Staatsanwaltschaft weitet Ermittlungen gegen Ex-Pfarrer von Hückelhoven aus

Ermittlungen im Fall Hückelhoven ausgeweitet : Geldwäsche-Verdachtsanzeige gegen Pfarrer

Zum Untreue-Verdacht gegen den ehemaligen Pfarrer von Hückelhoven werden weitere Zeugen vernommen. Die Ermittlungen wurden erheblich ausgeweitet und dauern an.

Mehrfache Untreue wirft die Staatsanwaltshaft Mönchengladbach dem Ex-Pfarrer von Hückelhoven vor. Jetzt wurde der Tatvorwurf offenbar ausgeweitet. Staatsanwalt Jan Steils sprach auf Nachfrage der Redaktion von weiteren Ermittlungen der Polizei „in nicht unerheblichem Umfang“. Die bis zum Sommer gewonnenen Erkenntnisse hatten gezeigt, „dass Gelder auch nach Schwarzafrika gegangen sind“.

Im Januar 2018 waren „finanzielle Unregelmäßigkeiten“ in der Gemeinschaft der Gemeinden aufgefallen, das Bistum Aachen erstattete im März 2018 Strafanzeige. Der Pfarrer, der bis dahin zwei Jahre in Hückelhoven gewirkt und im Schaufenberger Pfarrhaus gewohnt hatte, ließ sich vom Aachener Bischof entpflichten. Seither lebt er außerhalb des Kreises Heinsberg von einer Sustentatio des Bistums als Beitrag zum Lebensunterhalt. „Er darf weiterhin nicht priesterlich tätig sein“, teilte Bistumssprecher Stefan Wieland mit.

In der Gemeindekasse fehlten insgesamt 119.355,72 Euro. Erste Ermittlungen deckten 22 Überweisungen an verschiedene Empfänger auf. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ließ Privatvermögen des Geistlichen in etwa der gleichen Höhe beschlagnahmen. Ob sich durch weitere Ermittlungen nun auch die Schadenssumme erhöht hat, wollte Staatsanwalt Jan Steils nicht bestätigen.

Welche neuen Erkenntnisse im Zuge der ausgeweiteten Ermittlungen die Behörden gewonnen haben, wollte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach aus ermittlungstaktischen Gründen nicht offenlegen. Nur soviel: „Das Gericht hat vor Eröffnung des Hauptverfahrens angeregt, dass weitere Zeugen vernommen werden“, berichtete Jan Steils. „Parallel hat die Generalzolldirektion eine Geldwäsche-Verdachtsanzeige übermittelt.“ Die Ermittlungen dauern an.

Weihbischof Johannes Bündgens erklärte bei einer Visitation in St. Lambertus, die verdächtigen Kontenbewegungen hätten „klein angefangen und sich dann ausgeweitet“. Nach seinen Angaben waren auch die Grabeskirche in Schaufenberg und Kindergartengeld von dem Fall tangiert. Das Bistum Aachen hat Lehren aus dem Fall gezogen und zum 1. Januar 2019 eine neue Pfarrkassenverwaltung für alle Pfarrgemeinden eingeführt, eine Treuhand-Kassenordnung. Und das Generalvikariat hat der GdG Hückelhoven laut Weihbischof Bündgens die Zusage gegeben, „dass durch das Wirken des Pfarrers langfristig kein Schaden entsteht“.