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Uedemer Landwirt bietet Patenschaften für Wiesen an

Bienenweide : Uedemer verpachtet Bienenweiden

Jochen Kanders bietet Patenschaften für landwirtschaftliche Flächen an. Damit möchte er den Insektenbestand vergrößern – und nebenbei dem schlechten Ruf der Landwirte entgegenwirken.

Im Herbst des Jahres 2017 bestimmte das Thema Insektensterben viele Schlagzeilen – und zwar nicht nur in Fachmagazinen. Zuvor hatte das Bundesamt für Naturschutz seinen Agrarreport veröffentlicht und seither erfreuen sich Bienen, Schmetterlinge und Libellen wieder größerer Aufmerksamkeit. Vielerorts gibt es unterschiedliche Bemühungen, die Populationen der heimischen Insekten zu vergrößern, auch Kommunen berücksichtigen bei der Städteplanung beispielsweise die Anlage von Wildblumenbereichen. Da es in Zeiten der Klimaschutzdebatten aber nicht zu viel Engagement für die Natur im Allgemeinen und für den Insektenbestand im Besonderen geben kann, hat ein Uedemer Landwirt ein Projekt ins Leben gerufen, von dem er hofft, dass es viele Nachahmer findet.

Jochen Kanders ist staatlich geprüfter Landwirt, 41 Jahre alt und hat vor einigen Jahren den elterlichen Betrieb in Uedem übernommen. Damals hielten sie noch Schweine, inzwischen ist der Hof aber „viehlos“, wie Kanders sagt. Heute stehen der Betrieb einer Biogasanlage, Photovoltaik, Ackerbau und der Vertrieb von Kaminholz im Fokus. Und seit Anfang dieses Jahres auch Kanders’ neueste Idee: Patenschaften für Bienenweiden.

Schon vor vier Jahren kam der Uedemer rein zufällig in Kontakt mit Saatgut für Bienenweiden und war wenig später fasziniert davon, „was auf diesen Flächen abgeht“. Doch erst als in Bayern ein Volksbegehren zum Schutz der Bienen gestartet wurde und ein Landwirt aus Süddeutschland im Internet für Furore sorgte, machte es Klick. „Ich habe bei Ebay-Kleinanzeigen Patenschaften für Bienenweiden angeboten“, sagt Kanders. 50 Euro für 100 Quadratmeter, Grundlaufzeit zwei Jahre. Dort, wo auf den kanderschen Flächen bislang Weizen, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln angebaut wurden, wird nach Übernahme einer Patenschaft auf Düngen und Pflanzenschutzmittel verzichtet und die Bienenweidensaat eingebracht. Denn: „Wir Landwirte müssen etwas tun“, sagt Kanders und weist auf den schlechten Ruf seines Berufsstandes hin. Beim Gespräch darüber wird er dann sogar noch deutlicher, spricht von generalisierenden Verunglimpfungen als „Brunnenvergifter“ und „Tierquäler“, die mit ihren Monokulturen „alles kaputt“ machten. Daher sei es an der Zeit, andere Signale zu setzen. Und Kanders wünscht sich, dass es ihm möglichst viele seiner Berufskollegen nachmachen.

Seit der ersten Ebay-Kleinanzeige Anfang Februar habe er zwar „viel Feedback erhalten“, doch bislang sei dabei leider „wenig Konkretes bei rumgekommen“. Die Idee fänden alle grundsätzlich gut, doch wenn es dann tatsächlich darum gehe, Geld dafür auszugeben, gebe es noch eine spürbare Hemmschwelle. Daher rührt Kanders nach wie vor die Werbetrommel, in den sozialen Netzwerken und auch bei jeder anderen Gelegenheit. Zuletzt gab es dabei auch wieder einen Erfolg zu verzeichnen. Eine Emmericher Pfadfindergruppe hatte einen Spendenlauf initiiert, dessen Erlös den Blumenweiden-Patenschaften zugute kommen soll. Am Ende sammelte der „Elefantentrupp“ Geld für 2000 Quadratmeter. „Damit haben wir jetzt insgesamt etwa 7200 Quadratmeter Fläche für dieses Jahr zusammen, insgesamt sind es 41 Paten“, berichtet Kanders. „Unser Ziel war, dieselbe Fläche durch Paten zusammen zu bekommen, die wir auch selbst jedes Jahr als Bienenweide anlegen“, so Kanders weiter. Also 10.000 bis 12.000 Quadratmeter. Weil er bis Mitte Mai der EU mitgeteilt haben muss, wie er seine Flächen nutzt, haben potenzielle Paten nun noch bis Ende dieses Monats Zeit, sich bei Kanders zu melden. „Dann ist Schluss für dieses Jahr“, sagt Kanders. Weiter geht der Einsatz für Bienen dann 2020.