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Bürger aus Vernum sind sauer über trockenen Brunnen.

Kritik an Maßnahme gegen Corona-Pandemie : Vernumer wollen ihr Brunnenwasser zurück

Seit Ostern plätschert im Flachsbrunnen in der Ortschaft kein Wasser mehr. Das macht es für die Anwohner unter anderem mühsamer, die Blumen und Bäume zu bewässern. Jetzt hat die Stadt aber ein Einsehen.

Die Bronzefrau auf dem Mäuerchen des Flachsbrunnens in Vernum könnte mit dem Becken derzeit nichts anfangen. Auch für Linus, Pelle, Ida und Svea bietet der Brunnen aktuell höchstens das halbe Vergnügen. Mit den Füßen im kühlen Nass plantschen ist nicht möglich. Und die Frau müsste ihr Bündel Flachs woanders einweichen. Denn der Flachsbrunnen in Vernum ist seit Wochen trocken. Und darüber ärgern sich die kleinen und großen Anwohner.

Der Grund ist eine Maßnahme der Stadt Geldern gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie. „Die Stadtverwaltung hat die Brunnen im Stadtgebiet abstellen lassen in der Absicht, dass sich dann weniger Menschen dort zur Erholung niederlassen“, berichtet Anwohner Gerd Jacobs. Das Wasser im Vernumer Flachsbrunnen fließe normalerweise ab der Karwoche, ergänzt Anwohner Toni Barz. „Nach Ostern informierte die Stadt uns über die Sperrung des Brunnens.“

Seitdem ist der Brunnen trocken, der über die alte Tradition der Leinengewinnung in der Ortschaft informiert und neben einer Wiese steht, auf der laut Jacobs einst in einer Kuhle der Flachs eingeweicht („verrottet“) wurde. Damit entfällt nicht nur das Wasserspiel für die Kinder aus der Nachbarschaft. Das macht auch manches für die Erwachsenen mühsamer.

Die Marianische Bruderschaft und die vier Familien Barz, Blomberg, Jacobs und Knust pflegen den Brunnen und die umliegenden Anlagen, unter anderen das Kriegsmahnmal. Dazu gehören die Beete, für deren Sommer- und Herbstbepflanzung Werner und Anita Krenz sorgen. Der Brunnen, dessen Umwälzpumpe normalerweise einen Wasserschwall durch einen breiten Schlitz nach draußen befördert, diente bisher als Nachschubbasis für das Befüllen der Gießkannen. Jetzt muss das Wasser mühsam aus den Häusern herangeschleppt werden.

Die Alternative wäre, die Begonien, Petunien und Bodendecker, die derzeit auf den Beeten stehen, vertrocknen zu lassen. Aber das will niemand aus der Nachbarschaft. Außerdem kommen sie gerne der Bitte der Stadt nach, auch die Linden entlang der K 34 zu bewässern. Gerne sähen sie es aber, wenn das Wasser möglichst bald wieder flösse, um die Arbeit zu erleichtern und den Aufenthalt am Flachsbrunnen wieder etwas angenehmer zu machen.

Denn der ist längst ein beliebter Treffpunkt geworden. Nicht nur für die Vernumer, die auf dem Platz schon einige Brunnenfeste veranstalteten, sondern auch für Besucher. „Hier machen Radfahrer und Jogger Rast“, beobachtet Jacobs. Es sei ständig etwas los.

Wobei es sich hier nicht um Gruppen handle, die Party feiern. „Das sind immer so drei bis vier Leute“, sagt Anwohner Marc Blomberg. Jacobs hat noch nicht registriert, dass sich da jemand unerlaubter Weise zu nahe kam.

 Insgesamt hält Jacobs, genau wie viele andere seiner Nachbarn, solche Maßnahmen wie das Wasserabdrehen für den Brunnnen „auch in dieser Krisensituation für übertrieben“. „Wenn die Stadtverwaltung mit dem Abschalten der Brunnen die Ansteckungsgefahr vor Corona-Infektionen mindern möchte, müsste sie damit nicht auch den Holländer See und den See am Krankenhaus vor ruhesuchenden Bewohnern schützen?“, fragt er sich.

Einige Male hat sich der Vernumer schon an die Verwaltung gewandt. Bisher, so Jacobs weiter, seien alle Versuche, sie umzustimmen, gescheitert.

Doch am Freitagmorgen kam gute Kunde aus dem Rathaus. Die Rheinische Post hatte sich nach dem Treffen mit den Vernumern bei der Stadtverwaltung erkundigt, ob denn in diesem Falle keine Abhilfe möglich sei. Ist sie. Stadt-Pressesprecher Herbert van Stephoudt teilte am Vormittag mit, dass am Flachsbrunnen das Wasser wieder angestellt werden kann. Jetzt darf der kleine Wasserfall in dem Brunnen wieder sprudeln.