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Nach Zugabsage: Neuer Verein soll den Karneval in Geldern retten

Nach Zugabsage : Neuer Verein soll den Karneval retten

Der neu gegründete Verein „Karneval für Geldern“ will die Tradition wiederbeleben. Kritik übt Gründungsmitglied Jannik Berbalk an der KKG. Die habe ihre Arbeit nicht richtig gemacht, sagt der 21-Jährige.

Der Verein trägt ganz schlicht den Namen „Karneval für Geldern“. Was für eine Stadt am Niederrhein ganz selbstverständlich klingt, nämlich dass auf den Straßen Karneval gefeiert wird, ist es seit zwei Jahren in Geldern nicht mehr. Denn 2019 wurde der Umzug am Tulpensonntag erstmals abgesagt, und auch in diesem Jahr hat sich die Karnevals-Kultur-Gesellschaft Geldern (KKG) dazu entschieden, diese Tradition nicht wiederzubeleben. Das will nun ein neuer Verein übernehmen, der sich gegründet hat.

Am Samstag haben sich zehn Interessierte und Karnevalisten in den „Lindenstuben“ getroffen, um den formalen Weg für den neuen Verein zu gehen. Die Gruppe um Jannik Berbalk, Tanja Cox, Egbert Groterhorst, Helga Hekerens, Manuel Kusnierz, Gerd Lange, Johannes Leurs, Stefan Terlinden, Ramona Terlinden und Malina Terlinden hat die Satzung des neuen Vereins ausgearbeitet und die Gründung vollzogen.

„Karneval für Geldern“, kurz „KfGeldern“, hat sich das Motto „Alle unter einem Hut“ gegeben. Man wolle den Straßenkarneval in Geldern wiederbeleben und allen Vereinen und Karnevalisten die Möglichkeit geben, sich daran zu beteiligen. „Der Verein konzentriert sich jetzt darauf, dass zeitnah Strukturen geschaffen werden, damit die Arbeit an einem Konzept zügig beginnen kann“, erklärt Initiator Jannik Berbalk, der auch Vorstandsmitglied bei „Fridays for Future“ Kleve ist.

Das heißt, der Verein wird im Vereinsregister eingetragen, bekommt eine E-Mail-Adresse, ein Konto und eine Internetseite. Danach geht es ans Kontakte knüpfen. „Wir wollen uns mit allen Leuten treffen, die mit Karneval zu tun haben oder Interesse daran haben“, sagt der 21-jährige Jannik Berbalk.

Das werde nicht einfach, fürchtet der Vereinsgründer. „Es gibt scheinbar eine große Kluft zwischen der KKG und dem Rest von Geldern. Viele trauen dem Verein nicht mehr zu, einen Karnevalszug zu organisieren“, so Berbalk. „Die KKG hat ihre Arbeit in den letzten Jahren nicht richtig gemacht.“ Er betont, dass „Karneval für Geldern“ die KKG nicht verdrängen möchte, sondern unabhängig von ihr arbeiten wolle. Doch nun sei der neue Verein an der Reihe, die Organisation des Umzugs zu stemmen, so Berbalk. „Und dabei wollen wir alle Vereine einbinden, die KKG wird keine Prestige-Position einnehmen.“

Der neue Verein: Jannik Berbalk, Ramona Terlinden, Manuel Kusnierz, Stefan Terlinden, Gerd Lange, Egbert Grotehorst, Malina Terlinden, Johannes Leurs und Helga Hekerens (v. l.). Foto: Berbalk

Das kurzfristige Ziel des neuen Vereins: ein Karnevalszug im Jahr 2021. „Wir werden uns ausführlich der Öffentlichkeit vorstellen, sobald der Verein auf festem Boden steht“, ergänzt Stefan Terlinden, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Bis November, sagt Jannik Berbalk, sollte das Konzept für den neuen Zug stehen. Er wünscht sich mehr Interaktion beim Zug, zum Beispiel durch gemeinsame Tänze oder Spiele. Zudem könne man über ein Alkoholverbot diskutieren.

Das langfristige Ziel sieht vor, dass „Karneval für Geldern“ als eine Art Dachverein wirkt, bei dem alle Karnevalsvereine aus den Ortschaften und andere Interessierte aus Politik, von der Stadtverwaltung, Leiter von Schulen und Kitas sowie Anwohner sich gemeinsam an einen Tisch setzen, um den Zug zu planen. Die KKG hatte eine Zusammenarbeit bereits angekündigt.

Auch organisatorisch müsse man sich verändern, findet der 21-Jährige. So könne er sich vorstellen, dass die Stadt Geldern die Haftung für die Veranstaltung übernimmt. Auch bei den Finanzen wolle man auf Unterstützung der Stadtverwaltung sowie auf Spender und Sponsoren setzen.

Im vergangenen Jahr hat die Karnevals-Kultur-Gesellschaft Geldern (KKG) den Umzug am Tulpensonntag erstmals abgesagt. Die Gründe: Probleme bei der Finanzierung, offene Haftungsfragen und mangelnde Wertschätzung, wie es vom Verein hieß. Die Mitglieder seien frustriert, dass immer wieder – zum Beispiel in sozialen Netzwerken – ausgiebig über den Gelderner Zug genörgelt wird. Er sei zu klein, zu langweilig, zu unspektakulär. Vorsitzende Christiana Fee Plaumann damals: „Wir möchten nicht immer der Prellbock sein. Man muss eine andere Lösung finden, wie auch immer die geartet ist.“ Sollte sich ein Komitee bilden, das den Gelderner Zug in Angriff nimmt, wäre die KKG mit Rat und Tat dabei, versicherte sie.

(veke)