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Kamp-Lintfort: Corona verändert das Partei-Leben.

Politik in Kamp-Lintfort in Zeiten von Corona : Corona verändert das Partei-Leben

Das politische Leben läuft wegen der Corona-Krise öffentlich auf Sparflamme. Die politische Arbeit in den Fraktionen geht aber weiter – in Videokonferenzen, per Telefon und E-Mail.

„Es funktioniert, merkwürdigerweise“, sagt Jürgen Preuß, Fraktionschef der SPD in Kamp-Lintfort. Viele Fraktionskollegen hat der Politiker seit Wochen nicht mehr persönlich getroffen. Stattdessen finden Videokonferenzen statt, Kontakt wird über Telefon und E-Mail gehalten. „Wir haben einige Mitglieder, die zur Risikogruppe gehören. Deshalb haben wir uns für diesen Weg entschieden. Die Gesundheit geht vor“, sagt er und berichtet, dass vieles zurzeit flexibler gehandhabt werde als sonst in normalen Fraktionssitzungen.

 Jürgen Preuß: „SPD-Fraktion trifft sich in Videokonferenzen.“
Jürgen Preuß: „SPD-Fraktion trifft sich in Videokonferenzen.“ Foto: Dieker, Klaus (kdi)

„Themen gibt es trotz der Corona-Krise genug, um die wir uns kümmern müssen“, betont Preuß: „Vor allem die Situation der Unternehmen in unserer Stadt treibt uns um. Wer wird wieder öffnen, wer schafft es nicht? Wir versuchen, mit den Betrieben in Gesprächen zu bleiben.“ Auch die Lage im St.-Bernhard-Hospital, die Landesgartenschau und die weitere Stadtentwicklung habe seine Fraktion im Blick. Der Kontakt zu den Bürgern sei ebenso wenig abgebrochen. „Wir erhalten gezielt Anrufe“, sagt Preuß und vermisst doch das Gespräch von Angesicht zu Angesicht.

 Johannes Tuschen (Grüne) freut sich auf das Treffen am Montag.
Johannes Tuschen (Grüne) freut sich auf das Treffen am Montag. Foto: Anja Katzke
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Aus diesem Grund freut sich Jürgen Tuschen, Fraktionschef der Grünen, darüber, dass seine Fraktion am Montag nach langer Zeit wieder zu einer Sitzung im Rathaus zusammenkommt. „Bei Diskussionen schaue ich meinem Gegenüber gerne in die Augen. Dieser persönliche Kontakt fehlt.“ Die Stadt stellt den Grünen einen Raum zur Verfügung, der groß genug ist, damit die acht Mitglieder den Abstand einhalten könnten. Seine Fraktion habe trotz Corona einiges auf den Weg bringen können, sagt Tuschen, obwohl der Kontakt auf Telefon und E-Mail beschränkt gewesen sei: „Wir haben die Lintforter Tafel mit einer Spendenaktion unterstützt. Das war ein Riesenerfolg.“

 Sidney Lewandowski: „Linke fordert Maßnahmenpaket.“
Sidney Lewandowski: „Linke fordert Maßnahmenpaket.“ Foto: Anja Katzke

Seine Fraktion habe auch den Tagespflege-Müttern helfen können: „Sie wären durch sämtliche Raster gefallen – was die finanziellen Hilfen betrifft. Die Stadtspitze wollte das Geld für die Kindertagespflege zum 30. April einstellen. Das hatte für Aufregung gesorgt“, sagt Tuschen. Aktuell sei die Notbetreuung in den Kitas für seine Fraktion ein wichtiges Thema. „Es geht um die Kinder von Alleinerziehenden.“

Auch das Parteileben in der CDU habe sich verändert, berichtet Faktionschef Simon Linsken. „In Zeiten, in denen jeder persönliche Kontakt zur weiteren Verbreitung des Virus führen könnte, muss Politik Vorbild sein.“ Die CDU nutze andere Wege der Kommunikation, verstärkt digitale Formate wie WhatsApp, Telefonkonferenzen und Telefongespräche oder den Austausch in den sozialen Medien. „Das funktioniert zurzeit auch sehr gut, obwohl natürlich die direkte Debatte, der persönliche Austausch einfach fehlen“, sagt Lisken. Für den Politiker, der für die CDU im Aufsichtsrat der Laga-GmbH sitzt, ist vor allem die mangelnde Kommunikation in diesem Gremium derzeit ein Thema (RP berichtete).

Für die Linken ist die Krise selbst das Thema. Die Fraktion schlägt ein Maßnahmenpaket zur solidarischen Bewältigung der Corona-Krise vor: „Die Sparkasse soll Kleinkredite unbürokratisch vergeben, die Stadt einen Notfallfond anlegen, um Miet-, Energie- und Wasserschulden zu verhindern“, sagt Fraktionschef Sidney Lewandowski. „Wir sorgen uns um die Wohnsituation in Sammelunterkünften ebenso wie um die Lage der Tafel.“ Nach einer geleisteten Spende fordern sie jetzt eine bessere finanzielle Ausstattung der Lintforter Tafel.