Grevenbroich: Karagözmeister Ali Köken feiert 25-jähriges Jubiläum.

Theater in Grevenbroich : Ein Karagöz-Meister feiert Jubiläum

Seit 25 Jahren bringt Ali Köken türkisches Schattenspiel auf Bühnen in Deutschland und der umliegenden Länder. Seine Vorführungen sind lustig und kritisch zugleich, adressiert an Jung und Alt und immer vielbesucht.

Was in Deutschland der Kasperle ist, ist in der Türkei die Figur des Karagöz. Statt mit Handpuppen wird das Theaterstück allerdings als Schattenspiel präsentiert. In Frimmersdorf wohnt einer der wenigen zertifizierten „Karagöz-Meister“. Ali Köken hat seine Meisterprüfung damals in Bursa (Türkei) abgelegt. Jetzt feiert er sein 25-jähriges Bühnenjubiläum.

Das Karagöz-Theater ist für Erwachsene und Kinder ausgelegt. Die Protagonisten sind der namensgebende Karagöz, ein bauernschlauer Mann des Volkes, und sein gebildeter Nachbar Hacivat. Gemeinsam erleben sie Geschichten mit verschiedenen Vertretern der Gesellschaft. Die Theaterstücke sind zwar humorvoll, üben aber gleichzeitig Kritik an Gesellschaft und Politik.

Die Begeisterung für das besondere Schauspiel hat Ali Köken in seiner Jugend gepackt. Damals half er einem türkischen Karagöz-Meister bei den Vorstellungen. Über ein Jahrzehnt später und mittlerweile nach Deutschland ausgereist, begann er selbst zu spielen. Er schrieb sein erstes Stück, baute eine Bühne, schnitt Figuren aus Kunststoff aus und bemalte diese. Sein Debüt war ein großer Erfolg und eine immense Motivation sei in ihm entflammt, erzählt Köken heute. Mittlerweile ist der Karagöz-Meister international für Auftritte unterwegs, hat mehr als 70 Figuren angefertigt und etwa 35 Theaterstücke auf deutsch und türkisch geschrieben.

Ali Köken spielt die Protagonisten Karagöz und Hacivat mit langen Stöcken, die an den Leder-Figuren befestigt sind. Durch den starken Lichteinfall erscheinen die bunten Figuren für das Publikum hinter der Leinwand. Foto: Georg Salzburg(salz)

„Ich denke immer an die Kunst. Sie muss eine Botschaft transportieren“, sagt Köken. „Ich möchte, dass die Zuschauer zufrieden und glücklich sind.“ Vor allem die lachenden Kinder seien für ihn „eine große Bereicherung“. In seinen Stücken hat Köken einen eigenen Stil – anders als türkische Karagöz-Meister. „Ich sehe mich als deutscher Künstler“, sagt der Frimmersdorfer. Vor 31 Jahren ist der heute 52-Jährige nach Deutschland gekommen und eignete sich auch dort das Karagöz-Theaterspiel an. Seine Stücke passten sich an die neue Umgebung an, auch wenn er meist auf türkisch schreibt. In den Geschichten thematisiert Köken oft die Probleme von Türken in Zentraleuropa: Integration, Sprache, Arbeit und Bildung.

In den deutschen Stücken vermittelt der Karagöz-Meister die türkische Kultur. Dabei erleben die zwei türkischen Protagonisten an typisch deutschen Orten Geschichten mit der hiesigen Bevölkerung. Durch die speziellen Szenarien, schafft Köken Figuren, die sonst nie Einzug in das Karagöz-Theater fänden: zum Beispiel eine dicke Ballerina, einen Pianisten samt Klavier oder einen stereotypischen, deutschen Bauer.

Die 46 Zentimeter großen Figuren baut der Meister selbst. Sie bestehen aus Lamm-, Kuh- oder Kamelleder. Angemalt sind sie mit Pflanzenfarben – ebenfalls von Köken selbst hergestellt. Bis eine Figur fertig ist, dauert es 15 Tage. Und über zwei weitere Wochen dauert es, bis der Meister den Auftritt der Figur einstudiert und perfektioniert hat. Denn das Spielen und Sprechen obliegt fast ausschließlich dem Karagöz-Meister. „Jede Figur hat eine charakteristische Stimme“, sagt Köken. Hilfe hat er dennoch hinter der Bühne – dann, wenn drei und mehr Personen gleichzeitig auftreten. Unterstützung bekommt Köken von seinem Sohn Erhan, den er in der besonderen Kunst ausbildete.

Mit Blick auf seine 25-jährige Karriere als Karagöz-Meister erklärt Ali Köken: „Ich hab viele verschiedene Figuren gespielt und Themen angesprochen. Dabei wollte ich immer etwas anderes haben und etwas anderes sein als der Rest.“ Und deshalb wagt er sich an besondere Themen, spezielle Figuren und ist immer offen für neue Ideen.