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Kreis Kleve ist Corona-Hotspot in NRW

Covid-19-Fallzahlen : Kreis Kleve ist Corona-Hotspot in NRW

Nirgendwo in Nordrhein-Westfalen wurden in sieben Tage mehr bestätigte Covid-19-Fälle pro 100.000 Einwohner als im Kreis Kleve gemeldet. Die dem Landrat auferlegten Kontrollen in Leiharbeiter-Unterkünften zeigen Wirkung.

Der Kreis Kleve weist aktuell innerhalb von ganz Nordrhein-Westfalen die meisten Corona-Neuerkrankungen auf. Landesweit wurden in keinem Landkreis und keiner kreisfreien Stadt in sieben Tage mehr bestätigte Covid-19-Fälle pro 100.000 Einwohner gemeldet als im Kreis Kleve. Auf einer aktuellen Karte des Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen ist der Kreis Kleve als einziger Landkreis sowie kreisfreier Stadt, in dem diese so genannte Inzidenz-Zahl höher als 10 liegt, farblich besonders herausgehoben.

Von Donnerstag, 4. Juni, sieben Tage rückwirkend betrachtet, gab es im Kreisgebiet 42 neue labordiagnostisch bestätigte Corona-Infektionen. Dies ergibt im Kreis Kleve eine 7-Tage-Inzidenz von 13,5 (auf der Karte ist noch ein Stand von 12 Uhr angegeben, d. Red.). In vielen Landkreise oder kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen liegt die Inzidenz-Zahl derzeit bei 0, hinter dem Kreis Kleve kommt die Stadt Duisburg mit einer Inzidenz-Zahl von 8.

Seit einigen Tagen sind laut Kreisverwaltung jeweils alle neu infizierten Personen als Zeitarbeiter erfasst. Dies offenbart, dass eine Anordnung der Bezirksregierung an Landrat Spreen Wirkung zeigt. Der Hintergrund: Am Pfingstwochenende wurden überraschend Sammeltestungen von Leiharbeitern in Goch und Emmerich durchgeführt (die RP berichtete). Dies kam wohl nicht von ungefähr: Wie aus einem Schreiben hervorgeht, das unserer Redaktion vorliegt, hatte die Bezirksregierung in Düsseldorf am Freitag zuvor Landrat Wolfgang Spreen aufgefordert, „unverzüglich mit allen zur Verfügung stehenden Kräften“ mit der Testung hier lebender Mitarbeiter niederländischer Schlachthöfe auf Covid-19 zu beginnen. Offenbar hatte der Kreis Kleve ursprünglich geplant, diese Testungen erst im Laufe dieser Woche durchzuführen. Die Bezirksregierung machte dem Landrat jedoch klar, dass sie erwarte, dass er sofort tätig wird. Sie setzte Spreen eine Frist für einen Bericht bis spätestens Dienstag, 2. Juni, 12 Uhr.

So lautet dem Kreis Kleve zufolge das Zwischenfazit der Testungen in Leiharbeiter-Unterkünften (Stand 4. Juni): „Seit Beginn der Reihentestungen von Leiharbeitern der niederländischen Fleischindustrie am Pfingstsonntag kontrollierte das Gesundheitsamt des Kreises Kleve mit Unterstützung des Helfer-Teams aus Krefeld zwischenzeitlich 45 Unterkünfte im Kreis Kleve. Abschließende Untersuchungsergebnisse zu den Testungen aller Unterkünfte liegen noch nicht vor. Niederländische Behörden, so der Kreis Kleve, hatten das Ergebnis von 13 positiv getesteten Leiharbeitern eines niederländischen Fleischbetriebes aus Helmond mitgeteilt. Die Wohnungen der Leiharbeiter befinden sich ebenfalls im Kreis Kleve. Die betroffenen Personen wurden unter Quarantäne gestellt sowie sonstige notwendige Maßnahmen eingeleitet.

Für Stephan Haupt, FDP-Landtagsabgeordneter aus Bedburg-Hau, kamen die Maßnahmen des Kreises Kleve viel zu spät. „Je eher der Kreis getestet hätte, desto mehr hätte er verhindern können“, sagt Haupt. Für ihn steht fest: „Landrat Wolfgang Spreen ist seiner Verantwortung nicht nachgekommen.“ Außerdem kritisiert er die ihn seinen Augen „eine mangelnde Offenheit“ des Kreises Kleve während der Corona-Pandemie. „Wir brauchen deutlich mehr Transparenz, um nicht noch mehr Ängste aufkommen zu lassen“, sagte Haupt am Freitag unserer Redaktion. Für den CDU-Landtagsabgeordneten Günther Bergmann aus Kalkar zeigen die aktuellen Zahlen, „dass jetzt konsequent weiter getestet werden muss. Wenn die Zahlen so bleiben, ist das kein Problem.“

So soll es nun laut dem Kreis Kleve weitergehen: Die kreisweiten Kontrollen und Reihentestungen der größeren Unterkünfte von Leiharbeitern werden voraussichtlich noch in dieser Woche beendet sein. Im Anschluss daran werden die Kontrollen auf kleinere Unterkünfte von Leiharbeitern der niederländischen Fleischindustrie ausgedehnt. Parallel ist vorgesehen, in bereits kontrollierten Unterkünften, wo bisher keine oder nur wenige Bewohner angetroffen wurden, weitere Testungen durchzuführen.