1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel

Schulen in Wesel: Schulleiterin verlässt das Andreas-Vesalius-Gymnasium

Wer die Nachfolge antreten könnte : Schulleiterin verlässt das Andreas-Vesalius-Gymnasium

Dorothée Brauner geht nach fast 40 Jahren in den Ruhestand. Wegen der Corona-Pandemie gibt es keine Feier. Für ihre Nachfolge ist eine Lösung in Sicht.

Ein Abschied im Lockdown ist zwangsläufig sehr still. Wenn Dorothée Brauner ihren Chefsessel im Andreas-Vesalius-Gymnasium (AVG) Ende Januar räumt, wird das ohne große Feier vonstatten gehen – die geplante Verabschiedung im Bühnenhaus musste abgesagt werden. Leicht fällt der 64-Jährigen der Wechsel in den Ruhestand nicht, doch es war ihr eigener Entschluss, ein bisschen früher zu gehen.

Die letzten Monate haben die Schulen enorm gefordert. Aber die Coronazeit wird aus Sicht von Brauner auch Gutes hinterlassen: Das digitale Lernen hat sich rasant entwickelt. Auch im Lockdown kann der Unterricht so nach Plan laufen.

Schon vor den Sommerferien hat sich die Schulleiterin und Lehrerin für Mathe und Pädagogik entschlossen, ihr Amt aufzugeben. Gründe gibt es mehrere, erklärt sie. Sie möchte sich mehr um die Familie kümmern und hat sich besonders nach einem Sturz im vergangenen Jahr überlegt, wie wichtig es ist, noch eine gemeinsame Zeit mit Ehemann Ulrich zu haben. „Schweren Herzens“, sagt sie, schaltet sie nun von 150 auf 0 Prozent zurück – bereut den Entschluss aber nicht.

„Ich weiß die Schule in guten Händen“, sagt die Gladbeckerin. Fast 40 Jahre war sie im Beruf – allerdings nicht immer im Schuldienst. Nach dem Referendariat waren die Zeiten 1984 für junge Lehrer nicht günstig und so ging Dorothée Brauner für zehn Jahre in die freie Wirtschaft. Zunächst als Assistentin des Produktmanagers eines Kaugummiherstellers, dann unter anderem beim IT-Unternehmen IBM.

Nach der Geburt ihrer Tochter fand sie zurück in den Schuldienst, zunächst an einem Gymnasium in Gelsenkirchen, dann am Dinslakener Theodor-Heuss-Gymnasium und ab 2008 am Andreas-Vesalius-Gymnasium. 2010 wurde sie in der Weseler Stadtmitte stellvertretende Schulleiterin, 2014 dann Nachfolgerin des scheidenden Direktors Jürgen Berner.

Die Begabtenförderung ist eines der Themen, mit denen sich die Pädagogin in ihrer Laufbahn viel und gerne beschäftigt hat, zeitweise auch im Auftrag der Bezirksregierung. Ebenso wichtig war ihr der Ausbau des MINT-Angebotes (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Dass das AVG heute zum Schulnetzwerk „MINT-Excellence“ gehört, darauf ist Dorothée Brauner stolz – das hat sie intensiv begleitet.

Auf den Weg zur „Digitalen Schule“ hatte sich das AVG schon vor der Corona-Pandemie gemacht. Richtig Fahrt aufgenommen hat das Thema noch einmal durch die Tatsache, dass das AVG im März als erste Schule in Wesel wegen eines Corona-Verdachts komplett schließen musste. „Damals haben wir unsere Schulcloud angeschafft, das hat uns sehr geholfen“, erinnert sich Brauner. Über die Kommunikationsplattform konnten Aufgaben und Informationen ausgetauscht werden.

Mittlerweile arbeitet das Gymnasium wie alle weiterführenden Schulen mit der Software Teams, die Videounterricht nach Stundenplan ermöglicht. Die Schüler sind inzwischen mit Geräten ausgestattet. Wer kein eigenes hat, kann sich eines am AVG leihen. Der Großteil der Lehrer und fast alle Schüler arbeiten aus dem Homeoffice. „Wir haben maximal zwei Schüler in der Notbetreuung“, sagt Brauner.

Wenn die Schüler nach dem Lockdown in den Präsenzunterricht zurückkehren, wird „Vize“ Sebastian Hense auf dem Chefsessel Platz genommen haben. Zunächst als stellvertretender Schulleiter, doch interessiert sich für den Leitungsposten. In den nächsten Wochen oder Monaten wird die Entscheidung erwartet. Corona verzögert den Prozess.

(rme)