Gocher Schülerin schnuppert in Männer-Arbeitswelt hinein.

Girls’ Day : Jette Bömler testet echten Männerjob

Vor einiger Zeit durfte die Gocher Gymnasiastin (14) auf dem Betriebsgelände des Tiefbauunternehmens Siebers mal Bagger fahren. Das fand sie so toll, dass sie jetzt einen Praktikumstag auf einer Baustelle absolvierte.

Der „Girls’ Day“ ist ein bundesweiter Berufsorientierungstag für Mädchen. Auch Jungs dürfen inzwischen an diesem Tag der Schule fernbleiben und in einen Beruf hinein schnuppern, der sie anspricht. Wahrgenommen wird das Angebot unterschiedlich stark – aus Jettes Klasse haben sich nur wenige Jugendliche einen Platz für das eintägige Praktikum gesucht. Die Neuntklässlerin des städtischen Gymnasiums Goch wollte aber unbedingt mal in die Arbeitswelt hinein blicken. Und am liebsten in einer Branche, an die nicht jedes Mädchen denkt.

„Frauen auf dem Bau sieht man ja kaum. Ich wollte mal gucken, ob ich solche Arbeit stemmen kann oder ob das gar nicht geht“, erklärte sie beim Besuch der Rheinischen Post. An großen Baustellen hat’s derzeit in Goch keinen Mangel, und die Firma Siebers ist mit großen Maschinen und viel Man-Power fast überall dabei. Zum Beispiel an der Pfalzdorfer Straße, Ecke Ostring, wo derzeit der (vorläufig halbe) Kreisverkehr angelegt wird, an dem künftig Aldi liegen wird. Ein Stück weiter rein ins Baugebiet Richtung Bahn entstehen Straßen und ein weiterer (ganzer) Kreisverkehr. Reichlich Betätigungsmöglichkeiten also für Straßenbauer.

Jette Bömler am Presslufthammer. Foto: Evers, Gottfried (eve)

„Ich hab’ morgens um sieben Uhr angefangen und erst einmal Sicherheitsschuhe und so eine gelbe Leuchtjacke bekommen“, erzählt die Gymnasiastin. Chef Nicky Siebers ergänzt, Sicherheit sei ganz grundlegend, die Praktikantin – und jeder andere Mitarbeiter auch – dürfe natürlich nicht in den Schwenkbereich des Bagger geraten.

Dann ging es aber auch schon mitten rein ins Getümmel – Schüppe in die Hand und einen Graben zuschaufeln. „Ich durfte aber auch an die Rüttelplatte und ein bisschen mit dem Kettenbagger fahren“, sagt Jette stolz. Unter strenger Aufsicht, versteht sich.

Innerhalb kürzester Zeit hat Jette gelernt, dass es verschiedenfarbige Leitungen für Strom, Gas und Wasser gibt und dass auch Telekom-Kabel tief im Boden vergraben werden. Dass Gräben danach wieder verfüllt und schließlich verdichtet werden müssen. Ganz schön viel Handarbeit ist dabei angesagt. „Im Straßenbau passiert das Wenigste mit großen Maschinen“, betont Siebers. Deshalb sei schon verständlich, dass sich eher selten Mädchen für einen solchen Beruf bewerben. „Aber möglich ist das schon, wir dürfen das auch nicht ausschließen!“

Bauleiter Kai Verhülsdonk erinnert sich, dass zu Zeiten seiner eigenen Ausbildung einer von rund 150 Azubis weiblich war. Und stark geändert habe sich die Zurückhaltung der Damen bis heute nicht.

Tatsächlich hat auch Jette ihr erstes zweitägiges Praktikum als Achtklässlerin in Schule und Kindergarten verbracht. Das „Soziale“ liegt der Familie offenbar im Blut. Aber wenn auch Lehrerin eine Option ist - „man sollte schon wissen, was es sonst noch so gibt“, findet die Gocherin. Nicky Siebert wäre froh, wenn mehr junge Menschen sich für seine Ausbildungsstellen und Jobangebote interessieren würden. „Wir möchten gene noch zu diesem August angehende Straßenbauer, Baugeräteführer und Elektrotechniker einstellen.“ Auf dem Bau werde gut gezahlt, die Konjunktur sorge für sichere Arbeitsplätze – für ihn kaum zu verstehen, warum sich junge Leute so schwer für seine Branche erwärmen können. „Wir nehmen auch jederzeit gerne Praktikanten, damit sich die Schüler ein Bild machen können.“

Seine Azubis lernen, wie die verschiedenen Erdschichten abgetragen werden, wie Straßen und Gräben geplant, eingemessen und nivelliert werden, wie eine Straße mit Füllsand, Kies und Schotter aufgebaut und schließlich asphaltiert wird – lauter für die Stadtentwicklung unverzichtbare Tätigkeiten.

Siebers ist gerade (unter anderem) mit dem Gesundheitspark in Emmerich, mit dem früheren Kasernengelände in Goch, mit dem Europaradweg in Kleve und einem Tankstellenbau in Kranenburg befasst. Alles Projekte nahe des Firmensitzes. „Das wissen die Mitarbeiter zu schätzen. Die wenigsten finden es gut, weit weg von zu Hause eingesetzt zu werden“, sagt Nicky Siebers.

Jette hatte jedenfalls Spaß – und kümmert sich in den kommenden Jahren erst mal um ihr Abitur.

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