Kaarst: Im Oldtimer-Lkw durchs Land

Kaarst : Im Oldtimer-Lkw durchs Land

Karl-Heinz Loers nimmt seit heute an der 12. Deutschland-Tour für historische Nutzfahrzeuge teil. Sein Fahrzeug ist ein Faun, Baujahr 1961. Als Schwerlastzugmaschine eingesetzt brachte der Lkw früher Heizkessel zu den Häusern.

Unter einer gemütlichen Rundreise im Oldtimer stellen sich die meisten etwas anderes vor. Für Karl-Heinz Loers ist aber genau Folgendes eine Leidenschaft: Einen schweren Lkw mit Anhänger 1500 Kilometer durch Süddeutschland und quer durch die Alpenregionen in der Schweiz und Österreich lenken.

Der 71-Jährige nimmt seit heute an der zwölften Deutschland-Tour für historische Nutzfahrzeuge teil. Verpasst hat er noch keine. In diesem Jahr startet sie in Karlsruhe und endet am 7. September bei Kloster Andechs.

Sein Fahrzeug ist ein Faun, Baujahr 1961. Als Schwerlastzugmaschine eingesetzt brachte der Lkw früher Heizkessel zu den Häusern. Loers erwarb ihn 1988, im Jahr 2000 war die Restaurierung abgeschlossen.

Dass ihn der Oldtimer während der beschwerlichen Tour im Stich lässt, glaubt er nicht. "Wenn der Wagen gründlich restauriert wurde, passiert zwanzig Jahre nichts", sagt er. Probleme machten ihm nur seine Beifahrer. "Sie sollen eigentlich die Karte lesen. Aber mir sind sie immer eingeschlafen", erzählt er. Hoffentlich ermüdet das oft sehr monotone Motorengeräusch nicht seinen diesjährigen Kompagnon: Franz-Günter Schmitz (72). Geschlafen wird trotzdem im Lkw.

Auf der Pritsche hat Karl-Heinz Loers ein Etagenbett gebaut, sein Mitfahrer nächtigt im Anhänger. Der Korso parkt auf Kirmesplätzen, Betriebsgeländen oder Sportanlagen. Aufgestanden wird jeden Tag um 7 Uhr, in einem Begleitfahrzeug stehen Duschen zur Verfügung. Anschließend sitzen die Teilnehmer acht bis neun Stunden auf dem Bock. Der lindgrüne Faun ist einer von insgesamt drei Oldtimer-Lkw im Besitz von Karl-Heinz Loers. Sein erster war ein Daimler L325. Trotz Baujahr 1954 gehört er einer Modellreihe von Wehrmachtfahrzeugen an, die nach Kriegsende vom französischen Militär in Afrika eingesetzt wurden.

Der Ford 3500, Baujahr 1951, stammt aus dem Bestand des Technischen Hilfswerks. Der Lkw stand 23 Jahre ungenutzt und unter freiem Himmel in einem Kieswerk. "Als ich ihn kaufte, war er reiner Schrott", sagt Loers. Als Eigentümer des Büttgener Schrott- und Metallgroßhandels hätte er ihn auch im eigenen Betrieb verwerten können. Der Motor war kaputt, die Karosserie durchgerostet. Vier Jahre dauerte die Restaurierung. Anfang der 1980er Jahre kaufte sich Karl-Heinz Loers seinen ersten Lastwagen. Bereits zuvor interessierte sich der gelernte Autoschlosser für Oldtimer, allerdings für eine Kategorie kleiner. Er besaß einen Mercedes 300 SL und einen 300er, der besser bekannt ist als "Adenauer-Mercedes", die erste Staatskarosse nach dem Zweiten Weltkrieg.

(stef)
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