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Grevenbroich: Innenminister beim Sicherheitstraining

Grevenbroich : Innenminister beim Sicherheitstraining

Landesinnenminister Ralf Jäger rät Motorradfahrern zum Sicherheitstrainung – und übte am Freitag selbst im ADAC-Fahrsicherheitszentrum. Die Zahl der verunglückten Biker ist enorm gestiegen – auch in Grevenbroich.

Landesinnenminister Ralf Jäger rät Motorradfahrern zum Sicherheitstrainung — und übte am Freitag selbst im ADAC-Fahrsicherheitszentrum. Die Zahl der verunglückten Biker ist enorm gestiegen — auch in Grevenbroich.

Nicht im Anzug mit Krawatte erschien Ralf Jäger, der Landesinnenminister hatte einen schwarzen Motorraddress mit Stiefeln angezogen, schwang sich im ADAC-Fahrsicherheitszentrum auf eine BMW R 1200 R mit über 100 PS. "Ich empfehle Motorradfahrern, ein Sicherheitstraining zu absolvieren", sagte er, bevor er den Helm aufsetzte.

Alarmierende Unfallzahlen mit Bikes sind der Anlass für diesen Rat: Im ersten Halbjahr 2011 starben in NRW 51 Motorradfahrer, 17 mehr als im Vorjahreszeitraum. "Im Juli verloren weitere 18 Motoradfahrer das Leben. Damit liegt die Zahl der Toten schon jetzt höher als im gesamten Jahr 2010."

Erschreckende Zahlen, und Jäger beließ es nicht beim Appell: Der Minister trainierte selbst eine Stunde auf dem ADAC-Parcours in Grevenbroich, übte Bremsen und Kurvenfahren. Seit 32 Jahren fährt der 50-Jährige Motorrad. "Ich habe aber dafür wenig Zeit, fahre mal sonntags eine Stunde mit meiner rund 30 Jahre alten Motoguzzi California. Ich hätte sie gern mitgebracht, aber sie ist gerade in Reparatur", erzählte Jäger.

Der Minister weiß also aus eigener Erfahrung, wenn er von den Gefahren des Zweiradfahrers spricht. "Insbesondere bei Neu- und Wiedereinsteigern zwischen 40 und 55 Jahrren stellt die Polizei fest, dass sie häufig ihre Fähigkeiten auf dem Motorrad überschätzen. Und die Leistungsfähigkeit der Maschine wird oft unterschätzt."

Ralf Berlin — Chef-Motorradtrainer im Fahrsicherheitszentrum — nannte am Pistenrand zwei häufige Fehler: "Viele Biker blicken nicht weit genug nach vorn. In Kurven sollten sie auf jeden Fall den Blick auf den Kurvenausgang richten, um unvorhergesehene Situationen rechtzeitig zu erkennen." Und auf Maschinen mit Antiblockier-System (ABS) würden viele die Technik "nicht optimal" nutzen, nicht stark genug bremsen. Ein weiterer Rat des Experten: umsichtig fahren und den Blickwinkel des Autofahrers einkalkulieren. "Ein Motorrad hat eine schmale Silhouette, da kann eine Säule am Wagen den Biker verdecken", so Berlin.

4500 bis 6000 Biker nehmen im Jahr an den ADAC-Trainings bei Gustorf teil. Rund 125 bis 135 Euro kostet ein Kursus. "Wenn sich ein Fahrfehler erst einmal eingeschliffen hat, dann ist jemand anderes nötig, der einen darauf aufmerksam macht", nannte der Innenminister einen Vorteil. Doch er betont zugleich, dass die Polizei gegen Motorrad-Rowdys und Raser vorgeht. "Wir setzen in NRW 25 Motorräder mit Videogeräten ein."

Den traurigen Trend bei den Unfallzahlen in NRW bestätigt Polizeisprecher Hans-Willi Arnold für Grevenbroicher Straßen. Die Zahl der bei Unfällen beteiligten Biker hat sich im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 16 verdoppelt. Ein Toter, sechs Schwer- und fünf Leichtverletzte sind zu beklagen — in den ersten sechs Monaten 2010 waren es fünf Verletzte.

Hier geht's zum Spot "Komm gut an! Sieger rasen nicht!" des Innenministeriums.

(NGZ)