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Grevenbroich: Streit um City-Mieten

Grevenbroich : Streit um City-Mieten

Eugen Quindt hat die Filiale seiner Bäckerei in der Innenstadt aufgegeben. Als Grund nennt er zu hohe Mieten. Bei der Wirtschaftsförderung sieht man die Lage entspannt. Dort lobt man die positive Entwicklung der Innenstadt.

Die weißen Plakate an der ehemaligen Filiale von "Mr. Baker" verheißen nichts Gutes. Wo man bis vor kurzem noch Laugenstangen und belegte Brötchen kaufen konnte, herrscht gähnende Leere. Eugen Quindt, Filialleiter von "Mr. Baker", hat das Ladenlokal gegenüber der Coens-Galerie aufgegeben.

Jetzt betreibt er nur noch eine Bäckerei in Wevelinghoven. Nach Grevenbroich zieht ihn erst einmal nichts zurück. "Unser Mietvertrag lief zum 31. Juli aus. Danach wollte der Vermieter nochmals die Miete erhöhen. Das wurde uns endgültig zu teuer", sagt Quindt.

Er hält die Mieten in der Innenstadt für überteuert. Doch ist "Mr. Baker" ein Einzelfall? Oder sind die Mieten in der City wirklich überzogen? Klar ist: In der Fußgängerzone stehen Ladenlokale häufig über einen langen Zeitraum leer. Ein Beispiel: die ehemalige Gaststätte "Flönz". Sie stand nach ihrer Schließung jahrelang leer, bis sich ein neuer Interessent für das Objekt gefunden hat. Auch an der Breite Straße blickt man neben der Konditorei "Kames" seit einigen Jahren auf eine leere Fassade.

Carina Lucas von der Wirtschaftsförderung der Stadt Grevenbroich sieht dennoch eine positive Entwicklung in der Innenstadt. "Wir haben in der Innenstadt eine Leerstandsquote von nahezu null. Leider gibt es Einzelfälle, in denen wir auch über einen langen Zeitraum keine Nachmieter finden.

Doch wir versuchen, die Eigentümer zu unterstützen", sagt Lucas. Ein Problem mit zu hohen Mieten kann sie nicht bestätigen. "Wir empfehlen den Mietspiegel der Industrie- und Handelskammer (IHK). Welche Mieten nachher von den Eigentümern verlangt werden, können wir nicht beeinflussen."

Der Mietspiegel erscheint jedes Jahr und wird von der IHK nach mehren Ansätzen erstellt. Wichtig sei zudem die Unterscheidung von 1A- und 1B-Lage. Die wird allerdings von den Maklern nach eigenen Grundsätzen eingeschätzt. "Es gibt kein Gesetz, das die Verteilung der Lagen regelt. Wir messen die Verteilung an der Zahl der Personen, die pro Tag die Straße frequentieren", erklärt Andree Haack von der IHK Niederrhein.

Die Kölner Straße wäre demnach 1A- und die Breite Straße 1B-Lage. Für Ladenlokale an der Kölner Straße würde somit ein Quadratmeterpreis zwischen 20 und 35 Euro gelten.

Eugen Quindt findet diese Preise viel zu hoch. Er spricht sogar von Mietwucher "Die Stadt erlebt eine negative Entwicklung. Die Kaufkraft hat deutlich nachgelassen. Leider passen die Eigentümer ihre Mieten nicht an. Man kann in einer Stadt mit 65 000 Einwohnern nicht den selben Mietpreis verlangen, wie in Köln oder Mönchengladbach", meint Quindt. Er will seine Kundschaft nun nach nach Wevelinghoven locken. Die Filiale in Grevenbroich ist für ihn Geschichte.

(NGZ)