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Grevenbroich: Ärzte-Zentrum im Finanzamt

Grevenbroich : Ärzte-Zentrum im Finanzamt

Aus dem ehemaligen Finanzamt an der Bahnstraße soll ein medizinisches Versorgungszentrum werden. Schwerpunkt: die Behandlung von Suchterkrankungen. Die Pläne werden jetzt der Politik vorgestellt.

Die Gerüchte halten sich hartnäckig. Ihnen zufolge soll Dr. Joachim Treppmann interessiert sein, eine Arztpraxis für Methadon-Patienten im ehemaligen Finanzamtsgebäude an der Bahnstraße zu eröffnen. "Fakt ist: Ich werde das Gebäude nicht kaufen", sagt der Mediziner auf Nachfrage.

Denkbar sei allerdings, dass es von einer Gesellschaft aufgekauft werde, der auch Treppmann angehöre. Er bestätigte, dass es Pläne für ein medizinisches Versorgungszentrum gebe. Schwerpunkt: die Behandlung von Suchterkrankungen. Dazu zählen auch Methadon-Patienten. "Meine Praxis in der Südstadt bleibt in jedem Fall erhalten", sagt Treppmann.

Dort behandelt der Arzt seine Methadon-Patienten bislang. Die zusätzlichen Praxisräume in Bahnhofsnähe sollen jedoch eine weitreichendere medizinische Betreuung ermöglichen. "Geplant ist ein ganzheitliches therapeutisches Angebot mit dem Fokus auf Suchterkrankungen", erklärt der Mediziner. Dazu sollen psycho-therapeutische Maßnahmen ebenso zählen wie zahnärztliche Behandlung.

"Unterschrieben ist noch nichts"

Bevor es zu einer Entscheidung kommt, ob sich ein solches medizinisches Fachzentrum im ehemaligen Finanzamt ansiedelt, soll es jedoch noch ausführliche Gespräche mit der Stadt geben. Mit einer Entscheidung rechnet Treppmann bis spätestens Ende des Jahres. Verträge mit dem für das Gebäude zuständigen Bau- und Liegenschaftsbetrieb Nordrhein-Westfalen sind jedoch schon so gut wie fertig. "Unterschrieben ist aber noch nichts", bekräftigt Joachim Treppmann.

Das Vorhaben wird in der nächsten Woche dem "Arbeitskreis Innenstadt" vorgestellt, der sich unter anderem für eine attraktivere Bahnstraße einsetzt. In den nächsten Jahren sollen dort — mit Unterstützung des Landes — Häuser saniert und gastronomische Angebote geschaffen werden; der Straßenzug soll unter dem Strich ein neues Image bekommen. "Vor diesem Hintergrund betrachten einige Politiker das Projekt bereits jetzt sehr kritisch", erklärte Bürgermeisterin Ursula Kwasny: "Es wird sehr kontrovers diskutiert." Sie sei gespannt, wie sich die Diskussion im Arbeitskreis entwickeln werde.

Karin Hamacher, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, betont die Notwendigkeit solcher Angebote für Suchtpatienten, wie sie von Joachim Treppmann und seinen Partnern geplant werden. "Wir sind froh, wenn sich Ärzte der Therapie von Methadon-Patienten annehmen", sagt sie. Hamacher weiß jedoch, dass dies im Umfeld der Praxen oft auf Widerstand stößt — auch von Anwohnern.

(NGZ)