Stadt Kempen: Landwirte hoffen auf ein besseres Jahr

Stadt Kempen : Landwirte hoffen auf ein besseres Jahr

Erhebliche Preisrückgänge und Starkregen verhagelten den Bauern im Kempener Land die Erträge. Für 2015 kommt mehr Bürokratie auf die Betriebe zu. 200 Gäste kamen zum traditionellen Bauernkaffee ins Kolpinghaus.

Was für ein gelungener Start ins neue Jahr 2015 für die Ortsbauernschaften aus Kempen und St.Hubert beim traditionellen Dreikönigsbauernkaffee im bestens besetzten Kolpinghaus. Erstmals nach Jahrzehnten gab es den gemeinsamen Kaffee der Ortsbauernschaften aus Alt-Kempen und dem Kendeldorf, so dass Bürgermeister Volker Rüb feststellte: "Jetzt fehlt nur noch Tönisberg."

Rund 200 Gäste waren der Einladung am Dienstagabend gefolgt. Sie erlebten einen sehr harmonischen Abend mit einer reich gedeckten Kaffeetafel, einer gut bestückten Tombola, einem flotten Schwank mit dem "sprechenden Spiegel" der Landjugend. Dazu gab es ernste Worte vom Vorsitzenden der Kempener Ortsbauernschaft, Peter Josef Coenen, zur Lage in der Landwirtschaft.

Johannes Dörkes (Ortsbauernschaft St. Hubert) begrüßte zunächst die Gäste und teilte mit, dass die Bauern aus Kempen und St. Hubert künftig den Dreikönigskaffee immer gemeinsam veranstalten werden. Denn im Kendeldorf war zuletzt die Beteiligung an dem Neujahrstreffen nicht mehr sehr groß gewesen.

Umfassend und informativ war der Rückblick von Peter Josef Coenen auf das Jahr 2014. Das habe "ungewöhnlich für unsere Region" begonnen, denn schon im Februar schoss das Gras in den Wiesen in die Höhe. Coenen sah die alte Bauernregel bestätigt, die da lautet: "Gab es zu Dreikönig keinen Winter, so kommt auch keiner mehr dahinter." Es gab dann aber immer wieder überraschende Wetterumschwünge, so Coenen.

Pfingsten lagen die Temperaturen bei 38 Grad. In Nordrhein-Westfalen gab es die schwersten Unwetter seit Jahrzehnten und der Juli war der niederschlagsreichste Sommermonat in den vergangenen 100 Jahren. In Kempen gab es zu Pfingsten heftige Niederschläge. Die Bundesstraße 509 war in Richtung Grefrath überschwemmt und musste sogar zeitweise gesperrt werden.

Für den Kempener Kohl, so Coenen, "war der starke Regen zu Beginn seiner Entwicklung sehr schädlich". Die Anbauflächen standen unter Wasser. Kartoffeln faulten im Boden. Gleichwohl haben sich die Kulturen im Laufe des Hochsommers erholt und zum Teil gab es Höchsterträge bei Kartoffeln, Getreide und Zuckerrüben. Mitte August standen noch zwei Drittel der Weizenernte auf dem Halm, weil das Getreide später reif wurde. Der Weizen musste teilweise feucht geerntet und teuer getrocknet werden.

Die Schattenseite der hohen Erträge, so Coenen, waren "volle Märkte und starke Preisrückgänge" - vor allem bei den so genannten Industriekartoffeln. Coenen: "Eigentlich müssten Pommes jetzt sehr billig sein." Als Russland dann noch im Zuge des Ukraine-Konfliktes die Lebensmittelimporte aus Europa stoppte, mussten auch die Landwirte in der hiesigen Region bei Obst, Gemüse oder Fleisch einen starken Preisrückgang verzeichnen. Obstplantagen wurden teilweise gar nicht abgeerntet. "Wir hatten schon bessere Jahre als 2014", so lautete Coenens Fazit.

Erneut ein Erfolg war der Kempener Bauernmarkt. Coenen dankte allen Mitwirkenden. Der Höhepunkt sei das Ferkelrennen der Landjugend gewesen. Gespräche am "Schweinemobil" führten dazu, dass Bürgermeister Volker Rübo und sein Stellvertreter Otto Birkmann im Laufe des Jahres Landwirtschaft "live" erlebten.

Für das Jahr 2015 sieht Coenen wieder viele neue Vorschriften und Reglementierungen auf die Landwirtschaft zukommen. "Es kommt wieder viele Büroarbeit auf uns zu", stellte Coenen fest. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die EU-Agrarreform mit dem neudeutschen Begriff "Greening." Ebenso will die neue Antibiotika-Datenbank mit Zahlen gefüllt werden. Coenen meinte weiter, dass der Lebensmitteleinzelhandel mehr darauf achten sollte, "dass unser Fleisch nicht verramscht wird". Die Milchquoten fallen 2015 weg. "Was das für den Milchpreis bedeutet, ist schwer vorher zu sagen", so Coenen abschließend.

Bürgermeister Volker Rübo freute sich über die sehr gute Zusammenarbeit mit den Landwirten in der Stadt Kempen. Er lobte ihre Arbeit, aber auch den Einsatz der Landjugend und den Bauernmarkt. Rübo wörtlich: "Unsere Stadt steht auf starken Säulen. Dazu gehört auch die Landwirtschaft." Rübo übte Kritik daran, dass viele Lebensmittel im Abfalleimer landen. Derzeit seien ein "paar Frosttage für die Landwirtschaft gut", meinte Rübo, der auch deutlich machte, das es bald wieder "Kempener Kappes-Autoschilder" geben werde. Rübo: "Das ist ein Markenzeichen unsere Landwirtschaft hier in Kempen."

(mab)