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Grevenbroich: Bald Knöllchen per Handy?

Grevenbroich : Bald Knöllchen per Handy?

Das Ordnungsamt verfolgt eine Neuerung in Aachen: Dort wurden alle Politessen mit iPhones ausgestattet. Ordnungswidrigkeiten sollen so schneller und einfacher bearbeitet werden. Auch die Stadt könnte Geld sparen.

Rita Blum vom Ordnungsamt der Stadt schaut derzeit mit großem Interesse nach Aachen. Dort wurden sämtliche Politessen mit einem iPhone ausgestattet. Damit schreiben die Aachener Ordnungskräfte Knöllchen, machen Fotos von im Halteverbot geparkten Autos und nutzen das Smartphone als Diensthandy. "Drei in eins", nennt Detlev Fröhlke, Leiter des Aachener Ordnungsamtes, die neue Errungenschaft.

Durch Einsparungen bei der Abwicklung der Knöllchen spare die Stadt Aachen zudem rund 80 000 Euro. Das könnte auch ein Modell für das klamme Grevenbroich sein. "Man muss aber abwarten, wie die Umstellung in der Praxis funktioniert", sagt Rita Blum. "Wir werden Kontakt zu unseren Kollegen in Aachen aufnehmen."

Grevenbroich ist nicht die einzige Stadt, in der die Umstellung auf iPhones für die Knöllchenjagd aufmerksam verfolgt wird. Die Stadt Düsseldorf prüft bereits die technische Realisierbarkeit. Auch in Köln und Mönchengladbach befassen sich die Ordnungsämter mit dem Beispiel aus Aachen. "Wir müssen detaillierte Informationen erhalten, wie das Verfahren technisch abgewickelt wird", sagt Rita Blum.

Eine Software — eine sogenannte App — erlaubt es den Politessen in Aachen, falsch geparkte Fahrzeuge zu fotografieren und die Daten mit mehr als 100 Ordnungswidrigkeiten zu verknüpfen. Per mobilem Internet werden die Informationen an den Innendienst gesendet. Dort wird das Knöllchen bereits am folgenden Tag bearbeitet.

Für die Politessen bietet die Neuerung einen angenehmen Nebeneffekt: Das iPhone ist mit rund 150 Gramm deutlich leichter als die bisher verwendeten Mobilen Datenerfassungsgeräte (MDE). Allerdings werden in Grevenbroich sehr moderne MDEs genutzt, die erst vor etwas mehr als zwei Jahren angeschafft wurden.

Diese können das Knöllchen direkt ausdrucken. Der Pkw-Fahrer erhält folglich noch am selben Tag eine Nachricht über ein festgestelltes Vergehen — inklusive Zahlungsaufforderung. Der Verwarngeldbogen wird nach etwa zehn Tagen zugestellt. In Aachen soll es dank des neuen Verfahrens nur noch vier Tage dauern.

Laut Detlev Fröhlke sollen die Knöllchen per iPhone nur der Anfang sein. Die Ordnungskräfte sollen in Zukunft auch Vandalismusschäden, wilden Müll oder gar Wildpinkler per Handy melden. Vor allem Letzteres hält Rita Blum für bedenklich. Man müsse rechtlich prüfen, ob es überhaupt erlaubt sei, in diesem Zusammenhang Fotos zu machen. "Außerdem: Einen Wildpinkler können die Ordnungskräfte ansprechen und direkt die Personalien aufnehmen", sagt Blum. "Warum sollen dann auch noch Fotos davon gemacht werden?"

(NGZ)