenen Jahren aber auch rege genutzt, um sich in der amerikanischen Währung zu verschulden. "Sollte der Dollar seinen Höhenflug fortsetzen, würde das die Schuldenlast steigen lassen", warnte jüngst Claudio Borio, Experte der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Die Analysten der als "Zentralbank der Zentralbanken" bezeichneten Institution wissen genau, wovon sie sprechen - bei ihnen werden alle internationalen Geldströme penibel beobachtet.

Beunruhigend: Laut BIZ-Daten haben internationale Banken die grenzüberschreitende Kreditvergabe in der US-Währung seit 2008 auf ein schwindelerregendes Niveau von etwa neun Billionen Dollar verdoppelt und vor allem in den Schwellenländern kräftig ausgebaut.
Das heißt, ein großer Teil dieser Summe muss in krisenanfälligen Währungen aufstrebender Volkswirtschaften erwirtschaftet, aber in Dollar zurückgezahlt werden. Kurz: Diese Schulden steigen, wenn der Dollar steigt und das kann schnell brisant werden.

Für deutsche Verbraucher bedeutet die starke US-Währung deshalb nicht nur, dass der Urlaub überall dort teurer wird, wo mit Dollar bezahlt wird. Deutschlands Wirtschaft ist sehr exportabhängig, profitiert zwar von der Euro-Schwäche, reagiert aber auch überdurchschnittlich auf globale Wachstumsschwankungen. Die BIZ warnt: Beim Platzen einer Dollar-Schuldenblase könnte es ausgehend von den Schwellenländern zu einem Dominoeffekt kommen. Das würde wegen der starken Verflechtungen mit der Weltwirtschaft auch die deutsche Industrie treffen und die Konjunktur abwürgen.

(dpa)
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