Grevenbroich: Traditions-Betrieb schließt seine Türen.

Metzgerei Esser in Grevenbroich : Traditions-Betrieb schließt seine Türen

An der Rheydter Straße geht am Silvestertag eine Ära zu Ende: Fleischermeister Franz-Josef Esser gibt seinen Betrieb auf und verabschiedet langjährige Mitarbeiterin.

Die Metzgerei Esser – eine Institution in Grevenbroich – wird für immer ihre Tore schließen. Kurz vor der Geschäftsaufgabe verabschiedete Chef Franz-Josef Esser eine verdiente Mitarbeiterin: Verkäuferin Maria Flören ging in den Ruhestand – nach 50 Jahren Betriebszugehörigkeit. Für eine solch lange Zeit gab es obendrein noch eine Auszeichnung von der Handwerkskammer (HWK) Düsseldorf.

Im Alter von 14 Jahren trat Maria Flören als „Lehrmädchen“ in den 1953 gegründeten Betrieb ein – das war am 1. Januar 1970. Damals wurden neben Fleischwaren auch „Lebensmittel des täglichen Bedarfs“ bei den Essers verkauft. Übrigens nicht nur im Laden. Insbesondere freitags und samstags wurde der Wochenendeinkauf auch an Kunden in der näheren und weiteren Umgebung ausgeliefert. Mit dem Auto – „oder mit dem Fahrrad“, wie sich Flören erinnert. Ihr habe der Job stets Spaß bereitet. „Ich bin die ganzen 50 Jahre gerne zu Arbeit gegangen“, resümiert die Jubilarin.

Und Chef Franz-Josef Esser ist begeistert von der Mitarbeiterin, die noch von seinen Eltern eingestellt wurde: „Ehrlichkeit, Treue, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit – eine solche Angestellte kann man sich nur wünschen“, sagt der Fleischermeister. Und 50 Jahre Betriebszugehörigkeit seien alles andere als üblich, weiß Karl-Heinz Reidenbach: „Das gibt es nur im Handwerk“, sagt der Vizepräsident der HWK Düsseldorf. „Hier hält man zusammen und entlässt nicht gleich, wenn die Zeiten mal schlechter sind.“

Die Metzgerei Esser ist seit 65 Jahren an der Rheydter Straße beheimatet, seit fünfeinhalb Jahrzehnten im Haus mit der Nummer 34. Die Schließung des Traditions-Betriebs begründet Franz-Josef Esser zum einen mit Altersgründen, andererseits mit einem Problem, das viele seiner Kollegen teilen. „Ich habe niemanden für die Übernahme unserer Metzgerei gefunden.“ Mit Unterstützung der Handwerkskammer Düsseldorf habe er zwar zweieinhalb Jahre lang versucht, einen Nachfolger zu finden – doch: „Vergebens“, sagt der Fleischermeister, der sein Handwerk bei seinem Vater lieben gelernt hatte. Der hieß ebenfalls Franz-Josef, war früher noch als Hausschlachter unterwegs – und der Filius durfte immer mit, wenn es zu den Bauernhöfen in der Umgebung ging.

Dass immer mehr Metzgereien schließen, bedauert auch Karl-Heinz Reidenbach. „Die Großen machen alles kaputt“, sagt der Vizepräsident mit Blick auf Billigware in den Discountern. Doch ein wenig Hoffnung gebe es: „Viele Leute kehren wieder zurück zur Qualität. Sie essen weniger Fleisch, dafür aber das vom Metzger. Es wäre schön, wenn sich dieser Trend weiter ausbreiten würde.“

Die Schließung des Betriebs falle ihm sehr schwer, gibt Franz-Josef Esser zu. Aber er weiß das Haus in guten Händen: Die Stadtentwicklungs-Gesellschaft hat die Immobilie erworben, als eine von mehreren Schlüsselobjekten, die für eine innerstädtische Entwicklung von Bedeutung sind. Übergangsweise soll sie zunächst zum Wohnen genutzt werden. Franz-Josef Esser will sich künftig mehr seinen Hobbys widmen und endlich mal die Heimspiele von Borussia Dortmund besuchen – und einen ehrenamtlichen Einsatz für karitative und soziale Projekte kann er sich für seinen nun beginnenden Ruhestand ebenfalls vorstellen.