Kreis Viersen: Ein gutes Jahr für den Arbeitsmarkt

Kreis Viersen : Ein gutes Jahr für den Arbeitsmarkt

Die Bilanz ist besser, als man im Januar vergangenen Jahres erwartet hatte. Für 2015 herrscht verhaltener Optimismus. In diesem Jahr will sich die Agentur für Arbeit vor allem um Langzeitarbeitslose und Behinderte kümmern.

In Sachen Arbeitsmarkt herrscht zu Jahresbeginn Zufriedenheit. "Die Entwicklung war positiver, als wir noch Anfang 2014 erwartet haben", sagte gestern Ingo Zielonkowsky, Leiter der Agentur für Arbeit Krefeld-Kreis Viersen, bei der Vorlage der aktuellen Statistik. Selbst im Dezember sei die Zahl der Arbeitslosen gesunken, im Kreis Viersen um fünf auf 10.681. Für den Januar indes prognostizierte Zielonkowsky einen Anstieg.

Der Jahreswechsel sei ein klassischer Kündigungstermin, außerdem seien zahlreiche Zeitverträge ausgelaufen. Was den weiteren Jahresverlauf betrifft, ist der Agenturleiter aber durchaus optimistisch und geht davon aus, dass sich die positive Entwicklung des abgelaufenen Jahres, wenn auch vielleicht abgeschwächt, fortsetzt.

Hartmut Schmitz, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerschaft Niederrhein, verweist darauf, dass die Stimmung bei den Unternehmen sehr wechselhaft sei, bei konkreten Voraussagen sorge das für ein dickes Fragezeichen. Was er aber in letzter Zeit festgestellt habe: "Die Firmen haben erkannt, dass sie ihre Fachkräfte halten und zusätzlich neue einstellen müssen." Das bestätigt Evelyn Schotten, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit: "Wir haben eine steigende Zahl von Anfragen aus der Wirtschaft.

Unser Einschaltungsgrad ist gestiegen und liegt aktuell bei rund 40 Prozent." Oft, so Zielonkowsky, sei das Vertrauen der Unternehmen in die Arbeitsagentur nicht groß genug: "Denen sage ich: Testet uns."

Profitiert von der günstigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt haben fast alle Personengruppen. Bei den Jugendlichen bis zu 25 Jahren hat sich die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Viersen innerhalb eines Jahren um 48 auf 1011 verringert. Die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit sei und bleibe eine Ausbildung, betont Zielonkowsky. Auch Jugendliche, die anschließend nicht übernommen werden, könne man in der Regel schnell vermitteln. In diesem Jahr legt die Agentur für Arbeit einen Schwerpunkt darauf, die Jugendlichen dazu anzuhalten, auch ihrerseits die Initiative zu ergreifen, um nicht auf der Straße zu stehen.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Kreis Viersen binnen Jahresfrist um 157 auf 4328 gesunken, liegt aber immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Viele der Betroffenen habe kein Ausbildung. Hier bedürfte es besonderer Anstrengungen, sie wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern, sagt Schotten. "Das ist eine große Herausforderung, weil es sich oft um Ältere oder gering Qualifizierte handelt. Die Anzahl der offenen Stellen für gering Qualifizierte und Helfer seien jedoch gering und die Arbeitsbedingungen oft alles andere als ideal.

Der beste Weg, um aus der Arbeitslosenstatistik zu verschwinden, sei eine bessere Qualifizierung: Die Agentur werde, so Schotten, ihr Angebot erweitern und die Betroffenen direkt ansprechen, um ihr Interesse zu wecken. "M an muss den Leuten zeigen, dass es Möglichkeiten gibt", betont der DGB-Vorsitzende Ralf Köpke. Schmitz warnt für die Unternehmerschaft jedoch vor vorschnellen Erwartungen: "Das kommen wir nur mit ganz kleinen Schritten voran. Wir müssen über jeden Fortschritt froh sein."

Bei den Behinderten, die, so Zielonkowsky, in der Regel gute Qualifikationen und eine hohe Motivation mitbrächten, sei die positive Entwicklung nicht angekommen. Die Zahl der Arbeitslosen sei im Vergleich zum Vorjahresmonat angestiegen, im Kreis Viersen um 17 auf 866. Das ist für Zielonkowsky nicht nachvollziehbar: "Oft sind es Vorbehalte oder manchmal ist es Unkenntnis der Rechtslage, vielleicht auch Angst vor zu viel Krankheitstagen."

Daher wird die Agentur danach trachten, durch Aufklärung und Beratung diese Vorbehalte zu zerstreuen: "Das Potenzial dieser Menschen ist groß." Wenn sie eine Chance bekommen, sei ihre Loyalität in den meisten Fällen besonders groß: "Das müssen die Arbeitgeber wissen und nutzen."

(RP)