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Hückeswagen: Maria und Andreas Alerborn blicken auf 50 Jahre Ehe zurück

Goldhochzeit in Hückeswagen : Liebe auf den ersten Blick hält 50 Jahre

Am Donnerstag blicken Maria (68) und Andreas Alerborn (70) offiziell auf 50 Jahre Ehe zurück – die Hochzeit in Sibirien liegt aber schon ein gutes Jahr länger zurück. Die Familie steht für das Paar an oberster Stelle.

Über die bisher einstelligen Minusgrade in diesem Winter in Hückeswagen kann Andreas Alerborn nur müde lächeln. In seiner Heimat Sibirien gehen die Temperaturen zu dieser Jahreszeit schon mal locker auf minus 25 bis 35 Grad herunter. „Bei den Temperaturen können dann nicht mal mehr die Vögel fliegen“, sagt der 70-Jährige.

Trotz der Kälte hatte es den heutigen Hückeswagener nicht davon abgehalten, am 28. Dezember 1969 seine Auserwählte, Maria Weid, zu heiraten. Offiziell gilt aber erst der 21. Januar 1971 als Hochzeitsdatum. Andreas Alerborn erklärt: „Ich war damals 19 Jahre alt, meine Frau erst 17. Sie durfte noch nicht unterschreiben.“ Ein gutes Jahr nach der großen Hochzeitsfeier holte die junge Ehefrau ihre Unterschrift auf dem Standesamt schließlich nach. Das erste Kind des jungen Paares starb kurz nach der Geburt, danach kamen Sohn Alexander und Tochter Tatjana zur Welt.

Das Kennenlernen beschreiben die Jubilare mit einem Satz: „Nachdem wir uns das erste Mal in die Augen gesehen haben, war schon alles klar.“ Die Ehe hat bis heute gehalten, weshalb Andreas und Maria Alerborn am Donnerstag ihre Goldhochzeit begehen könnten. Doch zum einen verhindert die Corona-Situation ein Fest, zum anderen hatte das Paar bereits im Dezember 2019 mit Familie und Freunden gefeiert.

In der Schloss-Stadt wohnen die Jubilare, um in der Nähe ihrer beiden Kinder und der vier Enkelkinder zu sein. Die steilen Berge und die ihrer Ansicht nach schlechte Vor-Ort-Versorgung mit Fachärzten machen dem 70-Jährigen, der kein Auto und nur einen russischen Führerschein hat, zu schaffen.

Auf Umwegen war die Familie in die Schloss-Stadt gekommen: Andreas Alerborns Eltern und Großeltern waren sogenannte Wolgadeutsche und somit Nachkommen deutscher Einwanderer, die im Russischen Reich an der unteren Wolga ansässig wurden (siehe auch nebenstehenden Info-Kasten). Nach dem Angriff des Deutschen Reichs auf die Sowjetunion im Juni 1941 ließ Stalin die Wolgadeutschen nach Sibirien und Zentralasien deportieren. „Meine Eltern wurden im Zweiten Weltkrieg rausgeschmissen“, beschreibt es Alerborn mit seinen eigenen Worten.

Erst viel später zogen seine Eltern nach Deutschland und holten ihre Kinder nach. Seit 2001 leben auch Andreas und Maria Alerborn mit ihren Kindern in Deutschland. Zehn Jahre wohnten sie in Lünen bei Dortmund.

Der Kinder wegen, die in Hückeswagen eine neue Heimat gefunden hatten, zogen auch sie 2011 in die Schloss-Stadt. „So konnten wir die Enkel aus dem Kindergarten abholen, wenn unsere Tochter arbeiten war“, nennt Maria Alerborn ein Beispiel. Arbeit hat das Paar hier nie gefunden. In Russland arbeitete Andreas Alerborn als Bauer, seine Frau in einer Melkerei und 24 Jahre lang in einer Kantine. „Ich habe hier viele Bewerbungen geschrieben, aber nur Absagen erhalten“, bedauert der 70-Jährige. Drei Jahre lang habe er einen Ein-Euro-Job in einer Radstation in Lünen ausgeübt, den ihm das Arbeitsamt vermittelt hatte. Die Familie steht für das Jubelpaar an erster Stelle. Ein Kissen mit Familienbild und der Aufschrift „50 Jahre gemeinsames Glück“ schenkten die Kinder ihren Eltern zur Goldhochzeit. In der gemütlich eingerichteten Wohnung in Wiehagen gibt es zudem unzählige Familienbilder, ein Foto von der Hochzeit in Russland existiert jedoch nicht. Gekocht wird im Hause Alerborn russisch. Gerne schaut das Ehepaar gemeinsam Fernsehen oder geht spazieren. „Aber nur entlang der Straße, wo die Leute sehen, wenn ich umfalle“, sagt Andreas Alerborn, der 2003 einen Herzinfarkt hatte, mit schwarzem Humor. „In Russland wäre ich schon viele Jahr tot“, ist der 70-Jährige überzeugt.

In ihrer sibirischen Heimat, wo noch ein Bruder von Maria Alerborn lebt, waren die Jubilare schon seit 20 Jahren nicht mehr. „Das Dorf ist total kaputt und die Reise viel zu teuer“, sagt der 70-Jährige.

Ein Patentrezept für eine beständige Ehe hat das Paar nicht. „Ich hatte nie Appetit auf eine andere Frau, sondern bin zufrieden mit einer“, sagt der Jubilar mit einem verschmitzten Lächeln. Große Pläne für die Zukunft schmiedet das Goldhochzeitspaar ebenfalls nicht. Zwei Wünschen fallen Maria Alerborn dann aber doch noch ein: „Gesund bleiben und Urenkel – das wäre schön“, sagt sie.