BGV-Vortrag über Kölner Protestanten

Hückeswagen : Vortrag über Protestanten in der frühen Neuzeit

Mit einer Viertelstunde Verspätung wegen eines defekten Beamers begann der Vortrag des Bergischen Geschichtsvereins zum Thema „Kölner Protestanten und das Herzogtum Berg“ im Heimatmuseum. Zu Gast war der Bonner Historiker Jochen Hermel, der in seinem knapp einstündigen Vortrag die Beziehung der Rheinländer im Allgemeinen und der Kölner und des Herzogtums Berg im Besonderen zu den Protestanten in der frühen Neuzeit in den Blick nahm.

Dabei ging er zunächst auf die Konfessionalisierung des Rheinlands im 16. und 17. Jahrhundert ein. So kamen etwa durch die Migrationswellen aus den Niederlanden viele reformierte Christen an den Niederrhein, die dort niederländische reformierte Gemeinden gründeten. Gleichzeitig wurden dort auch deutschsprachige reformierte Gemeinden gegründet. Interessant war dabei, dass die konfessionelle Landschaft jener Zeit sich insgesamt stark im Wandel befand.

Köln hingegen sei eine stark katholisch geprägte Stadt gewesen. Die Domstadt sei eine der wenigen Reichsstädte gewesen, in der die reformierte Bewegung keine politische Bedeutung gehabt hätte. Die katholische Konfession wurde etwa durch die Qualifikationsordnung seit 1578 Voraussetzungen für das Bürgerrecht, welches wiederum Voraussetzung für ratspolitische Tätigkeiten war. Die Nichtkatholiken mussten sich wegen dieser restriktiven Haltung im Geheimen treffen. Aber auch wenn die Zahl der Protestanten im 17. Jahrhundert stark schrumpfte, habe es dort immer protestantische Gemeinden gegeben.Hermel zeigte in der Folge den rund 20 Zuhörern die Strukturen der sogenannten heimlichen Gemeinden auf. Deren Vermächtnis seien umfangreich hinterlassene Protokolle gewesen. Die Quellenlage sei in Köln sehr gut, was ungewöhnlich sei, da die meisten anderen derartigen Protokolle im 18. und 19. Jahrhundert vernichtet worden seien. Der Historiker schilderte die schwierige Situation, der die heimlichen Gemeinden im Köln des 17. Jahrhunderts ausgesetzt waren.

An dieser Stelle kam den Reformierten das Herzogtum Berg zu Hilfe. Das Wasser stand den Reformierten in Köln zum Hals, als im Jahr 1609 der Jülich-Klever-Bergische Erbfolgestreit einsetzte. Darin sollte der Ort Mülheim als Gegengewicht zur Stadt Köln großgemacht werden – einhergehend mit einer weitgehenden Religionsfreiheit. Die Reformierten sahen die Chance, dort heimisch zu werden – oder zumindest ihren Glauben leben zu können. Reformierte kirchliche Zentren wurden in der Folge nach Mülheim verlegt. Allerdings ließ Köln sich die Konkurrenz nicht gefallen und wehrte sich dagegen.

Deutlich wurde im Vortrag, dass das friedliche Miteinander der Konfessionen in der frühen Neuzeit keineswegs selbstverständlich war.

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