Premiere der Komödie „Trennung für Feiglinge“ im Kultur-Haus Zach

Hückeswagen : Kunstvoll gestrickte Lügengebilde

Mit der schwarzhumorigen Komödie „Trennung für Feiglinge“ sorgte der Theaterverein Wipperwagen bei der Premiere im gut besuchten Kultur-Haus Zach am Freitagabend für große Heiterkeit im Publikum.

Es war wieder einmal soweit: Der Hückeswagener Theaterverein Wipperwagen hatte ein neues Stück einstudiert und auf die Bühne gebracht. Am Freitagabend war Premiere im Kultur-Haus Zach, knapp 70 Zuschauer ließen sich vom dynamischen Trio auf der Bühne, Ute Joho, Norbert Becker und Oliver Hecker, in eine Ménage-à-trois der schwarzhumorigen Art entführen.

Mit viel Spielfreude, Humor und Situationskomik schafften es die drei Schauspieler schnell, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Und wenn das Publikum spontan lachte, dann war das ja zumeist ein gutes Zeichen – und das kam am Freitagabend sehr häufig vor. So wurde mit jedem weiteren Heiterkeitsausbruch des Publikums schnell klar, dass der Wipperwagen einmal mehr ein gutes Händchen bei der Auswahl des aufgeführten Stücks bewiesen hatte. Die spritzige Komödie „Trennung für Feiglinge“ des französischen Autors Clément Michel war somit ideale Unterhaltung für einen verregneten Freitagabend.

Die Geschichte drehte sich um das Paar Paul (frustriert, aber einfallsreich: Oliver Hecker) und Sophie (einfühlsam bis naiv: Ute Joho). Wobei Paar ein nur noch einseitiger Begriff war – Nacht für Nacht plagten Paul Mordphantasien gegenüber Sophie, die er nicht mehr liebt, der den Laufpass zu geben er aber auch nicht schaffte. „Dazu gehört eine Eigenschaft, die der männlichen Spezies nicht gegeben ist – Mut“, brachte es Paul an einer Stelle auf den Punkt.

Herrlich waren dabei etwa die Versuche Pauls, zumindest gegenüber seinem depressiven Freund Martin (liebenswürdig bis genervt: Norbert Becker) eine Schlussmach-Rede zu formulieren. Bei Sophie reichte es dann meist nur für ebenso sinn- wie hilfloses Gestammel. Und schließlich die Ankündigung, dass Freund Martin bei dem Paar einziehen werde.

Dahinter wiederum steckte der perfide Plan Pauls, auf den er durch eine Bemerkung Sophies gekommen war: Wenn bei einem Paar ein Freund einzieht, wird dieses sich unweigerlich trennen. Womit ja Pauls wichtigstes Ziel erfüllt wäre. Zumindest in seiner Vorstellung. Denn natürlich kam alles ganz anders als von Paul geplant. Martin wurde zwar gegen seinen Willen zum Einzug genötigt, weil Paul Sophie erzählte, Martins Mutter sei gestorben. Sophie wiederum machte es sich in der Folge aber zur Aufgabe, den vermeintlich so gebeutelten Martin wieder aufzupäppeln. Allerdings entstand durch das von Paul solchermaßen aufgebaute Lügengebilde das reinste Chaos – schlimm für Paul, Martin und Sophie, herrlich hingegen für das begeisterte Publikum.

Man merkte dem kleinen Ensemble die Freude am Spiel an. Nicht nur die Regie, von Hecker selbst geführt, wirkte sehr professionell und stimmig. Auch das Timing der Schauspieler war treffsicher, die Gags saßen punktgenau. Die Kulissen waren einfach aber effektiv. Wirklich entscheidend für den gelungenen Abend war indes die überbordende Spielfreude des Trios auf der Bühne. Man merkte den Akteuren die Probearbeit der vergangenen Wochen und Monate an, sah, dass sie sich richtig auf die Aufführung gefreut hatten, was nicht zuletzt in ihrer überaus engagierten und leidenschaftlichen Performance mündete.

Der Lohn dafür waren nicht nur der kräftige Applaus des Publikums, sondern auch dessen von Szene zu Szene bis zum Finale anwachsenden Heiterkeitsausbrüche. Die Begeisterungsfähigkeit des Publikums wuchs mit der Absurdität der Situationen, in die sich das Trio Infernale nach und nach hineinmanövrierte, darin weiter verstrickte und nur noch unter lautem Gelächter des Publikums wenigstens ansatzweise wieder herausfand.

Mehr von RP ONLINE