Fußball: Schwarz-Gelb und Königsblau Tür an Tür

Fußball : Schwarz-Gelb und Königsblau Tür an Tür

Derbyzeit am Gartenzaun: BVB-Fan Harald Gerritzen und S04-Anhänger Dieter Kunstmann sind heiß auf das heutige Ruhrpott-Duell zwischen Dortmund und Schalke. Die beiden Nachbarn sind Freunde, nur im Fußball sind sie Rivalen.

Mit nur wenigen Metern Abstand weht die große Schalke 04-Fahne am Mast neben der etwas kleineren schwarz-gelben Borussen-Fahne. Getrennt sind die beiden nur durch einen Gartenzaun. Die blau-weiße Fahne gehört Dieter Kunstmann, der seit sieben Jahren nun neben Dortmund-Fan Harald Gerritzen wohnt. "Wir sind Freunde — auch wenn Harald dem falschen Klub die Treue hält", sagt Kunstmann, der das Schalker Blut quasi vererbt bekam. "Mein Opa und mein Vater waren beide Schalke-Fans. Mir blieb gar nichts anderes übrig", sagt der 66-Jährige, der vor sieben Jahren von Kevelaer nach Nieukerk gezogen ist. Und auch er hat seinen Sohn bereits mit dem königlichen Fieber infiziert. "Sven ist ein noch größerer Fan als ich und hält mich mit allen Infos immer auf dem Laufenden", sagt der zweifache Vater und fünffache Großvater, der seinen Arbeitsraum mit einem Schal und Fotos von sich und seinem Sohn mit Benedikt Höwedes, Joel Matip und Jefferson Farfan beim Training der Schalker dekoriert hat. Auch ein Autogramm von Olaf Thon hängt am Schrank von Kunstmann, der Mitglied im Schalke-Fanklub "Holländische-Deutsche Freundschaft" in Kerken ist.

Weniger anstecken konnte Kunstmann seinen Nachbarn Harald Gerritzen. Der hält den Schwarz-Gelben die Treue. Dafür hat seine Tochter Jeanette gesorgt. "Als sie bei uns auszog, hat sie die Fahne und die Begeisterung für die Borussen dagelassen", sagt der 61-Jährige, der sich immer dann die Dauerkarte seiner Tochter ausleiht, wenn sie keine Zeit hat, ins Stadion zu gehen. Gerritzen, der bereits seit 22 Jahren in Nieukerk lebt, ist zudem leidenschaftlicher Sportschütze, Motorradfahrer und interessiert sich sehr für Astronomie.

Dass die beiden Nachbarn fußballerisch große Rivalen sind, stört sie aber im Alltag nicht. Jeder akzeptiert die Fahne und Leidenschaft des jeweils anderen, zum Kegeln und Skatspielen gehen sie gemeinsam. Gerritzen schenkte seinem Freund sogar ein Schalke-Vogelhaus zum Geburtstag. Als kleine Stichelei malte er jedoch das BVB-Logo auf ein Spielhaus von Kunstmanns Enkelin, die bereits fleißig zum S04-Fan erzogen wird. Im Sommer grillen die beiden Familien auch gerne zusammen. Aus Nachbarschaft ist eine Freundschaft geworden. Und die beiden Gärten trennt nur eine einfache Holztür, die nie abgeschlossen ist.

Bevor es heute Abend jedoch ernst wird, reden die beiden sich bereits in Rage, wer denn nun das Derby — und letztlich auch die Vizemeisterschaft — für sich entscheiden wird. "Ihr gewinnt zu Hause ja eh nicht", stichelt Kunstmann. Gerritzen lächelt dazu nur müde und erwidert: "Die Krise ist überwunden. Wir schweben wieder auf Wolke sieben. Jetzt geht es erneut bergauf." Zudem hofft der BVB-Anhänger, "dass Lewandowski wieder so ein Tor wie am Wochenende gegen Hannover schießt — das war das Tor des Jahres", schwärmt Gerritzen, dem gar nicht gefällt, dass der Torjäger von den Bayern weggeschnappt wurde. "Das ist auch eine Sauerei", stimmt ihm Kunstmann zu. In puncto Bayern München sind sich die Rentner einig: Den mögen beide nicht. Die einzige Kritik, die Kunstmann an seinen Königsblauen übt, hört Gerritzen gerne: "Ich wünschte, Jens Keller wäre ein wenig mehr wie Jürgen Klopp, auch wenn der es manchmal übertreibt."

Auch wenn die beiden Nachbarn leidenschaftlich gerne über den Fußball debattieren, haben sie noch nie zusammen "die Mutter aller Derbys" gesehen. Auch dieses Mal klappt das nicht. Gerritzen wird es sich live im Stadion erleben, Kunstmann schaut es sich in seiner Stammkneipe an. Beide setzen dabei auf einen 2:1-Sieg — jedoch jeweils für ihren Herzensklub. "Wer das Derby gewinnt, wird Vizemeister. Wenn wir das sind, dann darf Dortmund auch gerne die Champions League gewinnen", sagt Kunstmann ganz gönnerhaft.

(RP)