Hilden: Christian Lindner besucht bergische Mittelständler

Hilden : Christian Lindner besucht bergische Mittelständler

Mit dem FDP-Chef als Gastredner ging im Gewerbepark Süd das erste Hildener "Mittelstandsevent" über die Bühne.

Es gibt wohl unangenehmere Termine für einen Politiker: Unter dem warmen Applaus der rund 150 Gäste aus der bergischen Unternehmerschaft betrat Christian Lindner das Podium. Viel Kritik hatte der FDP-Chef offensichtlich nicht zu befürchten. Und für den freundlichen Empfang revanchierte er sich auch gleich zu Beginn seines Vortrages mit einer scherzhaften Schmeichelei für die Gastgeber: "Wäre ich Bundesfinanzminister geworden, hätte ich ja den heutigen Termin absagen müssen - und das wollte ich nicht", sagte Lindner in Anspielung auf die gescheiterten Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU, FDP und Grünen.

In den Hildener Gewerbepark Süd gekommen war der Gast am Donnerstagabend auf Einladung der in Wuppertal und Krefeld ansässigen Werbeagentur Lohmann, der Steuerberatungsgesellschaft Kaib, Galldiks und Partner sowie der Volksbank im Bergischen Land. Mit ihrem initiierten "Mittelstandsevent" wollten die drei Partner Unternehmer der Region zusammenführen. "Wir hoffen, dass die Gäste ihre Meinungen austauschen und Netzwerke bilden", erklärte Roger Ullrich, Kreativdirektor bei Lohmann and friends. Und beim kulinarischen Drei-Gang-Menü entwickelten sich an den Stehtischen rasch angeregte Gespräche.

Wenig später verfolgten die Mittelständler Lindners Vortrag zum Thema "Erneuerung der Mitte - Deutschland im Wandel": Der vollziehe sich zum Beispiel durch die Alterung der Gesellschaft, die Digitalisierung und die Abschottungstendenzen in vielen Staaten. Lindner sprach sich einmal mehr für Steuersenkungen aus, forderte die Abschaffung des Solidaritätszuschlages, einen Freibetrag bei der Grunderwerbssteuer und die Überwindung des "Bildungsförderalismus". Auch klassische Kernbegriffe der Liberalen wie "Eigenverantwortung" und "Flexibilisierung" durften in seinem Vortrag nicht fehlen. Die Hängepartie bei die Bildung einer Bundesregierung kommentierte der FDP-Vorsitzende mit demonstrativer Gelassenheit: "Nur weil einige Monate keine neuen Verordnungen kommen, bricht der Staat nicht zusammen." Kein gutes Haar ließ er zudem an den Sondierungsgesprächen im Herbst: "Jamaika ist zum Sehnsuchtsort verklärt worden." Anstatt ständig nach Kompromissen zu suchen, sollten die Parteien wieder stärker ihre Unterschiede hervorheben, um die Ränder des Parteienspektrums nicht weiter zu stärken, betonte Lindner.

"Es wird gut angenommen", zeigte sich Roger Ullrich zufrieden mit der Resonanz auf die Premiere für das "Mittelstandsevent". Das soll von nun an zu einer festen Institution werden.

(ried)
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