Grevenbroich: Gedenkfeier auf jüdischem Friedhof

Rund 200 Menschen nahmen teil : Gedenkfeier auf jüdischem Friedhof

Zum Gedenken an die Pogromnacht vor 81 Jahren hatten Schüler der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule am Samstag für ein Programm gesorgt, das unter die Haut ging. Rund 200 Menschen trafen sich am Synagogenplatz. Von dort ging es gemeinsam zum jüdischen Friedhof.

Vor dessen Mauern wurden rund 150 Lichter abgelegt, der Instrumentalistenkreis unter der Leitung von Michael Frank eröffnete die Veranstaltung. Frank und Peter Swetlik sollten wenig später den Liedermacher Klaus Grolms mit ihren Instrumenten begleiten, als der seine berührende Eigenkomposition „Die Geschichte von Hannah“ sang. Konfirmanden der Evangelischen Kirchengemeinde trugen ein ebenso ergreifendes Gebet vor.

Zuvor demonstrierten Schüler des Jahrgangs 10 Auszüge aus Max Frischs „Andorra“. Als Saubermänner in weißen Overalls diskreditierten sie Fremde vor der Mauer des Friedhofs, auf dem von 1827 bis 1940 jüdische Bürger bestattet worden waren. Eigens aus England angereist waren Nachfahren der Familie Katz, die bis zum Dritten Reich in Grevenbroich gelebt hatte. Die Schüler trugen vor, was der Familie des Viehhändlers von der Orkener Straße widerfahren war – wie der nächtliche anonyme Anruf: „Jude, du, verrecke!“

Gegenüber unserer Redaktion erklärte die Schülerin Alice Bingeser: „Wir machen das hier, damit so etwas nicht noch einmal geschieht.“ Julius Herling gefiel besonders, dass Nachfahren die Kraft gefunden hatten, nach Grevenbroich zu kommen. Projektleiter Thomas Jentjens konnte mit seinen Schüler zufrieden sein. Das war auch Wilfried Johnen aus Düsseldorf, der ehemalige Geschäftsführer des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen – er ist der Käthe-Kollwitz-Schule seit vielen Jahren eng verbunden. Der Ausgang der Landtagswahlen in Thüringen und die Ereignisse in Halle beunruhigen ihn sehr. Umso wichtiger seien Veranstaltungen wie diese.

Das Interesse am Schicksal der Juden hält an: Für die Fahrt nach Auschwitz im kommenden Jahr sind bei der Käthe-Kollwitz-Schule mittlerweile rund 170 Anmeldungen eingegangen. Die Schüler wollen die Gedenkstätte besuchen, wo unter anderem Alexander und Elfriede Katz aus Grevenbroich ermordet worden sind.

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