Missbrauch-Vorwürfe aus Chile gegen verstorbenen Pater aus Rees

Katholische Kirche : Missbrauch-Vorwürfe aus Chile gegen verstorbenen Pater

Eine chilenische Diozöse hat den Fall, in den ein aus Rees stammender Priester verwickelt gewesen sein soll, jetzt öffentlich gemacht.

In Chile werden Missbrauchsvorwürfe gegen einen vor einem Jahr gestorbenen Priester aus Rees erhoben. Eine entsprechende Stellungnahme hat das chilenische Bistum Osorno am Donnerstag veröffentlicht.

Dem Pater wird vorgeworfen, vor mehreren Jahrzehnten in San José de la Mariquina in einen Fall von sexuellem Missbrauch verwickelt gewesen zu sein. Der Stellungnahme zufolge wurde der Vorwurf bereits im April der chilenischen Bischofskonferenz vorgetragen. Möglicherweise ist das nicht der einzige Fall, in den der Reeser Pater verwickelt ist. Bereits vor einigen Monaten soll es ähnliche Hinweise gegeben haben.

Wessen sich der Pater konkret schuldig gemacht haben soll, wie alt das mögliche Opfer damals war, geht aus der Stellungnahme nicht hervor. Wie das Bistum Orsono schreibt, stehe es in Kontakt mit dem damaligen Opfer, das mittlerweile in einer anderen Region Chiles lebe. Ein erstes Gespräch habe es vor kurzem gegeben.

Der Pater aus Rees hatte seit den 1960er Jahren in Chile gelebt und als Geistlicher gearbeitet. In den 2000er Jahren war er an den Niederrhein zurückgekehrt und wirkte in verschiedenen Gemeinden, unter anderem auch in Wesel, auch nach seiner Emeritierung bis zu seinem Tod im vergangenen Jahr.

Das chilenische Bistum Osorno, das den Fall jetzt öffentlich machte, war auch jene Diözese, die im vergangenen Jahr einen riesigen  Missbrauchsskandal in der chilenischen Kirche ins Rollen brachte. Hunderte von Missbrauchsfällen, die sich seit den 1960er Jahren in dem südamerikanischen Land ereignet hatten und jahrzehntelang von der Kirche vertuscht wurden, waren dabei aufgedeckt worden. Als Konsequenz entließ Papst Franziskus unter anderem zwei frühere chilenische Bischöfe aus dem Klerikerstand wegen „offenkundiger Misshandlungen von Minderjährigen“. Die so genannte Laisierung ist die schwerste Strafe, die die katholische Kirche gegen Priester verhängen kann.

Dem hiesigen Bistum waren die Anschuldigungen gegen den Geistlichen aus Rees nach dem Tod des Priesters bekannt geworden, nachdem sich ein chilenischer Fotojournalist an Münster gewandt und auf die Vorwürfe aufmerksam gemacht hatte. In der Personalakte des Mannes hätten sich ansonsten keine Hinweise auf sexuellen Missbrauch gefunden, teilte des Bistum am Freitag der RP mit. Der für Rees zuständige Pfarrer sei informiert worden.

Erst im Mai hatte es am Niederrhein einen ähnlichen Fall gegeben. Auch hier wurde einem aus Rees stammenden und mittlerweile verstorbenen Pfarrer sexueller Missbrauch vorgeworfen. Der Geistliche war in der katholischen Pfarrgemeinde St. Peter Büderich tätig. Ihm wurde vorgeworfen, Anfang der 1980er Jahre einen 20-Jährigen darum gebeten haben, sich zu entkleiden. Später soll er ihm Liebesbriefe geschrieben haben. 38 Jahre nach der Tat, hatte sich der Mann an die Öffentlichkeit, an Bistum und Presse gewandt. Die betroffene Pfarrei informierte daraufhin ihre Gemeindemitglieder.

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