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Kaarst: Ein Vorster Urgestein

Kaarst : Ein Vorster Urgestein

Als ehemaliger Grundschulleiter hat Norbert Fromm die Entwicklung Vorsts von einem sogenannten Streudorf mit einst 1200 Einwohnern zu einem geschlossenen Ortsteil mit etwa 5500 Einwohnern miterlebt.

Er zählt zu den bekanntesten Menschen Vorsts: Norbert Fromm hat die Entwicklung des Ortsteils miterlebt, unzählige Kinder aufwachsen sehen, viele erkennen ihn auf der Straße und umgekehrt. "Bist du groß geworden" — ein Satz, der Fromm sicher öfters rausrutscht, wenn er einen ehemaligen Schüler wiedertrifft. Vor fast 50 Jahren kam er nach Vorst an die damalige Volksschule, von 1968 bis 2004 leitete er die Grundschule. Aber Norbert Fromm hat nicht nur die Kinder aufwachsen sehen, auch der Ortsteil entwickelte sich stark.

"Damals war Vorst ein Streudorf mit einzelnen Honschaften. Durch die großen Abstände dazwischen war die Nachbarschaftshilfe besonders groß", sagt Fromm. Die ursprüngliche bäuerliche Atomsphäre ist neuen Wohngebieten gewichen, die aus dem Streudorf mit einst 1200 Einwohnern einen geschlossenen Ortsteil mit etwa 5500 Einwohner machten. "Ich finde das etwas traurig, aber ich verstehe, wenn die Leute aus der Stadt aufs Land ziehen", sagt Fromm. Ihn selbst zog es nach seiner Pensionierung stattdessen in die Großstadt Düsseldorf. "Aber ich komme gerne nach Vorst und unterhalte mich mit den Menschen. Die Vorster sind sehr offenherzige Menschen, das habe ich bereits bei meinem ersten Tag an der Volksschule gemerkt", sagt er.

Mindestens einmal die Woche kehrt Fromm zurück, nämlich wenn sich sein Radfahrclub dienstags zur gemeinsamen Tour trifft. Die kleine Truppe hat sich aus ein paar Mitgliedern des Kirchenchors St. Antonius und deren Bekannten gebildet. Den Chor dirigierte Norbert Fromm mehr als 40 Jahre, er schreibt aber weiterhin die Drehbücher und führt Regie bei den alle zwei Jahre stattfindenden Karnevalsmusicals.

Der frühere Pfarrer Dirk Willem Blanken bat ihn 1964, die Leitung zu übernehmen. "Du bist Volksschullehrer, du musst doch alles können", sagte er ihm damals. "Bei der ersten Probe hörte ich nur die Männer brüllen", erinnert sich Fromm. Es gab nur drei Sopranstimmen, dafür über 40 Bässe, Tenöre und Alt-Stimmen. Also holte er 15 Mädchen aus der achten Klasse der Volksschule in den Chor. Heute widmet er sich der Choralschola, die sich auf alte Kirchenmusik aus dem fünften bis siebten Jahrhundert spezialisiert.

Neben Kirche und Schule prägt das Schützenwesen der St. Eustachius-Bruderschaft das Gesellschaftsleben. Selbstverständlich beteiligte sich auch Norbert Fromm aktiv am Schützenfest, marschierte bis vor zwei Jahren beim Grenadierzug "Kirchenchor" mit. Der neu gestaltete Schützenplatz und die Grünanlage in der Ortsmitte gefallen dem 72-Jährigen gut. Apropos Brauchtum: In Vorst gibt es auch einen Martinsverein — sein Vorsitzender: Norbert Fromm.

(stef)