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Hospizgruppe Hückeswagen: "Wegbegleiterin" erzählt über ihr Ehrenamt

Hospizgruppe Hückeswagen : Mit Sterbenden die Ängste aushalten

Judith Hanke ist die Schriftführerin der Hospizgruppe Hückeswagen „Die Weggefährten“. Sie erzählt, warum sie eine „Wegbegleiter“ geworden ist und sich ehrenamtlich um Sterbende und deren Angehörigen kümmert.

Warum ich „Wegbegleiterin“ geworden bin? Bei den meisten „Weggefährten“ steht der Gedanke an die Menschen im Vordergrund. Die Erfahrungen mit eigenen Verlusten und eigener Trauer spielen dabei eine große Rolle. Auch das Sterben im Krankenhaus wird als ein prägendes Erlebnis genannt. Leider gehört der Tod und die Trauer bei vielen Menschen immer noch in die Tabuzone, und das möchten wir Hospizbegleiter ändern. Es ist allen eine Herzensangelegenheit, schwerkranken und sterbenden Menschen sowie den nächsten Angehörigen Zeit, Mitgefühl, Begleitung und Unterstützung zu geben. Ihnen Herz und Ohr zu schenken und Ängste, Sorgen, Schmerzen angesichts des nahen Todes gemeinsam mit ihnen auszuhalten.

Da wir mittlerweile regelmäßig eigene Vorbereitungskurse anbieten, ist es für die Koordination wichtig, auch dazu Informationen zu sammeln. Die Begleiterinnen und Begleiter waren erstaunt, wie schnell und persönlich jeder sich mitteilt. Die Referentin konnte ihr Wissen immer sehr lebensnah und immer wieder mit Humor vermitteln und eigenen Praxisbeispielen darstellen. Nach dem Abschluss fühlte sich jeder Teilnehmer fähig und bereit, anderen Menschen in dieser Ausnahmesituation beizustehen. Das Wissen und die vielen Beispiele wurden symbolisch in einen „Werkzeugkoffer“ gepackt und stehen so immer zur Verfügung.

 Judith Hanke ist die Schriftführerin der Hospizgruppe Hückeswagen "Die Weggefährten".
Judith Hanke ist die Schriftführerin der Hospizgruppe Hückeswagen "Die Weggefährten". Foto: Hanke

Dabei zeigt sich immer wieder, wie wichtig die Nähe zur Koordinatorin ist. Jede neue Begleitung ist wieder eine neue Herausforderung und durch die gute Einweisung und Betreuung durch die Koordinatorinnen auch gut auszuhalten. Auch der regelmäßige Austausch in der Gruppe unterstützt jeden Einzelnen in der Begleitung, damit wird sie auch zu einer Bereicherung des eigenen Lebens. Als beeindruckend wird immer wieder die besondere Atmosphäre und der besondere Friede in der Sterbephase beschrieben. Die ehrenamtliche Hospizarbeit wird als ein großer Gewinn für das eigene Leben gesehen. Es muss kein Ziel erreicht werden, und jeder „Weggefährte“ kann die Hospizarbeit ohne Probleme in das eigene Leben ohne Druck und Zwang integrieren.

Die Hospizgruppe Hückeswagen hat 2019 ihr 20-jährige Bestehen gefeiert und ist mit den zirka 20 Begleiterinnen und Begleitern eine wachsende Gemeinschaft. Aufgrund der Corona-Pandemie sind die Gruppentreffen aber leider nur noch virtuell per Video-Chat möglich, das persönliche Gespräch von Mensch zu Mensch fehlt. Wir hoffen, dass der monatliche Gruppenabend bald wieder möglich ist ebenso wie der Kontakt mit der notwendigen Nähe zu den begleiteten Menschen.

Protokolliert von Stephan Büllesbach.