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Six Bridges Rally: Unterstützung für die Müngstener Brücke

„Six Bridges Rally“ : Fahrer stimmen sich auf Tour durch Europa ein

Bevor im September die „Six Bridges Rally“ startet, trafen sich viele Fahrer mit ihren Autos am Samstag unter der Müngstener Brücke.

„Pepa“ ist schon weit herumgekommen – und hat offenbar alle Reisestrapazen bislang gut überstanden. So steht der kleine Steiff-Bär noch immer wie eine Galionsfigur mit geradem Rücken und mutig ausgebreiteten Armen hinter dem Bentley-Logo des schmucken Oldtimers. „Er passt immer auf, dass nichts passiert“, sagte sein „Herrchen“ Arnold Schulze augenzwinkernd. Denn mit dem Glücksbringer aus Stoff an Bord seines windschnittigen Bentley MK 6, Baujahr 1950, hatte der Remscheider schon an der Autorallye Peking – Paris teilgenommen.

Am Samstag präsentierte Schulze seinen Wagen, der im Laufe der Jahre einige Umbauten erfuhr, im Müngstener Brückenpark – ebenso wie rund 25 weitere Besitzer älterer Autos und einiger Motorräder. Gekommen waren sie nicht nur aus dem Bergischen Land, sondern auch aus Neuss, Köln, Hamburg und sogar aus Baden-Württemberg, um sich schon einmal auf eine ganz besondere Ausfahrt im frühen Herbst einzustimmen: Die „Six Bridges Rally“ wird im Schatten von Deutschlands höchster Eisenbahnbrücke, am 11. September starten, durch ganz Europa führen – und Station an fünf weiteren historischen Brücken machen, mit denen sich das Bergische Wahrzeichen partnerschaftlich für die Aufnahme in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO bewirbt.

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Um diese Bestrebungen zu unterstützen und die beteiligten Orte miteinander zu verknüpfen, hatten Timm Kronenberg und Marc Baehr die Rallye aus der Taufe gehoben – und waren im vergangenen Jahr schon einmal testweise vorausgefahren. Sie lernten Übernachtungsmöglichkeiten kennen und strichen auch den einen oder anderen Abstecher wieder aus dem Programm. „Die ganze Tour muss ja in gut zwei Wochen zu schaffen sein“, sagte Kronenberg. Runde siebeneinhalb Stunden Fahrt pro Tag müssten die Teilnehmer einkalkulieren – und statt mit neumodischen Hilfsmitteln wie Navi oder GPS zu arbeiten auf die gute alte Straßenkarte vertrauen.

Als Schirmherr gewannen die Veranstalter Oberbürgermeister Tim Kurzbach – und als Schirmfrau Myriam Larnaudie-Eiffel, Ur-Ur-Enkelin des berühmten Gustave Eiffel, der mit dem Viaduc de Garabit einen der sechs gemeinschaftlichen Welterbe-Kandidaten erbaut hatte. Sie hat bereits angekündigt, zur großen Europa-Party kurz vor dem Ende der Reise nach Bordeaux zu kommen. Empfänge für das Fahrerfeld soll es an allen sechs Bewerber-Brücken geben. Zu denen gehören auch der Ponte San Michele in Italien, der Viaduc de Viaur in Frankreich sowie die portugiesischen Großbogen-Konstruktionen Ponte Marie Pia und Ponte Dom Luis I.

Bis eine Entscheidung über die Anerkennung als Weltkulturerbe fällt, wird es noch dauern: Erst steht in diesem Herbst die Entscheidung über die NRW-Vorschläge an, die finale Ernennung wäre erst im Jahr 2025. Bis dahin jedoch soll die „Six Bridges Rallye“ Fortsetzungen finden – dann idealerweise mit noch mehr Startern aus ganz Europa, wie Kronenberg bekräftigt. Aktuell sind 33 Fahrer-Teams angemeldet, darunter auch eines aus Italien und eines aus Frankreich. Weitere können sich dem Tross noch bis Ende Juli anschließen. Auf der Strecke gibt es für die Teilnehmer verschiedene Aufgaben zu erledigen, auf der sie – wie auf vielen Ausfahrten üblich – Punkte sammeln können. Aber: „Alles kann, nichts muss“, betonte Kronenberg auf dem Treffen im Brückenpark.

Dort tauschten sich am Samstag die Fahrer auf Abstand ein wenig aus und knipsten Fotos von ihren recht unterschiedlichen – und allesamt über 20 Jahre alten – Fahrzeugen: Wenige Meter neben einem nostalgisch angehauchten VW-Bus aus Solingen stand dabei ein früherer Leichenwagen aus Esslingen. „Mit ihm bin ich vor zwei Jahren die Europa Orient-Rallye gefahren“, erzählte der Besitzer Wolfgang Lausecker. Die Ladefläche des Wagens aus dem Jahr 1990 hat er in eine Art Wohnbereich umfunktioniert – mit Matratze, Kühlschrank und Mini-Herd. „Ich entscheide von Fall zu Fall, ob ich hier übernachte oder ins Hotel gehe“, erzählte er.

Neben der Werbung für die Welterbe-Liste verfolgt die Rallye auch einen sozialen Zweck: Alle Teilnehmer solle für wohltätige Vorhaben oder Vereine ihrer Wahl Spenden sammeln. Anschließend gibt es auch Preise zu gewinnen. „Das steht aber absolut nicht im Vordergrund“, betonte Kronenberg. Ihr Roadbook mit Strecken, Zielen und Aufgaben bekommen die Fahrer übrigens erst beim Start am 11. September. „Ich lasse das einfach auf mich zukommen“, schaut Bentley-Fahrer Arnold Schulze gelassen nach vorn. Kein Wunder: Mit Glücksbringer „Pepa“ hat er ja schon ganz andere Fahrten bewältigt.